Volkswagen im Führungschaos Warum Diess wirklich die Kontrolle bei der Marke VW abgeben musste

VW-Chef Herbert Diess: Der Anfang vom Ende?

VW-Chef Herbert Diess: Der Anfang vom Ende?

Foto: Ronny Hartmann/dpa

Führungschaos bei Volkswagen: Vorstandschef Herbert Diess muss nach internen Auseinandersetzungen die Führung der Hauptmarke VW an Ralf Brandstätter abgeben. Außerdem scheidet überraschend Beschaffungsvorstand Stefan Sommer zum Monatsende aus. Die Aktie  reagierte am Dienstag mit deutlichen Verlusten auf die Personalien.

Dem Rollentausch voraus geht ein heftiger Streit zwischen Diess und dem Aufsichtsrat. Diess hatte den Mitgliedern des Kontrollgremiums auf einer Führungskräfte-Konferenz am vergangenen Donnerstag Indiskretion vorgeworfen.

Der VW-Chef hatte sich darüber geärgert, dass sein Wunsch nach einer vorzeitigen Vertragsverlängerung, über die das manager magazin berichtet hatte , sowie Problemen bei den wichtigen Modellen Golf 8 und ID.3, an die Medien geraten waren. "Das sind Straftaten, die im Aufsichtsratspräsidium passiert und dort offensichtlich zugeordnet werden können", sagte Diess vor 3400 Topmanagern.


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Das wiederum stieß im Aufsichtsrat auf erhebliche Missbilligung. Das Kontrollgremium forderte eine Entschuldigung von Diess. Auch seine Ablösung habe zeitweise im Raum gestanden, heißt es in Wolfsburg. Es blieb dann bei der Abgabe der Rolle des Markenchefs.

Ein Konzernsprecher sagte am Dienstag, es sei nicht die Absicht des Topmanagers gewesen, die eigenen Kontrolleure anzugreifen: "Herr Diess wollte nicht zum Ausdruck bringen, dass sich Mitglieder des Aufsichtsrats strafbar gemacht haben." Die Äußerungen seien "im Kontext von Presseberichten getätigt worden, für deren Grundlage in wiederholten Fällen offensichtlich vertrauliche Informationen auch zu Themen des Aufsichtsrats an Medien gelangt waren".

Porsche und Piëch bekennen sich zu Diess

Die Familien Porsche und Piëch haben sich inzwischen auch zu dem Vorfall geäußert. Sie stehen weiterhin hinter Diess - mahnen aber, die Baustellen bei dem Autohersteller müssten nun dringend beseitigt werden. "Herr Diess hat sich in aller Form entschuldigt, er hat dabei den gesamten Aufsichtsrat adressiert", hieß es bei den Mehrheitseignern. "Die Kapitalseite steht weiter hinter ihm." Allerdings sei es höchste Zeit, zur Sacharbeit zurückzukehren. "Klar ist auch: Das Unternehmen muss jetzt in ruhigeres Fahrwasser kommen."

Diess sei ein erfolgreicher Manager, der mit Elektrifizierung und Digitalisierung wichtige Themen vorangetrieben habe, betonte der Hauptaktionär Porsche-Holding. "Aber Probleme müssen gelöst werden."

Als VW-Markenchef stand Diess schon lange im Fadenkreuz der Kritik des Betriebsrates. Die bei Volkswagen besonders mächtige Arbeitnehmervertretung warf ihm schwere Managementfehler vor und machte ihn für die Softwareprobleme beim Golf 8 und dem neuen Elektroauto ID.3 verantwortlich.

Sommer blieb Fremdkörper im VW-Konzern

Doch nicht genug damit, dass VW Führungsprobleme an der Spitze des Unternehmens hat. Auch im restlichen Vorstand rumort es. So hat Einkaufsvorstand Stefan Sommer entschieden, das Unternehmen "aus eigenem Wunsch im besten gegenseitigen Einvernehmen" zu verlassen.

Sommer kam erst zum 1. September 2018 zu VW. Er war als oberster Einkäufer auch für die Ausgliederung und stärkere Eigenständigkeit der VW-eigenen Zuliefererbereiche und den Aufbau einer eigenen Batteriefertigung verantwortlich.

Der Manager hatte zuvor seit 2010 den Autozulieferer ZF Friedrichshafen geleitet und schaffte es, das eher provinzielle Unternehmen mit mehreren Zukäufen zu einem Global Player umzubauen. Durch die Übernahme des US-Zulieferers TRW stieg ZF in die Top 10 der umsatzstärksten Autozulieferer weltweit auf.

Im Jahr 2017 verlor Sommer dann einen Machtkampf mit der Stadt Friedrichshafen, die Hauptgesellschafter von ZF ist. Sommer wollte den Bremsenhersteller Wabco zu ZF holen, die Stadt sperrte sich dagegen, Sommer warf daraufhin hin.

Sein Vertrag mit VW wäre erst 2021 ausgelaufen. Doch der Manager fühlte sich nie wohl im VW-Konzern, blieb immer ein Fremdkörper. Die Querelen mit der eigenen Organisation und dem mächtigen Arbeitnehmerflügel im Konzern seien so gravierend gewesen, dass er keinen neuen Vertrag bekommen hätte, heißt es im Unternehmen. Sommer habe daraufhin die Konsequenzen gezogen.

mg, mf und wed mit Material von Nachrichtenagenturen
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