Konflikt mit Zulieferer eskaliert Volkswagen muss Golf-Produktion für 5 Tage stoppen

Der Konflikt mit Zulieferern eskaliert. Wegen fehlender Teile stehen 20.000 Volkswagen-Beschäftigte vor Zwangsurlaub. Im Stammwerk Wolfsburg wird die Produktion des wichtigsten Modells VW Golf ab kommender Woche für 5 Tage gestoppt. VW droht, sich die Teile zwangsweise anzueignen. Die Mutter der Zuliefertöchter behauptet, sie hätte mit dem Konflikt nichts zu tun.
Golf-Produktion in Wolfsburg

Golf-Produktion in Wolfsburg

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Der Streit mit einem Lieferanten wächst sich für Volkswagen zu einem Desaster aus. Weil ein Zulieferer keine Teile mehr an die Bänder liefert, muss der Konzern voraussichtlich mehr als 20.000 Mitarbeiter in Zwangsurlaub schicken.

Für Teile der Produktion in den Werken Wolfsburg, Braunschweig, Kassel und Zwickau werde Kurzarbeit geprüft, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies. Details würden derzeit mit der Bundesagentur für Arbeit geklärt. Die Kurzarbeit sei zunächst für fünf Tage geplant.

Allein im Stammwerk Wolfsburg dürfte die Ausweitung der Kurzarbeit mehr als 10.000 Beschäftigte betreffen. Ein VW-Sprecher sagte, man habe die Logistikunternehmen darüber informiert, dass die Produktion des wichtigen Kompaktmodells Golf am Stammsitz von Montag bis Freitag kommender Woche stillstehen werde. Über Kurzarbeit sei noch nicht entschieden. Bereits gestern mussten 8000 Mitarbeiter des Passat-Werks in Emden wegen fehlender Teile zwangsweise zuhause bleiben.

Hintergrund ist ein Rechtsstreit mit der in Wolfsburg anässigen Unternehmensgruppe Prevent. Zwei Töchter des Konsortiums haben die Lieferung von Bauteilen an VW eingestellt, da sie Ansprüche aus einem gescheiterten Projekt erheben, die VW offenbar aber so nicht erfüllen will.

"Es werden Ansprüche geltend gemacht, die aus einer anderen, letztlich nicht zustande gekommenen Geschichte hergeleitet werden", sagte ein Sprecher des Landgerichts. Das Gericht werde Ende August den Fall verhandeln.

Doch so viel Zeit hat Volkswagen nicht und will die Belieferung nun womöglich zwangsweise durchsetzen. Dafür werde man alle Mittel nutzen, die laut Gesetz möglich seien. "Dazu gehören Ordnungsgeld, Ordnungshaft, Beschlagnahme, die über das Gericht beantragt werden", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" den Konzern. Parallel bemühe sich der Autobauer aber weiterhin um "eine gütliche Einigung".

Prevent: "Juristisch nicht mit den Zulieferern verbunden"

Eine Kommunikationsagentur im Auftrag der Prevent DEV GmbH teilte indes mit, diese sei "nicht juristisch" mit den Gesellschaften der Car Trim GmbH und der ES Automobilguss GmbH verbunden und somit auch nicht Partei im Konflikt mit VW.

"Gleichwohl bedauern wir die Eskalation des aktuellen Konflikts sehr, zumal die Prevent DEV GmbH und die Volkswagen AG eine langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit miteinander verbindet." Die Firma hoffe darauf, dass es zu einer "raschen, einvernehmlichen Lösung ohne weitere Eskalationen kommt".

Produktionsabläufe sind empfindlich gestört

Car Trim aus dem sächsischen Plauen schickt schon seit einiger Zeit keine Sitzbezüge mehr an die VW-Tochter Sitech, die dann die Autositze für VW-Modelle fertigt. Deshalb meldete Volkswagen für einen Großteil der Belegschaft in Emden Kurzarbeit an. In dem VW-Werk läuft das Mittelklassemodell Passat in verschiedenen Varianten vom Band, darunter auch der CC. Im Schnitt werden dort 1250 Fahrzeuge am Tag produziert.

Beim Landgericht Braunschweig hatte Volkswagen vergangene Woche eine Einstweilige Verfügung erwirkt - das Gericht befand, Car Trim müsse wieder liefern. Über diesen Beschluss habe sich das Unternehmen jedoch hinweggesetzt, erklärte VW. Prevent hat Car Trim erst im April übernommen - was damit die Aussage der Kommunikationsagentur in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Weil ein weiteres Unternehmen aus diesem Firmengeflecht, die ES Automobilguss GmbH, die Lieferung für Gussteile für Getriebe an Volkswagen einstellte, kam nun auch das Werk Kassel unter Druck. Dort können laut VW bestimmte Getriebe nicht gefertigt werden, wodurch wiederum Teile der Produktion von Golf und Sportsvan in Wolfsburg beeinträchtigt seien. Auch Zwickau ist davon betroffen.

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rei/Reuters/dpa
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