Mögliche Einigung im Abgasskandal mit US-Behörden VW bietet offenbar 5000 Dollar Entschädigung pro Kunde

In der Abgasaffäre hat sich VW laut Medienberichten mit den US-Behörden geeinigt. Der Konzern bietet offenbar den Rückkauf des manipulierten Wagens an - oder repariert das Auto und zahlt dem Kunden zudem 5000 Dollar Entschädigung.
Von mm-newsdesk
Software-Update für einen VW Amarok

Software-Update für einen VW Amarok

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa
Fotostrecke

US-Klage gegen VW im Abgasskandal: Irreführung, Verschleierung – Was US-Behörden VW alles vorwerfen

Foto: Rainer Jensen/ dpa

Volkswagen hat Insidern zufolge in der Abgasaffäre ein Rahmenabkommen für eine Einigung mit den US-Behörden getroffen. Der deutsche Autobauer werde beim zuständigen US-Gericht an diesem Donnerstag voraussichtlich anbieten, bis zu 500.000 manipulierte Dieselfahrzeuge mit 2,0-Liter-Motoren zurückzukaufen , sagten in den Vorgang eingeweihte Personen.

Alternativ werde Kunden womöglich auch eine Reparatur angeboten , sofern die US-Aufseher dafür grünes Licht geben sollten. In beiden Fällen würden die Besitzer der Autos eine zusätzliche Entschädigung erhalten, wofür ein Fonds mit einem Volumen von vermutlich mehr als einer Milliarde Dollar eingerichtet werde.

Die Zeitung "Die Welt" berichtete unter Berufung auf Verhandlungskreise, jeder US-Halter eines VW-Modells, das mit einer beanstandeten Software ausgestattet sei, solle 5000 Dollar Entschädigung erhalten. Davon unabhängig müsse VW die Kosten für die Umrüstung des jeweiligen Autos tragen.

In den USA läuft an diesem Donnerstag eine vom Bezirksgericht in San Francisco gesetzte Frist aus, bis zu der sich Volkswagen mit den Behörden geeinigt haben muss. Dieses Ultimatum hatte Bezirksrichter Charles Breyer ursprünglich bereits für Ende März ausgesprochen , auf Antrag von VW aber um einen Monat verlängert . Der Konzern verhandelt seit Monaten mit der Umweltbehörde EPA und deren kalifornischem Pendant CARB über die Reparatur oder den Rückkauf von manipulierten Autos in den USA.

Ohne Kompromiss droht der Prozess

Sollte ein Kompromiss scheitern, droht im Sommer ein Prozess. Bezirksrichter Breyer bündelt hunderte Klagen gegen VW zu Blöcken, die dann vor Gericht verhandelt werden können. Von seinen Entscheidungen hängt ab, wie teuer der Abgasskandal für VW in den USA wird.

Zwar kann der Bezirksrichter keine unmittelbaren Strafen verhängen, wenn die von ihm gesetzte Frist nicht eingehalten wird. Doch er kann das Verfahren so beschleunigen , dass VW bereits im Sommer der Prozess gemacht wird. Das würde die Zeit zur Verhandlung außergerichtlicher Vergleiche verknappen - und den Abgasskandal für VW in den USA letztlich verteuern. Zudem kann Breyer die Autos aus dem Verkehr ziehen lassen.

Volkswagen muss wegen des Dieselskandals Insidern zufolge in seiner Bilanz 2015 Belastungen von mindestens zehn Milliarden Euro verkraften. Der genaue Betrag hänge vom Ausgang der Gespräche mit den US-Behörden ab.

Eine Einigung wäre für VW ein wichtiger Schritt, denn dann könnte sich besser absehen lassen, wie viel Geld VW für den Skandal letztendlich insgesamt zur Seite legen muss. Die Berichte über ein Abkommen kamen nach Börsenschluss in Deutschland. In den USA gehandelte VW-Aktien legten fast sechs Prozent zu.

Auch ein Umweltentschädigungsfonds im Gespräch

Eine mit der Einigung vertraute Person sagte, die Besitzer betroffener Fahrzeuge würden etwa zwei Jahre Zeit bekommen, um zu entscheiden, ob sie ihr Auto verkaufen oder reparieren lassen wollen. Im Falle eines Rückkaufs werde geschätzt, welchen Wert das Fahrzeug hatte, bevor der Skandal im September 2015 publik wurde. Unklar blieb, ob VW die zurückerworbenen Autos weiterverkaufen darf.

Eine endgültige Einigung werde zudem einen Umweltentschädigungsfonds vorsehen. Ob mit dem Abkommen auch das zivilrechtliche Verfahren beigelegt wird, das das US-Justizministerium gegen VW im Januar anstrengte, oder ob der Konzern der Zahlung eines Bußgeldes zustimmen wird, war nicht klar. Volkswagen, die EPA und das US-Justizministerium lehnten Stellungnahmen ab.

Anwalt: Abmachung soll zum Maßstab in Deutschland werden

Einige Details mussten den Insidern zufolge noch ausgearbeitet werden. Die "Welt" berichtete, anders als zunächst erwartet werde mit dem Vergleich kein detaillierter Plan zur Umrüstung der in den USA betroffenen Autos vorgelegt. Auch die Strafen und Wiedergutmachungsmaßnahmen seien nicht in allen Einzelheiten geregelt. "Es handelt sich vielmehr um eine Art Eckpunktepapier, in dem die große Linie für die kommenden Monate festgelegt ist und an dem weitergearbeitet wird", wird ein Prozessbeteiligter zitiert. Einzelheiten würden demnach nach dem Gerichtstermin in San Francisco noch nicht mitgeteilt. Alle Beteiligten hätten Stillschweigen vereinbart.

Christopher Rother, der deutsche Partner des US-Anwalts Michael Hausfeld, sagte laut "Welt", die Abmachungen für US-Kunden sollten zum Maßstab für Entschädigungen von deutschen VW-Besitzern gemacht werden. Die Kanzlei Hausfeld vertritt der Zeitung zufolge Kläger im Sammelprozess gegen Volkswagen in den USA.

rei/la/wed/dpa/Reuters