Mittwoch, 8. April 2020

VW schließt staatliche Finanzhilfen aus VW-Chef Diess ruft China zum Vorbild bei der Bekämpfung der Corona-Krise aus

Herbert Diess: "Unsere Verkäufe weltweit stehen. Wir machen keinen Umsatz außerhalb Chinas"
Jens Bttner/dpa-Zentralbild/ZB
Herbert Diess: "Unsere Verkäufe weltweit stehen. Wir machen keinen Umsatz außerhalb Chinas"

VW-Konzernchef Herbert Diess hat vor möglicherweise noch länger anhaltenden Folgen der Coronavirus-Pandemie für den Autobauer gewarnt und zugleich China zum Vorbild bei der Bekämpfung der Pandemie und ihrer Folgen ausgerufen. "Wir gehen aus einer starken Position in diese Krise", sagte er am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Markus Lanz". "Aber unsere Verkäufe weltweit stehen. Wir machen keinen Absatz, wir machen keinen Umsatz außerhalb Chinas."

Die Maßnahmen, die China bei der Bekämpfung des Coronavirus ergriffen habe, seien jedoch ein Beispiel dafür, wie man die Krise effektiv bekämpfen und in nicht allzu langer Zeit überstehen könne. Dem Regime in Peking sei es gelungen, die Gesundheitsprobleme vorerst in den Griff zu bekommen und zugleich die Wirtschaft wieder anzukurbeln. "In China können wir viel lernen", sagte der Volkswagen-Chef.

Zuletzt hatten auch andere Autohersteller wieder Hoffnung bezüglich des chinesischen Markts geäußert. Gleichwohl sind gerade für die deutschen Hersteller die Verluste dort beträchtlich. Die Gewinne könnten dort um bis zu 40 Prozent schrumpfen, berichtete das manager magazin kürzlich in Bezug auf eine exklusive Studie der Unternehmensberatung Bain.

Fast überall auf der Welt befindet sich Volkswagen in einer schwierigen Lage, wie auch die gesamte Autoindustrie. Derzeit werde der Hersteller in sämtlichen anderen Märkten außerhalb Chinas "praktisch keine" Autos mehr los, weil die Nachfrage am Boden liege. Infolgedessen nehmen die Liquidität stark ab - Diess sprach von bis zu zwei Milliarden Euro pro Woche.

"Wir reduzieren unsere Ausgaben. Wir verschieben Projekte, die nicht erfolgskritisch sind", sagte der Manager. Ob alle der derzeit rund 80.000 in Deutschland kurzarbeitenden Beschäftigten nach den laufenden Werksschließungen wieder voll arbeiten könnten, könne er nicht garantieren: "Es wird davon abhängen: Wie schnell können wir diese Krise beherrschen?"

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Diess erwartet, dass es dem Konzern und den Mitarbeitern aber gelingen wird, die Probleme abzufedern. Dafür gelte es, die Zeit der Produktionsunterbrechungen zu nutzen: "Wir müssen uns auf den Wiederanlauf vorbereiten." Nötig seien etwa neue Hygienemaßnahmen und größere Abstände an den Bändern.

"Ich bin froh, dass wir nun mindestens drei Wochen Zeit haben, uns neu zu organisieren. Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen, so umzubauen, dass sich keiner anstecken wird." VW hatte den Fertigungsstopp in Deutschland wegen der Corona-Krise kurz zuvor um vier weitere Tage bis zum 9. April verlängert. Seit einer Woche stehen die Bänder bereits still.

VW will ohne staatliche Finanzhilfen auskommen

Volkswagen will unterdessen in der Coronavirus-Pandemie ohne staatliche Finanzhilfen auskommen. "Aus heutiger Sicht schließe ich das aus", sagte Finanzvorstand Frank Witter der "Börsen-Zeitung" (Freitagausgabe). Der Konzern verfüge "im Autobereich über einen starken Cash-flow und eine ordentliche Nettoliquidität". Dafür sei im vergangenen Jahr die Basis gelegt worden.

Kurzarbeitergeld hingegen wird VW in Anspruch nehmen. Wegen Lieferengpässen und einem Absatzschwund wollen die Wolfsburger dies für rund 80.000 Beschäftigte beantragen. Das Land Niedersachsen ist zudem zu 20 Prozent an dem Autobauer beteiligt.

Dividende soll trotz Corona kräftig steigen

Trotz der Reserven geht es VW in der Krise darum, das Geld zusammenzuhalten. Dazu gehört laut Witter, Auszahlungen zu reduzieren, sämtliche Programme, Investitionen, Beraterleistungen und anderes einer sehr kritischen Überprüfung zu unterziehen. Neue Beteiligungsverkäufe sind demnach aber bisher nicht geplant. "Der Einzahlungsstrom hat sich im Zuge der fehlenden Fahrzeugverkäufe stark verengt, daher müssen wir auch den Auszahlungsstrom auf das begrenzen, was aktuell wirklich wichtig ist", sagte der Finanzchef. Wichtige Themen wie der Ausbau der Software-Kompetenz und die Elektromobilität würden nicht vom Tisch fallen, andere Projekte jedoch hinterfragt.

An der Dividendenerhöhung will Witter hingegen nicht rütteln. Der Vorschlag, den Aktionären für das Geschäftsjahr 2019 eine um 35 Prozent steigende Ausschüttung zu zahlen, sei "im Moment" angemessen.

la/dpa

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