Dienstag, 16. Juli 2019

VW-Chef will Kooperation mit Ford ausbauen - auch bei Elektroautos "VW ist sehr stark chinesisch geprägt - wir brauchen ein Gegengewicht in den USA"

"Wir brauchen ein Gegengewicht in den USA": Ford-Chef Jim Hackett (r) und Volkswagen-Chef Herbert Diess kennen sich gut, sie verständigten sich bereits zu Jahresbeginn darauf, gemeinsam Transporter und mittelgroße Pick-Ups zu entwickeln

Die Spekulationen über eine enge Zusammenarbeit von Volkswagen und Ford beim Autonomen Fahren und Elektroauto-Technik kursieren schon länger. Im vergangenen Februar hatte das "Wall Street Journal" berichtet, die Wolfsburger seien bereit, bis zu zwei Milliarden Dollar in die Roboterauto-Firma Argo AI zu investieren.

Nach dem am Mittwoch verkündeten Ausstieg Volkswagens bei dem Start-up Aurora, das künftig mit Fiat Chrysler kooperieren will, verdichten sich die Hinweise auf eine Kooperation von Ford und VW in diesem kapitalintensiven Zukunftsfeld. Die Gespräche zwischen VW und Ford über eine Kooperation bei Elektroautos und autonomem Fahren stünden "kurz vor dem Abschluss", sagte VW-Chef Herbert Diess am Donnerstag vor 500 Führungskräften des Konzerns. Die beiden Autobauer stünden kurz vor einer entsprechenden Vereinbarung, hatte die Wirtschaftsagentur Bloomberg zuvor unter Berufung auf jenes Führungskräfte-Treffen berichtet.

VW sehr stark chinesisch geprägt - und zu schwach in den USA

Bereits im Januar hatten sich Volkswagen und Ford auf die gemeinsame Entwicklung von Kleintransportern und Pickups verständigt. Volkswagen geht es in dem jetzt anstehenden Pakt darum, Kosten zu sparen und Skaleneffekte zu nutzen.

Diess erklärte nun vor den Führungskräften, Volkswagen müsse seine bislang schwache Position in den USA ausbauen. Dies gelte insbesondere in Zeiten drohender globaler Handelskonflikte. "Heute sind wir de facto ein sehr stark chinesisch geprägtes Unternehmen", sagte Diess seinen Managern. "Dazu brauchen wir ein Gegengewicht in den USA."

Volkswagen sah sich in China, wo die Marke VW die Hälfte ihrer Autos verkauft, zuletzt wegen wachsender Handelsspannungen und verschärfter Emissionsvorschriften mit rückläufigen Verkäufen konfrontiert. Umgekehrt wächst auf dem weltgrößten Automarkt der Absatz von Elektroautos deutlich. VW trägt dieser Entwicklung Rechnung, errichtet zusammen mit seinen chinesischen Partnern JAC, SAIC und FAW an drei Standorten Fabriken für Elektroautos oder stellt die Produktion auf E-Autos um

Ford und VW wollen Google und General Motors angreifen

Laut Bloomberg könnte der Deal zwischen Volkswagen und Ford schon Anfang Juli verkündet werden und dürfte wahrscheinlich mit hohen Investitionen der Wolfsburger in den USA verknüpft sein. Details nannte Diess dem Bericht zufolge aber nicht.

Die angestrebte Partnerschaft werde es mit Googles Roboterauto-Tochter Waymo und dem vom General Motors übernommenen Start-up Cruise aufnehmen können, zeigten sich laut Bloomberg mit den Gesprächen vertraute Personen überzeugt.

Das Autonome Fahren gilt als Schlüsseltechnologie der Zukunft - nicht zuletzt weil damit lukrative Robotaxi-Dienste betrieben werden könnten. Tesla-Chef Elon Musk zum Beispiel ist davon überzeugt, dass sich der Wert des Elektroautobauers mit dem Autonomen Fahren um ein Vielfaches steigern ließe.

Am weitesten fortgeschritten mit der Entwicklung von Roboterwagen-Technik gilt derzeit Waymo, das bereits erste Erfahrungen mit einer Robotaxi-Flotte in Arizona sammelt. Doch auch der Fahrdienstvermittler Uber und Apple arbeiten an Roboterwagen-Technik und Software zum Autonomen Fahren.

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