Montag, 9. Dezember 2019

Tiguan, Passat, Touareg, Audi VW soll auch bei Automatik-Getrieben manipuliert haben

Auch bei Automatikgetrieben - hier ein "Touareg" - soll Volkswagen getrickst haben

Der Volkswagen-Konzern hat offenbar in größerem Stil auch an den Automatikgetrieben seiner Fahrzeuge manipuliert, um die Abgase und Verbrauchswerte auf dem Teststand künstlich niedrig zu halten. Das berichtete das "Handelsblatt" am Montag unter Berufung auf Aussagen von Beschuldigten im Dieselskandal gegenüber den Staatsanwaltschaften Braunschweig und München sowie interne Unterlagen des Unternehmens. Unter den Aussagen ist die eines führenden VW-Ingenieurs.

Danach enthielten in den USA sowie Europa Benziner, aber auch Diesel-Fahrzeuge mit Doppelkupplungsgetriebe eine Funktion, die das Schaltverhalten auf dem Teststand so steuerte, dass weniger CO2 und Stickoxide ausgestoßen wurden als auf der Straße. Auch sollen die Fahrzeuge auf dem Prüfstand teilweise weniger Sprit verbraucht haben.

Betroffen sind dem Bericht zufolge zahlreiche Modelle des Konzerns, darunter Tiguan, Passat sowie Touareg, aber auch Audi-Modelle. VW hingegen betont, bei den Diesel-Fahrzeugen habe es sich nur um den Audi A7 und A8 gehandelt. Dabei habe es sich zudem nur um eine technische "Non-Konformität" gehandelt. Für beide Modelle verfügte das Kraftfahrt-Bundesamt jedoch 2017 einen verpflichtenden Rückruf.

Bei den Benziner-Modellen bestätigt das Bundesverkehrsministerium CO2-Abweichungen, das KBA habe aber "keine Auffälligkeiten hinsichtlich der Verwendung unzulässiger Strategien" festgestellt. VW hatte im August wegen derartiger Schalttricks bei Benzinern-Modellen in den USA insgesamt 100 Millionen Dollar an Fahrzeugbesitzer gezahlt. Die Bewertung und regulatorische Fragen seien aber mit denen in Europa und Deutschland nicht zu vergleichen, so der Konzern.

Der Konzern unterstreicht in einer Mitteilung, "das KBA hat keine Getriebe-Software als Abschaltvorrichtung bewertet". Die KBA-Überprüfung bei in der EU vermarkteten Automatikfahrzeugen habe "zu keinen auf CO2-Abweichungen bezogenen Anordnungen des KBA geführt".

Am Montag hatte der Prozess vor dem Oberlandesgericht Braunschweig gegen Volkwagen im Zuge einer Musterfeststellungsklage begonnen. Deutlich wurde am ersten Verhandlungstag: Bei der Musterklage gegen den Konzern müssen sich Dieselkunden bis zu einer klaren Einschätzung ihrer Chancen auf Schadenersatz gedulden. Das OLG Braunschweig gab am Montag noch keine einheitliche Richtung vor. Man müsse zunächst vorherige Urteile anderer Gerichte "sorgfältig prüfen", erklärte der Vorsitzende Richter Michael Neef. Während Verbraucheranwälte bereits Hoffnung auf Schadenersatz sehen, gibt es nach Interpretation von VW Zweifel, dass den Kunden überhaupt ein Schaden entstanden ist.

rei/dpa

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