VW-Nutzfahrzeugtochter kauft zu Traton einigt sich mit Navistar-Aktionären auf Übernahme

Showdown im Übernahmepoker: Die VW-Tochter Traton hatte den Navistar-Großaktionären Carl Icahn und Mark Rachesky ein Ultimatum gesetzt. Diese forderten daraufhin am Freitag nur noch einen bescheidenen Nachschlag - und Traton schlug ein.
Navistar-Lkw: Großaktionär Carl Icahn bekommt weniger Nachschlag als erhofft

Navistar-Lkw: Großaktionär Carl Icahn bekommt weniger Nachschlag als erhofft

Foto: Getty Images

Der Übernahmepoker um Navistar ist beendet. Die Volkswagen-Nutzfahrzeugtochter Traton  hat sich mit dem US-Lkw-Hersteller und dessen Großaktionären gründsätzlich auf eine Übernahme zum Preis von 44,50 Dollar je Aktie geeinigt. Die Einigung stehe noch unter dem Vorbehalt der Buchprüfung, teilte die VW-Tochter am Freitag mit. Damit geht ein monatelanger Poker zu Ende, der in dieser Woche noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen hatte.

Erst am Mittwoch hatte Traton mit einem offenen Brief noch einmal Druck gemacht: Das von Traton jüngst auf 43 Dollar je Navistar-Aktie aufgestockte Angebot laufe nur noch bis Freitag 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Das Ultimatum hat die beiden Navistar-Großaktionäre Carl Icahn (84) und Mark Rachesky (60) offenbar aufgeschreckt: Sie forderten am Freitag nur noch einen vergleichsweise bescheidenen Nachschlag, und zwar auf 44,50 Dollar je Aktie. Zu diesem Preis seien sie bereit, ihre Anteile zu verkaufen, machte Navistar-Chef Troy Clarke am Freitag in einem Brief an Traton-Chef Matthias Gründler deutlich. Offenbar wollten auch erfahrene Zocker wie Icahn und Rachesky nicht riskieren, den Deal jetzt noch platzen zu lassen.

Der Münchner Lkw- und Bus-Hersteller Traton hält - ebenso wie Icahn und Rachesky - knapp 17 Prozent an Navistar. Die Aktionäre von Navistar zeigten sich erleichtert über die Einigung: Die Navistar-Aktie , die am Mittwoch und Donnerstag nach dem Warnschuss aus Deutschland eingebrochen war, zog am Freitag um 22 Prozent an und pendelte zuletzt um die Marke von 44 US-Dollar.

Die VW-Holding für die Marken MAN und Scania will sich mit dem langjährigen Partner im wichtigen US-Geschäft verstärken. Traton hatte die Offerte für die restlichen Anteile jüngst um rund 700 Millionen Dollar auf fast 3,6 Milliarden Dollar aufgestockt, die Amerikaner hatten jedoch noch mehr Geld erwartet.

Für Icahn ist der Deal zumindest gesichtswahrend, und auch Traton musste sich nur noch einen kleinen Schritt von seinem "endgültigen Angebot" entfernen: "Wir bestätigen hiermit, dass 43 Dollar je Aktie in bar unser bestes und endgültiges Angebot darstellt", hatten Traton-Chef Matthias Gründler (55) und Finanzvorstand Christian Schulz in ihrem offenen Brief an den Navistar-Verwaltungsrat und dessen Vorstzenden Troy Clarke Mitte der Woche geschrieben. Sie forderten das Gremium auf, bis Freitagabend schriftlich zu erklären, die Verhandlungen auf Basis der Preisvorstellung von Traton fortzusetzen. Nun liegt eine schriftliche Antwort von Navistar vor - und die 44,50 Euro sind nicht so weit vom "endgültigen" Angebot entfernt, dass es nicht doch eine end-endgültige Einigung geben könnte. Diese steht allerdings unter dem Vorbehalt einer zufriedenstellenden Buchprüfung sowie dem Abschluss eines Verschmelzungsvertrages.

Navistar leidet wie andere Hersteller auch unter der Corona-Krise. Schon in den ersten beiden Quartalen des laufenden Geschäftsjahres fuhr der LKW-Spezialist rote Zahlen ein. Auch das dritte Quartal fiel erneut ein Verlust an. Der Umsatz war um 45 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar eingebrochen.

la/Reuters
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