Freitag, 19. Juli 2019

Neues Vorstandsressort geplant Warum sich VW einen Software-Vorstand leistet - und Diess China-Chef bleibt

VW-Chef Herbert Diess: "Das Auto wird zu großen Teilen ein Software-Produkt sein"

Der Volkswagen-Konzern erweitert seinen Vorstand um einen Posten für Software-Entwicklung. "Wir sind der erste Auto-Konzern, der das macht", sagte Konzernchef Herbert Diess am Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vor Journalisten. Die Person werde "hoffentlich bald" berufen werden können. Damit werde künftig die Entwicklung der Hardware und der Software im Vorstand getrennt und von zwei Personen verantwortet.

Das Auto werde in Zukunft zu großen Teilen ein Software-Produkt sein und zum "komplextesten Internetprodukt, das es gibt", so Diess. "Das ist ein enormer Umbau für unser Unternehmen", sagte der VW-Chef am Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vor Journalisten.

Wer die Funktion künftig ausfüllt, will das Unternehmen noch bekanntgeben. Die oder derjenige solle die Softwarekompetenz der gesamten Konzerngruppe steuern, sagte ein Sprecher. Indem Systeme zusammengefasst, Komplexität reduziert und Soft- und Hardware strikt voneinander getrennt werden, will die Marke den Angaben zufolge ihre Kosten "perspektivisch" um einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag senken.

Die Einsparungen durch die Trennung sollen dazu beitragen, dass der Konzern mehr Geld in Elektroautos und neue Mobilitätsdienste stecken kann. Doch das werde nicht allen zugute kommen, warnte Diess. "Individuelle Mobilität wird teurer werden", sagte der VW-Chef. "Zur Ehrlichkeit gehört auch, zu sagen: Viele Menschen werden sich das nicht mehr leisten können."

Der Manager sieht die Software im Auto als eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale künftiger Autos. Zudem seien die Entwicklungszeiträume und die Kostenprofile in der Software-Entwicklung andere als bei Fahrzeugkomponenten.

Diess bestätigt Verhandlungen über deutsche Autonomes-Fahren-Allianz

In Davos bestätigte Diess zudem Pläne, gemeinsam mit deutschen Konkurrenten und Zulieferern an einer Allianz für autonomes Fahren zu arbeiten. "Die Diskussionen laufen", erklärte er. manager-magazin.de berichtete erst gestern über die Dimensionen und geplanten Partner des Vorhabens. Details Schulterschluss verrät manager magazin premium: Deutsche Autoindustrie plant Megabündnis bei autonomen Fahren.

Gegen Kritik an seiner Machtfülle setzte sich der VW-Konzernchef in Davos zur Wehr. Mit der Übernahme des Konzern-Vorstandsvorsitzes hatte Diess auch die Fahrzeug-IT unter seine Fittiche genommen. Vor kurzem übernahm er zusätzlich die Verantwortung für China, als sich der langjährige China-Vorstand Jochem Heizmann in den Ruhestand verabschiedete.

Die Hoheit über das China-Geschäft will Diess nicht abgeben, wie er nun bekräftigte. China entwickle sich zum technologischen Treiber der Autoindustrie, so Diess. "Deswegen bleibe ich auch für China verantwortlich. Einfach nur Autos und Technologie zu produzieren und dort zu verkaufen - das wird nicht mehr funktionieren."

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