Samstag, 18. Januar 2020

VW-Konzernchef Diess rüttelt Führungskräfte auf "Uns fehlen Schnelligkeit und Mut zum radikalen Umsteuern"

Zu zaghaft, zu langsam: VW-Chef Herbert Diess verlangt von seinen Führungskräften mehr Tempo beim Umbau des Konzerns zu einem digitalen Technologie-Konzern.

Volkswagen muss nach Ansicht von Konzernchef Herbert Diess beim Wandel zu einem softwaregetriebenen Autokonzern sehr viel schneller werden. Die Konkurrenz mit Tesla und anderen US-Technologieriesen um die Vorherrschaft in der Automobilindustrie nehme zu. "Der Sturm geht jetzt erst los", warnte Diess am Donnerstag laut Redemanuskript zufolge vor VW-Führungskräften in Berlin.

Die große Frage sei, ob Volkswagen schnell genug agiere, um einem Schicksal wie Nokia zu entgehen - der finnische Mobilfunkriese war beim Wandel hin zu Smartphones auf der Strecke geblieben. "Wenn wir in unserem jetzigen Tempo weitermachen, wird es sogar sehr eng", mahnte Diess.

Er forderte die Führungskräfte auf, beherzter vorzugehen. Volkswagen könne die Transformation mit den Erlösen der heutigen Technik zwar stemmen. "Was uns fehlt, das sind vor allem Schnelligkeit und der Mut zu kraftvollem, wenn es sein muss radikalem Umsteuern."

Die Zukunft liege im Umbau zu einem digitalen Tech-Konzern - "und nur da". In diesem Zusammenhang kündigte Diess ein zusätzliches "Aufholprogramm" an, um das Potenzial des Konzerns dafür zu mobilisieren. "Wir werden die Synergien im Konzernverbund deutlich konsequenter nutzen und müssen die Komplexität noch deutlicher reduzieren."

Das laufende Jahr erhob Diess zum Maßstab für seinen Erfolg: 2020 werde sich erweisen, wie wetterfest, agil und reaktionsfähig der Konzern geworden sei.

Nicht mehr der Absatz sondern die Qualität der Ertrags soll dominieren

Volkswagen gewinne angesichts erster Erfolge beim Umbau bei Anlegern Glaubwürdigkeit. Nicht mehr das Absatzvolumen, sondern die Qualität des Ertrags stehe bei den Unternehmenszielen an erster Stelle.

Die Entwicklung des Aktienkurses von Tesla Börsen-Chart zeigen sei zuletzt jedoch deutlich dynamischer gewesen als die von Volkswagen. In der Marktkapitalisierung sei der US-Elektroautopionier mittlerweile gar fast gleichauf. VW aber werde nach wie vor wie ein Automobilunternehmen bewertet. Eine Zukunft habe das Auto aber nur als massentaugliches Internet-Device, vergleichbar mit einem iPad auf Rädern.


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Volkswagen liegt mit einem Börsenwert von umgerechnet 101 Milliarden Dollar nur noch knapp vor Tesla. Dabei baut VW drastisch mehr Autos. Tesla allerdings gilt weltweit als führend in Fahrzeug-Elektronik und Batterietechnik. Zudem stellt Tesla trotz aller Probleme in der Vergangenheit zusehends unter Beweis, dass das Unternehmen Elektroautos in Massen bauen und auch weltweit vertreiben kann.

rei/Reuters

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