Montag, 22. Juli 2019

Kurzarbeit abgehakt, Lehre aus Zulieferstreit VW-Betriebsrat fordert Beteiligung an Zulieferern

In fünf von sechs Werken keine Kurzarbeit: VW hat den Zulieferstreit in Deutschland weitgehend abfangen können. Der mächtige Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh bringt als eine Lehre aus dem Konflikt eine stärkere Beteiligung des Konzerns an seinen Zulieferern ins Spiel

Nach der Einigung im Zuliefererstreit verzichtet Volkswagen in fünf der sechs betroffenen Werke auf Kurzarbeit. Den weit überwiegenden Teil der Ausfallzeiten habe VW durch interne Maßnahmen auffangen können, erklärte der Wolfsburger Autobauer am Freitag.

Lediglich im Werk Emden, wo die Produktion wegen fehlender Sitzbezüge der Prevent-Tochter Car Trim gestoppt werden musste, habe es Kurzarbeit gegeben. In dem Werk waren nach früheren Angaben von VW 7500 der insgesamt gut 9000 Beschäftigten von Kurzarbeit betroffen. Dort läuft das Mittelklassemodell Passat in verschiedenen Varianten vom Band, darunter auch der CC.

Wegen des Streits mit zwei Lieferanten der Prevent-Gruppe waren insgesamt fast 30.000 Beschäftigte in sechs Werken von Kurzarbeit bedroht. Volkswagen hatte am Dienstag den Machtkampf mit den Zulieferern beigelegt.

Wegen des Konflikts hatte der Konzern unter anderem die Golf-Produktion im Stammwerk Wolfsburg gestoppt, im sächsischen Zwickau stand die Produktion von Golf und Passat still. Die Folgen des Streits hatten eine politische Debatte über das Kurzarbeitergeld ausgelöst, das von der Agentur für Arbeit gezahlt wird. "Kurzarbeitergeld darf nicht als Finanzierungsinstrument bei wirtschaftlichen Machtspielen zwischen Unternehmen missbraucht werden", forderte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Union, Karl Schiewerling.

Konzernbetriebsratschef votiert für Beteiligung an Zulieferern

VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh bringt nach dem Streit mit Zulieferern ein stärkeres Engagement bei den Partnern ins Gespräch. "Ich muss unser Management nicht verteidigen, aber die Schuld liegt hier aus meiner Sicht nicht bei Volkswagen. Dennoch brauchen wir womöglich jetzt aufgrund der Erfahrungen aus den vergangenen Tagen noch ein zusätzliches Warnsystem, um derartige Risiken für Volkswagen weiter zu reduzieren. Ein denkbarer Ansatz dabei sind Minderheitsbeteiligungen - oder Vorkaufsrechte", sagte Osterloh bei einem Besuch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Er denke dabei auch an die Aufstellung des japanischen Rivalen Toyota. "Toyota ist im Endeffekt an vielen seiner Zulieferer beteiligt. Ich will damit jetzt nicht sagen, dass sich VW an all seinen Zulieferern beteiligen soll. Aber an verwundbaren Schlüsselstellen wäre das vielleicht ein Weg", sagte Osterloh, der als Kontrolleur im VW-Präsidium sitzt, dem Kern des Aufsichtsrats.

rei mit Nachrichtenagenturen

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