Montag, 1. Juni 2020

Absatzeinbruch, Überkapazitäten VW und BMW fordern weitere Kaufprämie in der Corona-Krise

Käufer gesucht: Die deutschen Autobauer leiden unter Überkapazitäten und schwindender Nachfrage. Die Corona-Krise setzt sich zusätzlich unter Druck. Jetzt machen sich VW und BMW für eine weitere Kaufprämie stark.
Getty Images
Käufer gesucht: Die deutschen Autobauer leiden unter Überkapazitäten und schwindender Nachfrage. Die Corona-Krise setzt sich zusätzlich unter Druck. Jetzt machen sich VW und BMW für eine weitere Kaufprämie stark.

Der Ruf nach weiterer Unterstützung in der Corona-Krise wird auch unter deutschen Autobauern lauter. Ohnehin von fallender Nachfrage und Überkapazitäten gezeichnet, erhöht der wochenlange Shutdown den Druck auf die wichtigste deutsche Industriebranche zusätzlich.

Volkswagen Börsen-Chart zeigen fordert wegen der drohenden Nachfrageflaute eine neue staatliche Förderprämie. "In dieser Situation sollte eine Prämie breit angelegt sein und auch moderne Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor umfassen", sagt der bei der Marke VW fürs Tagesgeschäft zuständige Manager Ralf Brandstätter dem "Handelsblatt".

Die Prämie solle die bisherige Förderung von Elektrofahrzeugen nicht ersetzen sondern vielmehr ergänzen. Ein neues Fördermodell könnte sich an eingesparten Emissionen des klimaschädlichen Abgases Kohlendioxid (CO2) orientieren. "Wir gehen damit aus der Krise hinaus und hinein in die grüne Transformation."

Angesichts der Tatsache, dass Deutschlands wichtigster Industriezweig für zehn Prozent der heimischen Wirtschaftsleistung stehe, profitierten viele Menschen und Betriebe in Deutschland davon, wenn die Automobilindustrie durch eine stimulierte Nachfrage schnell aus der Krise fahre, betonte der VW-Manager.

BMW macht sich für "Innovationsprämie" stark

Auch BMW Börsen-Chart zeigen macht sich dem Bericht zufolge für eine staatliche Unterstützung stark - nennt das allerdings weniger verfänglich "Innovationsprämie". "Sie kann als Konjunkturmaßnahme die Wirtschaft ankurbeln und gleichzeitig den Umstieg der Kunden auf klimaschonende Technologien beschleunigen", zitiert das Blatt BMW-Chef Oliver Zipse.

Politische Unterstützung für eine weitere Kaufprämie kommt auch aus Bundeländern mit großen Produktionsstandorten. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach sich bereits für Anreize beim Autokauf aus. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) lancierte die Idee einer "ökologischen Abwrackprämie", um den Absatz umweltfreundlicherer Autos mit Steuergeld zu fördern.

Autobauer können Produktion nur langsam wieder hochfahren

Die deutschen Autobauer fahren ab Montag nach Wochen des Stillstands die Produktion langsam wieder hoch. Doch werden die Fabriken keineswegs so schnell wieder ihren alten Output erreichen können. Zum einen, weil sie wegen der Corona-Krise noch zu erheblichen Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen verpflichtet sind. Zum anderen leidet die Branche ohnehin unter geringerer Nachfrage und Überkapazitäten in deutschen Werken.

In der Europäischen Union ist der Automarkt wegen der Corona-Krise um mehr als die Hälfte geschrumpft. Im März kamen mit rund 567.000 Fahrzeugen 55 Prozent weniger Neuwagen auf die Straßen als vor Jahresfrist, wie der Herstellerverband ACEA vor Mitte April mitteilte.

Zugleich stehen die Autobauer mit der Umstellung der Produktion auf Elektroautos vor großen Herausforderungen. Experten sagen der mit wichtigsten Industrie in Deutschland den Verlust von bis zu 100.000 Jobs voraus.

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung