Samstag, 18. Januar 2020

Matthias Müller eröffnet Diskussion Volkswagen-Chef würde Diesel-Subvention in E-Autos umleiten

Nicht ganz uneigennütziger Vorstoß: VW-Konzernchef Matthias Müller

2. Teil: BMW und Daimler schweigen bislang zu dem Vorstoß

Damit der Systemwechsel zur E-Mobilität gelinge, solle und müssten Volkswagen, Daimler, BMW und Co den Dialog mit der Politik suchen, ist Müller überzeugt. Man darf dies auch als Aufforderung an die Vorstände der Wettbewerber verstehen. Die halten sich mit derlei Forderungen aus verständlichen Gründen bislang zurück, denn streng genommen geht es ja um den Erhalt der steuerlichen Subventionen, von denen die Autoindustrie indirekt profitiert. Zugleich hatte etwa BMW mehrfach erklärt, dass man die Dieseltechnologie weiterhin brauche, um die CO2-Ziele zu erreichen.

Mit gut einer Milliarde Euro subventioniert der Steuerzahler den Kauf von Elektroautos in Deutschland - zu den Dieselsubventionen eine vergleichsweise kleine Summe, doch bislang lehnt die Bundesregierung weitere Geschenke für Käufer von Elektroautos ab. Andererseits steht und fällt die Verbreitung dieser neuen Antriebsart mit steuerlichen Vergünstigungen. Entfallen diese, bricht der Absatz von Elektroautos unweigerlich ein, wie die Beispiele Dänemark und Niederlande zeigen. Und ob Norwegen zum Spitzenreiter elektrischer Mobilität ohne massive Förderprogramme hätte avancieren können, steht zu bezweifeln.

Müller Vorstoß ist Wasser auf die Mühlen der Grünen

Unter Autoexperten kommt Müllers nicht ganz uneigennütziger Vorstoß an. Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center der Uni Duisburg-Essen spricht gegenüber der deutschen Presseagentur von einer "mutigen Forderung" des Konzernchefs. Von Seiten der Industrie habe er das nicht erwartet. "Und jetzt sagt das endlich einer. Das ist wirklich beeindruckend." Die Vorschläge könnten der schwächelnden E-Mobilität helfen, ist Dudenhöffer überzeugt.

Diesel-Subventionen umleiten? Ob VW-Chef Müller (links) mit Daimler-Chef Zetsche und BMW-Chef Krüger (rechts) seinen Vorstoß abgesprochen hat, ist nicht bekannt. Bislang schweigen sie zu dem Vorschlag

Bei den Grünen rennt der Konzernchef offene Türen ein. "Wenn Autobosse das jetzt schon fordern, müssen Abbau von Diesel-Subvention und Blaue Plakette das Programm der nächsten Bundesregierung werden. Es kann nicht sein, dass die Politik an Subventionen festhält, die nicht mal mehr die Branche will", nahm Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer die Steilvorlage aus Wolfsburg dankend auf.

Damit die Subventionen weiter fließen, kann sich Müller sogar die Einführung von blauen Umweltplaketten in Städten vorstellen, wie er in dem Interview weiter sagt - bislang ein rotes Tuch für alle Autobauer. Die Gretchenfrage wird allerdings sein, wo dann der zu bestimmende Stickoxid-Grenzwert liegen soll, den Diesel-Autos nicht überschreiten dürfen, damit sie noch in die Innenstädte fahren dürfen.

Denn klar ist: Großflächige Fahrverbote will auch Müller für die Zukunft ausschließen.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung