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Führungskräfte-Exodus bei VW: Diese Manager hat der Diesel-Skandal weggefegt

Foto: Denis Balibouse/ REUTERS

Anleger fürchten Deutsche-Bank-Schicksal US-Justiz lotet Höchststrafe für Volkswagen aus

Die US-Justiz lotet im Dieselskandal offenbar die höchstmögliche Strafe aus, die VW zur Beilegung strafrechtlicher Ermittlungen zahlen muss - ohne dass der Konzern vor die Hunde geht. Anleger reagieren nervös, sie fürchten einen zweiten Fall Deutsche Bank. Im Gegensatz zur Bank schwimmt der Autobauer aber im Geld.
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Führungskräfte-Exodus bei VW: Diese Manager hat der Diesel-Skandal weggefegt

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Im Diesel-Skandal ist das US-Justizministerium offenbar bereit, bei der Strafbemessung bis an die Schmerzgrenze zu gehen. Aktuell lote die Behörde die höchstmögliche Strafe für das Vergehen Volkswagens aus, ohne dass die Existenz des Autobauers gefährdet würde, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg  unter Berufung auf zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen.

Die Vorzugsaktien von Volkswagen reagierten sensibel auf die Nachricht und verloren in der Spitze mehr als 4 Prozent. Die Kursreaktion spiegelt auch die Angst wider, dass VW in den USA womöglich eine gleich hohe Strafe droht wie der Deutschen Bank. Für unsaubere Immobiliengeschäfte vor der Finanzkrise soll die Bank rund 12 Milliarden Euro zahlen, was sie postwendend ablehnt hat.

Volkswagen und die Behörde verhandeln wohl schon seit August über eine mögliche Milliardenzahlung, um damit strafrechtliche Ermittlungen beizulegen. Dem Bericht zufolge wollen sich die Parteien noch vor der Einsetzung einer neuen US-Regierung im Januar einig werden.

Das US-Justizministerium hat sich noch nicht zu der möglichen Strafhöhe geäußert. "Es wird aber nicht einfach eine Zahl aus dem luftleeren Raum greifen", zitiert Bloomberg den ehemaligen Staatsanwalt William Stellmach. Es gebe eine Reihe von Fällen in der Vergangenheit, wo die möglichen Auswirkungen der Strafe auf das Unternehmen deren Höhe sehr wohl beeinflusst hätten.

Toyota zahlte für klemmende Gaspedale die bisher höchste Strafe eines Autobauers von 1,2 Milliarden Dollar. General Motors musste wegen des Skandals um defekte Zündschlösser 900 Millionen Dollar Strafe begleichen. Beobachter bezweifeln aber, dass diese Fälle mit dem Verfahren gegen Volkswagen vergleichbar seien. Schließlich werfen Untersuchungsberichte dem Konzern vor, er habe mit krimineller Energie versucht, den Skandal zu vertuschen.

Volkswagen verfügte Ende Juni über eine Nettoliquidität von 28,8 Milliarden Euro. Finanzchef Frank Witter hatte zuletzt erklärt, Ziel sei es, eine durchschnittliche Nettoliquidität von 20 Milliarden Euro sicherzustellen und das Bonitätsrating des Konzerns zu schützen.

An liquiden Mitteln fehlt es Volkswagen also nicht wirklich, zumal der Konzern jedes Quartal einen milliardenhohen Cashflow generiert und wenn nötig, jederzeit auch den Kapitalmarkt anzapfen oder einen Kredit aufnehmen könnte, um seinen Verpflichtungen nachzukommen.

VW verfüge über ausreichend Geld, um sogar noch weitere Strafen zu begleichen, zumal sie in der Regel über lange Zeiträume abgestottert würden, betont auch Bloomberg-Kreditanalyst Joel Levington.

Volkswagen selbst versuchte am Dienstag Zweifel zu zerstreuen, die Strafe könnte die Möglichkeiten des Autobauers übersteigen. Der Konzern verfüge immer noch über eine "robuste" finanzielle Stärke, zitiert Reuters einen Sprecher.

Volkswagen hatte Ende September 2015 nach Vorwürfen des US-Umweltamtes EPA zugegeben, in großem Stil bei Abgastests getrickst zu haben. Weltweit sind rund elf Millionen Wagen betroffen, rund 600.000 in den USA. Mit Hunderten Zivilklägern in den USA hat sich VW bereits auf einen Vergleich in Höhe von bis zu 15,3 Milliarden Dollar geeinigt.

Was Volkswagen der Diesel-Skandal unter dem Strich kosten wird, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Moderatere Schätzungen gehen von bis zu 30 Milliarden Euro aus. Ein großer Unsicherheitsfaktor sind allerdings milliardenschwere Schadenersatzforderungen, die VW noch durch Anlegerklagen ins Haus stehen und die diese Schätzungen nicht berücksichtigen.

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