Volkswagen soll Abgas-Dokumente gefälscht haben Südkorea verbietet Verkauf von fast allen VW-Modellen

Volkswagen-Händler in Seoul: Regierung erhöht den Druck

Volkswagen-Händler in Seoul: Regierung erhöht den Druck

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Volkswagen: Dirty Diesel - die Chronik der Ereignisse im VW-Abgasskandal

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Für Volkswagen kommt es in Südkorea richtig dicke. Die Regierung in Seoul hat die Wolfsburger jetzt für Vergehen im Abgasskandal mit einem Verkaufsverbot für 80 Modelle bestraft.

Die Behörden verschärfen damit ihre Gangart. Das Umweltministerium in Seoul erlegte dem Konzern außerdem eine Geldbuße von umgerechnet rund 14,3 Millionen Euro auf. VW kündigte an, rechtliche Schritte zu prüfen. Der Konzern bezeichnete die Entscheidung als "sehr hart".

Die Zulassung für die betroffenen Modelle der Marken Volkswagen , Audi  und Bentley wurde nach Angaben des Ministeriums aufgehoben. Betroffen seien rund 83.000 VW-Fahrzeuge in Südkorea. VW hatte im Juli bereits freiwillig den Verkauf von 79 Modellen in Südkorea ausgesetzt. Südkorea ist der zweitgrößte Markt für Dieselfahrzeuge in Asien.

Das Ministerium begründete den Schritt damit, dass die Zulassung auf Grundlage gefälschter Angaben zu Schadstoffausstoß und Lärmentwicklung erfolgt sei. "Die Fälschung von Dokumenten ist ein klarer Verstoß, der den ganzen Zulassungsprozess in Frage stellt", sagte der für die Umweltverträglichkeit von Autos zuständige Ministeriumsvertreter Hong Dong Gon. Zuvor waren die Zulassungen bereits provisorisch aufgehoben worden.

Regierung: VW bekommt jetzt eine Sonderbehandlung

Sollte sich VW um eine Neuzulassung der Modelle bemühen, müsse der Konzern mit verschärften Prüfungen rechnen, sagte Hong. "Wir werden nicht einfach nur die Unterlagen durchsehen, sondern eine intensive Prüfung vornehmen - inklusive Inspektionen und Besuchen im Hauptquartier in Deutschland, falls das nötig werden sollte." Die Neuzulassung werde deutlich länger dauern als die bislang üblichen drei Monate.

Eine Sprecherin für VW Korea bedauerte die Entscheidung. Südkorea sei aber "ein sehr wichtiger Markt von uns", weswegen sich VW rasch um eine Neuzulassung bemühen werde.

Seit November wurden schon über 200.000 bereits verkauften VW-Fahrzeugen die Zulassung entzogen. Nach Angaben des Umweltministeriums sind das 68 Prozent der Autos, die seit 2007 in Südkorea verkauft wurden.

Besonders bitter ist die Strafe für Audi und Bentley

Für Volkswagen selbst ist Südkorea ein relativ kleiner Markt. Die Marken Audi und Bentley sind dagegen sehr gefragt. Im vergangenen Jahr hatte VW in Südkorea rund 70.000 Autos verkauft. Der Absatz brach in Reaktion auf den Skandal um die gefälschten Abgaswerte im ersten Halbjahr 2016 um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein.

Volkswagen hatte im September 2015 die Manipulation von Abgaswerten bei weltweit elf Millionen Diesel-Autos eingestanden. Eine illegale Abschalteinrichtung sorgt dafür, dass die Wagen Abgasgrenzwerte nur auf dem Prüfstand einhalten, nicht aber auf der Straße.

Der Konzern sieht sich mit zahlreichen Klagen und milliardenschweren Schadenersatzforderungen konfrontiert. Südkorea verfolgt eine strenge Linie und erließ im Juni Haftbefehl gegen einen VW-Manager.

nis/AFP/dpa/rtr