Entscheidung bei VW Volkswagen gibt Startschuss für Porsche-Börsengang

Vorstand und Aufsichtsrat von Volkswagen haben nach monatelanger Prüfung den Börsengang der Porsche AG beschlossen. Es dürfte einer der größten Börsengänge in Europa werden.
Will die Luxus-Marke an die Börse bringen: Porsche-Chef und neuer Boss des VW-Konzerns Oliver Blume

Will die Luxus-Marke an die Börse bringen: Porsche-Chef und neuer Boss des VW-Konzerns Oliver Blume

Foto: ANDREAS GEBERT / REUTERS

Volkswagen nimmt den Börsengang der Sportwagentochter Porsche konkret in Angriff. Der Vorstand habe mit Zustimmung des Aufsichtsrats beschlossen, einen Börsengang der Vorzugsaktien der Porsche AG und deren Notierung im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse anzustreben, teilte der Autobauer am Montagabend mit. Als Zeitpunkt nannte Volkswagen Ende September/Anfang Oktober, stellte dies jedoch unter den Vorbehalt der weiteren Entwicklung am Kapitalmarkt.

Damit gab Volkswagen grünes Licht, um einen der größten Börsengänge der vergangenen Jahre in Europa anzugehen. Damit kann VW nun bei Investoren für den Kauf der Aktien werben. Bis zu 25 Prozent der stimmrechtslosen Vorzugsaktien – das sind 12,5 Prozent des Grundkapitals – der Porsche AG sollen in den nächsten Wochen am Aktienmarkt platziert werden. Von der offiziellen Ankündigung bis zur Erstnotiz dauert es in der Regel rund vier Wochen.

Außerordentliche Hauptversammlung soll über Sonderdividende entscheiden

Im Fall eines erfolgreichen Börsengangs will Volkswagen die Aktionäre für Dezember 2022 zu einer außerordentlichen Hauptversammlung einladen, um über eine Sonderdividende in Höhe von 49 Prozent der Gesamterlöse aus der Platzierung der Vorzugsaktien sowie dem Verkauf der Stammaktien an die Aktionäre Anfang 2023 abzustimmen.

Ob der milliardenschwere Börsengang trotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten am Ende realisiert wird, hängt davon ab, ob und zu welchem Preis die Investoren bereit sind, Porsche-Aktien zu kaufen. Kritiker warnen Volkswagen vor einem Börsengang in unsicheren Zeiten. Anleger halten ihr Geld dann oft zusammen.

VW peilt Porsche-Bewertung von 60 bis 80 Milliarden Euro an

Allerdings dürfte Volkswagen bereits Vereinbarungen mit großen Investoren getroffen haben, um die Platzierung abzusichern. Laut Finanzkreisen peilen VW und Porsche eine Bewertung von 60 bis 80 Milliarden Euro an, der Verkauf der Vorzugsaktien würde damit 7,5 bis 10 Milliarden Euro einbringen.

Unternehmenskreise halten dies jedoch für zu hoch und rechnen auch mit Blick auf düstere Branchenprognosen mit einem Abschlag. Zum Vergleich: Die Bewertungen von Luxusautoherstellern wie Aston Martin und Ferrari sind in diesem Jahr bisher um fast zwei Drittel beziehungsweise ein Drittel gefallen. Der deutsche Verband der Automobilindustrie hatte jüngst seine Prognose für den Pkw-Absatz in Europa und den USA gekappt. In China läuft es besser.

Der Großaktionär des Wolfsburger Autokonzerns, die Familienholding Porsche SE, will zugleich 25 Prozent plus eine Aktie der stimmberechtigen Stammaktien an der Ertragsperle Porsche AG erwerben. Dafür soll die Porsche SE 7,5 Prozent mehr zahlen als den Ausgabepreis der Vorzugsaktien. Je billiger diese verkauft werden, desto weniger müssten damit die Eignerfamilien Porsche und Piech zahlen. Mit der Transaktion bekämen sie wieder direkten Zugriff auf die Porsche AG, den sie nach der Übernahmeschlacht vor zehn Jahren an Volkswagen verloren hatten. Volkswagen würde nach dem Börsengang 75 Prozent minus eine Aktie am Gesamtkapital der Porsche AG halten.

Der Börsengang soll Porsche mehr Bewegungsfreiheit und dem Mutterkonzern Volkswagen Cash und einen höheren Marktwert verschaffen. Über den engen Zeitplan des Börsengangs und wie am Ende alles an den Arbeitnehmern und Betriebsrat-Chefin Daniela Cavallo (47) hängt, hatte das manager magazin bereits im Juni berichtet .

Angekündigt wurden die Börsenpläne noch vom alten VW-Chef Herbert Diess (63). Umsetzen würde sie sein Nachfolger Oliver Blume (54), der den Konzern seit Anfang September lenkt, zeitgleich aber auch weiter die Porsche AG leitet. Zum Start an der VW-Spitze hatte er einen weiteren Ausbau der E-Mobilität angekündigt. Zudem soll der in der Zeit von Diess deutlich vergrößerte Konzernvorstand wieder verkleinert werden – um ein Viertel von zuletzt zwölf auf künftig noch neun Mitglieder. Er streicht die Ressorts Einkauf und Vertrieb und übernimmt selbst noch mehr Verantwortung als ohnehin schon . Einkaufsvorstand Murat Aksel (50) und Vertriebschefin Hildegard Wortmann (55) bleiben Markenvorstände bei VW und Audi.

dri/Reuters, dpa
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