Montag, 21. Oktober 2019

VW-Kanzleien eilen der Konkurrenz davon So wird der Dieselskandal zur Goldgrube für Anwälte

VW-Logo in Wolfsburg: Der Abgasskandal beschäftigt noch immer die Gerichte - und zahllose Anwälte.
Julian Stratenschulte/DPA
VW-Logo in Wolfsburg: Der Abgasskandal beschäftigt noch immer die Gerichte - und zahllose Anwälte.

Der Abgasskandal mit dem Volkswagen-Konzern in seinem Zentrum mag seit 2015 in der Öffentlichkeit, bei Autofahrern, Aktionären und Umweltschützern für viel Unmut sorgen - eine Berufsgruppe jedoch hat jede Menge Grund zur Freude. Die Rede ist von Anwälten, die sich mit der Materie befassen. Zu Zehntausenden zogen deutschlandweit bereits VW-Kunden und Investoren vor die Zivilgerichte, um den Autobauer mit Hauptsitz in Wolfsburg zur Rechenschaft zu ziehen. Mit dabei stets ein Jurist als Beistand und Unterstützer.

Nicht zu vergessen jene Kanzleien, die das ganz große Los gezogen haben: eine Mandatierung durch Volkswagen Börsen-Chart zeigen selbst. Wie sehr der Dieselskandal die Kassen dieser Rechtsanwaltsunternehmen nach wie vor klingeln lässt, zeigt eine aktuelle Recherche des Fachportals Juve.de.

Wie "Juve" berichtet, unterstützen den Volkswagen-Konzern mehr als ein Dutzend Kanzleien im Kampf gegen Kundenklagen, und das mit Teams von teilweise mehr als 100 Anwälten. Ein so "umfangreiches Ausnahmemandat" habe es noch nie gegeben, schreibt das juristische Fachportal. Und einen vergleichbaren Umsatzturbo für die Juristen vermutlich auch nicht.

"Juve" zufolge legten die Umsätze der Anwaltsbranche im vergangenen Jahr flächendeckend zu. Die VW-Kanzleien jedoch, von "Juve" liebevoll "Dieselkanzleien" getauft, eilten dem Rest der Branche den Angaben zufolge noch einmal deutlich davon. Die riesige Zahl an Prozessen, die der Konzern zu bewältigen habe, sei für einige zu einer regelrechten Goldgrube geworden, so das Portal.

In Zahlen heißt das: Während der Umsatz der Branche im vergangenen Jahr im Schnitt um 8 Prozent stieg, betrug das Wachstum der von VW mandatierten "Dieselkanzleien" durchschnittlich 15,8 Prozent, so "Juve". Auf einer Liste von knapp 20 Kanzleien, die für VW tätig sind, stechen vor allem die Häuser Pinsent Masons (Umsatzwachstum 39,2 Prozent), KPMG Law (plus 32,4 Prozent) sowie Luther (plus 30,9 Prozent) hervor.

Auch im Vorjahr hatte der Abgasskandal die Umsätze der Anwaltsbranche bereits gehörig angekurbelt. Und wie im Vorjahr profitierte auch 2019 offenbar vor allem Freshfields Bruckhaus Deringer davon. Die Kanzlei mit Hauptsitz in London, die in Deutschland fünf Niederlassungen unter anderem in Berlin und Hamburg betreibt, kam hierzulande in den vergangenen zwölf Monaten auf Umsätze von 442 Millionen Euro, berichtet die Legal Tribune Online mit Verweis wiederum auf "Juve". So viel setzte den Angaben zufolge keine andere Kanzlei im gleichen Zeitraum um.

Das Umsatzplus von Freshfields beträgt den Angaben zufolge auf Jahressicht 9 Prozent - und dürfte zum Großteil auf die Tätigkeit für Volkswagen im Zusammenhang mit dem Abgasskandal zurückzuführen sein.

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