Umfrage zu Folge des Abgasskandals Nur noch 43 Prozent der Deutschen trauen Volkswagen

Von mm-newsdesk
Der Lack ist ab, das Vertrauen zu VW massiv gestört: Das jedenfalls signalisiert eine repräsentative Umfrage unter Verbrauchern in Deutschland

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VW verliert, Porsche und Audi gewinnen: Diese (deutschen) Marken liebt die Welt noch

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14.48 Uhr: Die Marke VW wegen der hohen Kosten für den Abgasskandal in diesem Jahr wahrscheinlich rote Zahlen schreiben. "Das wird so kommen, weil VW die Hauptlast im Konzern trägt", sagte eine mit der Situation in dem Wolfsburger Konzern vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Ein anderer Insider verwies auf die Rückstellungen von 6,5 Milliarden Euro, die Volkswagen für das dritte Quartal für Rückrufe wegen manipulierter Abgaswerte angekündigt hatte. Davon dürfte ein Großteil bei der Hauptmarke VW verbucht werden. Von weltweit insgesamt elf Millionen Autos mit einer Manipulationssoftware entfallen fünf Millionen auf die Kernmarke VW. Auch der "Spiegel" berichtete vorab darüber.

14.32 Uhr: KBA-Massentest im VW-Abgasskandal dauert noch Wochen: Die Diesel-Abgastests des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) werden noch Wochen dauern, teilt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt mit. Die Behörde prüfe derzeit sehr viele Diesel-Autos von allen in Deutschland vertretenen Volumenherstellern darauf hin, ob es wie bei VW-Modellen die Manipulation von Abgaswerten gibt. "Wir gehen davon aus, dass es einige Wochen dauert, bis ein Abschlussbericht über alle Fahrzeuge, die vom KBA gerade getestet werden, veröffentlicht werden kann", sagte Dobrindt am Freitag.

VW Phaeton (Archiv): Das Renommee von VW hat nicht nur in den USA gelitten

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14.15 Uhr: Volkswagen hat wegen des Abgasskandals massiv an Vertrauen unter deutschen Verbraucher verloren. Wie aus einer repräsentativen Studie des Verbandes der Kommunikationsagenturen GPRA hervorgeht, vertrauen nur noch 43 Prozent der Befragten dem Wolfsburger Konzern. Zuletzt hatte der Verband im Oktober 2013 vergleichbare Werte erhoben: Damals gaben noch 84 Prozent der Befragten an, VW zu vertrauen, teilte die GPRA mit. Über die Umfrage hatten zuvor "Wirtschaftswoche" und "Focus" berichtet. Auch andere deutsche Hersteller bekämen das zu spüren. Dabei "wird deutlich, dass sich die Verbraucher persönlich von der Autoindustrie hintergangen führen", sagte GPRA-Präsident Uwe Kohrs.

12.30 Uhr: Der VW-Abgasskandal erfordert an etwa 3,6 Millionen Diesel-Pkw in Europa, die mit einem 1,6-Liter-Motor ausgestattet sind, offenbar auch Veränderungen an der Hardware. Mit allein einem Software-Update ist das Problem der manipulierten Abgaswerte offenbar nicht zu lösen, sagt ein Sprecher des deutschen Verkehrsministeriums am Freitag.

11.30 Uhr: Rätselhafte Bewegung bei den (nicht im Dax notierten) Stammaktien von Volkswagen  : Um bis zu 15 Prozent schossen am Freitag die stimmberechtigten Stammaktien von Volkswagen in die Höhe. Dabei wechselten am Vormittag bereits mehr als drei Mal so viele Papiere den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag. Sie kosteten zeitweise 133,75 Euro. Dagegen pendelte die im Dax notierte stimmrechtslose Vorzugsaktie von VW, die die entscheidende Größe für das weitere Schicksal des Konzerns ist, am Freitag weiterhin um die Marke von 105 Euro.

Die Stammaktien werden zum Großteil von den Familien Porsche und Piech gehalten, nur ein Anteil von rund 12 Prozent wird öffentlich im Streubesitz gehandelt. Auf Grund des geringen Streubesitzes sind diese Aktien auch wesentlich anfälliger für Kursschwankungen. Ein Börsianer verwies auf ein Gerücht, dem zufolge Großaktionär Porsche Holding seine Beteiligung aufstocken könnte. Bei der Porsche Holding war dazu am Freitag kein Kommentar zu erhalten. Porsche hält nach Angaben der Investor Relations-Abteilung von Volkswagen bislang 50,73 Prozent der stimmberechtigten Aktien.

10.40 Uhr: DIW-Präsident Marcel Fratzscher erwartet, dass ein Teil der erwarteten milliardenschweren Kosten des VW-Abgasskandals beim Steuerzahler hängen bleiben werden. "Denn dem deutschen Staat gehören 20 Prozent des Volkswagen-Konzerns. Damit ist der Staat verpflichtet, finanzielle Leistungen zu erbringen", sagt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Wie hoch diese Kosten ausfallen könnten, sagt der Ökonom nicht. Die Kosten alleine für Volkswagen könnten aber bis zu 100 Milliarden Euro betragen - gut 3 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. "Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer solchen Schadensgröße begrenzt ist, so stellt dies ein gesamtwirtschaftliches Risiko für Deutschland da."

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Bittere Erfahrungen von Daimler und anderen: Was Volkswagen in den USA noch droht

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9.00 Uhr: Spanien bangt um die Investitionen des Volkswagen-Konzerns im eigenen Land. VW unterhält ein VW-Werk in Navarra sowie ein Seat-Werk Martorell bei Barcelona, das zugleich das größte Autowerk des Landes ist. Die VW-Spitze habe ihm versichert, dass die Wolfsburger an ihren Investitionen in Spanien festhalten werden, erklärte Spaniens Industrieminister Jose Manuel Soria am Freitag.

7.00 Uhr: Der Volkswagen-Chef in den USA, Michael Horn, will von der Abgasmanipulation in VW-Dieselfahrzeugen nichts gewusst haben. "Ich hatte keine Kenntnis davon, dass es einen 'Defeat Device' in unseren Autos gab", sagte er vor US-Kongressabgeordneten gestern Abend. Erst kurz vor einem Treffen mit der US-Umweltbehörde EPA am 3. September sei er über die Installation der "Defeat Device" genannten Software zum Austricksen der Abgas-Tests informiert worden. Horn sagte, der Einbau der Betrugs-Software sei keine Unternehmensentscheidung gewesen: "Es hat kein Vorstandstreffen gegeben, auf dem das beschlossen wurde."

6.15 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel stellt sich in der Abgasaffäre vor die Auto-Branche: "Wer versucht, angesichts dieses Fehlverhaltens in einem Bereich gleich die ganze Automobilindustrie an den Pranger zu stellen, der wird es mit der CDU zu tun bekommen", sagte die Parteivorsitzende am Donnerstagabend auf einer CDU-Veranstaltung in Wuppertal. Die Vorgänge bei VW seien "nicht in Ordnung" und müssten auf schnellstem Weg aufgearbeitet und transparent gemacht werden. Aber ein Generalverdacht gegen eine ganze Branche sei nicht angebracht. "Es hängen viele, viele Arbeitsplätze in Deutschland von der Automobilindustrie ab. Es kann nur in unser aller Interesse sein, dass die Sache in Ordnung gebracht wird", mahnte Merkel.

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Dirty Diesel: Acht Gründe, warum der Abgasskandal eine Katastrophe für VW ist

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6.00 Uhr: VW will nach Medieninformationen ein neues Vorstandsressort für Recht und Compliance schaffen, das Gesetzesverstöße künftig verhindern soll. Das sei "der nächste logische Schritt", heiße es in Kreisen des Unternehmens, berichtete der Rechercheverbund von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR. Gespräche mit möglichen Kandidaten für dieses Amt würden bereits geführt. Insider rechneten damit, dass der neue Posten bereits in den nächsten zwei bis drei Wochen besetzt werden könnte. Das neue Ressort gilt den Angaben zufolge als Signal, dass es der Autobauer mit der Aufklärung ernst meint. Siemens und Daimler hatten bei großen Schmiergeldfällen ähnlich reagiert, um die Behörden milde zu stimmen.

Gefürchtete US-Umweltbehörde: Schon kommende Woche will Volkswagen der Behörde eine neue Software vorstellen, um die Abschalteinrichtung ("defeat device"), die in den VW Passat zwischen 2012 und 2014 eingebaut wurde, zu korrigieren

Gefürchtete US-Umweltbehörde: Schon kommende Woche will Volkswagen der Behörde eine neue Software vorstellen, um die Abschalteinrichtung ("defeat device"), die in den VW Passat zwischen 2012 und 2014 eingebaut wurde, zu korrigieren

Foto: Jim Lo Scalzo/ dpa

"TOP-VW-NEWS DER NACHT +++ TOP-VW-NEWS DER NACHT +++ TOP-VW-NEWS ...

  • Der US-Bundesstaat Texas hat Volkswagen wegen der Vermarktung von mutmaßlich sauberen Dieselfahrzeugen verklagt. Dem deutschen Autobauer werde vorgeworfen, gegen ein Gesetz verstoßen zu haben, dass irreführende Handelspraktiken verbiete, geht aus der am Donnerstag eingereichten Klageschrift hervor. Ziel sei es, eine einstweilige Verfügung gegen den Konzern anzustrengen sowie Rückerstattungen und Strafzahlungen.
  • VW wird nach Angaben der US-Umweltbehörde EPA in der kommenden Woche den zuständigen Behörden in den USA und Kalifornien eine neue Software vorstellen. Es handele sich um einen ersten Versuch, die Abschalteinrichtung ("defeat device"), die in den VW Passat zwischen 2012 und 2014 eingebaut wurde, zu korrigieren, teilte die EPA am Donnerstag mit. Bevor der neue Algorithmus angewendet werden darf, müssen ihn die Behörden genehmigen. Volkswagen hatte mit dieser verbotenen Einrichtung die Abgaswerte manipuliert. Wie manager-magazin.de berichtet, hat der Konzern vorerst den Verkauf von Diesel-Modellen in den USA gestoppt - mit einer Ausnahme.
  • Die australische Volkswagen-Tochter hat mitgeteilt, einen freiwilligen Rückruf der Autos vorzunehmen, die mit Abschaltsoftware ausgestattet sind. Früheren Angaben zufolge könnten bis zu 90.000 Wagen betroffen sein.

6.15 Uhr: Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser. Schön, dass wieder Sie bei uns sind. Lesen Sie erst eine kurze Zusammenfassung der Top-VW-News der Nacht, dann geht es wie gewohnt weiter im Newsblog zur Abgasaffäre.

Staatsanwaltschaft durchsucht VW-Zentrale und Privatwohnungen

18:15 Uhr: Hier noch mal die wichtigsten Aussagen von Michael Horns Anhörung vor dem US-Kongress:

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Bittere Erfahrungen von Daimler und anderen: Was Volkswagen in den USA noch droht

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  • Horn bestreitet, dass VW-Topmanager in Deutschland oder den USA von dem Abgasbetrug wussten: Der Einsatz der Software, die Emissionswerte bei Abgastests schönt, sei die Entscheidung von Individuen gewesen - und keine Unternehmensentscheidung, sagt er.
  • Noch gibt es in den USA keinen klaren Plan für die Rückrufe der 500.000 betroffenen Fahrzeuge. Reparaturen der Kundenautos können sich noch gut ein oder zwei Jahre hinziehen.
  • Horn entschuldigt sich mehrfach für die Fehler von VW: VW habe das Vertrauen von Kunden, Händlern, Angestellten und der Öffentlichkeit gebrochen. Auch er selbst fühlt sich persönlich getäuscht von Handlungen, die von unbekannten Individuen ausgeführt wurden
18:10 Uhr: Im Lauf der Anhörung vor den US-Abgeordneten sagt VWs US-Chef Michael Horn, dass er im Frühjahr 2014 von möglichen Verstößen gegen Emissionsregeln erfahren hat. "Ich wurde informiert, dass die Vorschriften der Umweltbehörde EPA verschiedene Strafen vorsehen," erkärt er. Dass der Grund dafür eine gezielte Softwaremanipulation seines Unternehmens war, will Horn aber erst wenige Tage vor dem 3. September dieses Jahres erfahren haben.

17:50 Uhr: Grauer Anzug, dunkelblaue Krawatte, viele Falten auf der Stirn: VW-US-Chef Michael Horn setzt sich ernsthaft, aber auch durchaus selbstkritisch mit den Fragen der US-Abgeordneten zum Abgasskandal auseinander. "Glauben sie wirklich, dass sich der Abgasbetrug über Jahre hinziehen konnte, ohne dass jemand davon wusste", wird Horn gefragt. Seine Antwort "Ich stimme ihnen zu, dass das sehr schwierig zu glauben ist, und damit kämpfe ich auch" - sagt er einmal. Die Abgas-Schummelsoftware war in Millionen Zeilen an Softwarecode versteckt - das machte sie sehr schwer zu entdecken, erklärt er.

17:30 Uhr: Volkswagens US-Chef Michael Horn betont es bei der Anhörung vor den US-Abgeordneten mehrfach: "Der Abgasbetrug war keine Unternehmensentscheidung, sondern eine Entscheidung von Individuen", sagte er unter Eid gegenüber den Fragestellern im US-Repräsentantenhaus.

Nach eigener Aussage hat er selbst erst wenige Tage vor dem 3. September 2015 erfahren, dass VW-Fahrzeuge in den USA mit einer Software manipuliert wurden. Von abweichenden Emissionstests habe er dagegen schon im Frühjahr 2014 erfahren. Damals habe er aber keinen Grund zu der Annahme gehabt, dass eine solche Betrugssoftware eingesetzt worden sei. Als durch eine Studie im Frühjahr 2014 bekannt geworden sei, dass VW-Autos auf der Straße mehr Abgase ausstoßen als bei Tests auf dem Prüfstand, hätten ihm Experten im Konzern zugesagt, den Vorfall zu überprüfen.

16.00 Uhr: US-Chef Horn entschuldigt sich während der Anhörung in Washington für die Abgas-Manipulationen: "On behalf of our company, my colleagues in Germany and myself, I would like to offer a sincere apology for Volkswagen's use of a software program that served to defeat the regular emissions testing regime," sagte Horn.

16 Uhr: Während in Wolfsburg Ermittler die VW-Zentrale durchsuchen, wird der US-Chef von Volkswagen bei einer Anhörung im Kongress in Washington mit kritischen Fragen gegrillt. Michael Horn muss bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus Rede und Antwort sthehen. Auch Vertreter der US-Umweltschutzbehörde EPA nehmen an der Anhörung teil, die um 16 Uhr (MESZ) begonnen hat. Sie hat den Titel "Vorwürfe gegen Volkswagen wegen Emissions-Betrügereien: Erste Fragen". Das Parlament in den USA spielt eine wichtige Rolle beim Verbraucherschutz und bei der Aufklärung von unternehmerischem Fehlverhalten.

VW-Zentrale in Wolfsburg: "Sicherstellung von Unterlagen und Datenträgern"

VW-Zentrale in Wolfsburg: "Sicherstellung von Unterlagen und Datenträgern"

Foto: AXEL SCHMIDT/ REUTERS

15.17 Uhr: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat am heutigen Donnerstag im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Volkswagen-Abgasskandal nicht nur Räumlichkeiten in der VW-Firmenzentrale in Wolfsburg durchsucht, sondern auch Privatwohnungen. Das erfuhr manager-magazin.de von einer Sprecherin der Behörde. Wessen Wohnungen durchsucht wurden, wollte die Sprecherin mit Verweis auf die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen nicht sagen. Ebenso wenig wollte sie Angaben dazu machen, wie viele Wohnungen durchsucht wurden, wo sich diese befinden und ob es sich um Wohnungen von aktiven oder bereits ausgeschiedenen Volkswagen-Mitarbeitern handelt.

Nach Angaben der Sprecherin der Staatsanwaltschaft nahmen an den Durchsuchungen insgesamt drei Staatsanwälte und etwa 50 Beamte vom Landeskriminalamt teil. Die Aktion habe am Donnerstagfrüh begonnen und sich bis in den Nachmittag gezogen. Volkswagen sei bei den Durchsuchungen kooperativ gewesen, so die Sprecherin zu manager-magazin.de.

15 Uhr: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig teilt mit: "Am heutigen Tage sind im Zusammenhang mit der sog. Abgas-Affäre bei Volkswagen Durchsuchungen in Wolfsburg und anderen Orten durchgeführt worden." Ziel der Durchsuchungen sei die Sicherstellung von Unterlagen und Datenträgern gewesen, die mit Blick auf "in Betracht kommende Straftatbestände" Auskunft über die genaue Vorgehensweise der an der Manipulation der Abgaswerte von Dieselfahrzeugen beteiligten Firmenmitarbeiter und deren Identität geben könnten. Die Durchsuchungen seien durch drei Staatsanwälte mit Unterstützung des Landeskriminalamtes ausgeführt worden.

14.50 Uhr: Der Autoexperte Stefan Bratzel sieht den VW-Abgasskandal als Chance für einen raschen Ausbau der Elektromobilität. Der Dieselmotor sei zwar klimafreundlicher als der Benzinmotor, aber seine Akzeptanz habe durch die geschönten Abgasangaben gelitten. Statt in einem teuren Spagat weiterhin Milliarden in Diesel-, Benzin-, Elektromotoren und Brennstoffzellen zu investieren, sollten sich die deutschen Autobauer konsequenter neuen Antriebstechniken zuwenden, schlug der Professor an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach vor. Auch Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück hatte zuletzt gesagt, er erwarte eine Schub für Elektroautos wegen des VW-Skandals.

14.20 Uhr: VW prüft eigenen Angaben zufolge derzeit, ob seine Manipulations-Software tatsächlich in den Betrieb europäischer Diesel-Fahrzeuge eingreift. "Rechtlich ist noch unklar, ob es sich überhaupt um eine verbotene Abschalteinrichtung im Sinne der europäischen Normen handelt", sagte ein VW-Sprecher. NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" hatten berichtet, die Steuerung zahlreicher Fahrzeuge mit dem Dieselmotor EA 189 könne nicht nur den amerikanischen Abgastest erkennen, sondern auch den europäischen Prüfzyklus NEFZ. Bisher hatte VW mitgeteilt, bei der Mehrheit der betroffenen elf Millionen Fahrzeuge weltweit sei die Software zwar installiert, aber nicht eingeschaltet gewesen.

Beliebt in den USA: Audi Q5

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Foto: Audi

13.30 Uhr: Audi hat im September weltweit deutlich mehr Autos verkauft und kommt auch im wichtigsten Markt China wieder in Fahrt. Wie die Ingolstädter VW-Tochter mitteilte, setzte sie weltweit 170.900 Fahrzeuge ab - das waren 6,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. In China legte Audi nach vier Monaten Rückgang jetzt wieder um 2,9 Prozent zu. Zu den Mitte September aufgeflogenen Abgas-Manipulationen bei Dieselmotoren sagte eine Audi-Sprecherin: "Aktuell spüren wir keine Auswirkungen bei den Auslieferungen. Auch nicht bei den Bestellungen." In Europa legte Audi um 8,8 Prozent zu, in den USA stiegen die Verkaufszahlen sogar um gut 16 Prozent. Vertriebschef Luca de Meo sagte: "Angesichts der schwierigen Marktlage in wichtigen Regionen bewerten wir unsere Absatzentwicklung im dritten Quartal positiv." Meo soll künftig die VW-Tochter Seat lenken und wird von Dietmar Voggenreiter als Vertriebschef abgelöst (s. Eintrag von 10.25 Uhr).

13 Uhr: Die führenden Wirtschaftsinstitute sehen im VW-Abgasskandal ein Risiko für den deutschen Aufschwung. Der Konzern stelle etwa zehn Millionen Fahrzeuge im Jahr her. "Das sind gigantische Zahlen. Wenn es da Schwierigkeiten gibt, dann hat das Konsequenzen", sagte der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner bei der Vorstellung des Herbstgutachtens für die Bundesregierung. Zwar dürfte der Skandal nicht direkt auf Produktion und Exporte durchschlagen. "Es ist erfahrungsgemäß so, dass ein Imageverlust mit solchen Manipulationen verbunden ist." Es könne auch ein Schatten auf das Gütesiegel "Made in Germany" insgesamt fallen. In welchem Maße die VW-Krise auf die Konjunktur durchschlage, lasse sich derzeit nicht genau beziffern, sagte Fichtner.

Werder-Chef Filbry: "Freuen uns, dass wir diese sehr gute Partnerschaft fortsetzen können"

Werder-Chef Filbry: "Freuen uns, dass wir diese sehr gute Partnerschaft fortsetzen können"

Foto: DPA

12.05 Uhr: Fußball-Bundesligist Werder Bremen fühlt sich durch die VW-Krise nicht betroffen. Der Klub kann laut eigenen Angaben bis 2018 mit den Sponsorengeldern des Volkswagen-Konzerns planen, der wegen des Abgasskandals einen Sparkurs angekündigt hat. "Der Vertrag hat sich schon vor einigen Wochen automatisch um zwei Jahre verlängert. Wir freuen uns, dass wir diese sehr gute Partnerschaft fortsetzen können", sagte Werder-Chef Klaus Filbry der "Kreiszeitung". Das Unternehmen VW unterstützt in der Fußball-Bundesliga nicht nur den deutschen Vizemeister und Champions-League-Teilnehmer VfL Wolfsburg, sondern auch andere Vereine. Bei Werder nimmt VW hinter Hauptsponsor Wiesenhof die Position zwei in der Sponsorenliste ein, gemeinsam mit dem Ausrüster Nike. Angeblich sollen die Hanseaten pro Spielzeit zwei Millionen Euro von dem Autobauer erhalten. Zu den Zahlen wollte sich Filbry aber nicht äußern.

Volkswagen stellt zudem Werder eine umfangreiche Fahrzeugflotte für Spieler und Führungskräfte zur Verfügung. Dieses Verfahren ist in der Bundesliga nicht unüblich. Beim Nord-Nachbarn Hannover 96 engagiert sich seit längerer Zeit Volkswagen Nutzfahrzeuge als Kooperationspartner.

11.20 Uhr: VW will vor dem geplanten Rückruf von Millionen Fahrzeugen im Abgasskandal zunächst "intensive Qualitätstests" vornehmen. Dies solle im laufenden vierten Quartal in Abstimmung mit dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) geschehen, hieß es in Konzernkreisen. VW hatte dem KBA am Mittwoch einen Zeit- und Maßnahmenplan zur Bewältigung des Abgasskandals vorgelegt. Das KBA will die Pläne nun prüfen. Ab Januar 2016 sollen die ersten Fahrzeuge im Rahmen eines Rückrufes auf den erforderlichen technischen Stand gebracht werden. Sämtliche Maßnahmen im Zuge des Rückrufes für alle Motorvarianten würden sich über das Jahr 2016 hinweg erstrecken.

US-Chef wusste 2014 von Vorwürfen, VW zieht Anträge für Modelle zurück

11 Uhr: Und noch eine Personalie, diesmal aber eher spekulativ: Skoda-Entwicklungsvorstand Frank Welsch könnte neuer VW-Entwicklungschef werden und damit Nachfolger des im Zuge des Abgas-Skandals beurlaubten Heinz-Jakob Neußer. Dies sei denkbar, hieß es am Donnerstag in Konzernkreisen. Zuvor hatte die Zeitschrift "auto motor und sport" berichtet, Welsch stehe vor einem Wechsel nach Wolfsburg. In den Konzernkreisen hieß es, die Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Neuer Vertriebschef: Audis bisheriger China-Beauftragter Voggenreiter

Neuer Vertriebschef: Audis bisheriger China-Beauftragter Voggenreiter

Foto: DPA / Volkswagen

10.25 Uhr: Im VW-Konzern dreht sich das Personalkarussell munter weiter: Dietmar Voggenreiter wird zum 1. November neuer Vertriebschef von Audi. Er tritt die Nachfolge von Luca de Meo (48) an, der künftig die VW-Tochter Seat leitet. Audi-Chef Rupert Stadler sagte, mit Voggenreiter übernehme "ein Manager mit breiter Erfahrung aus den eigenen Reihen" diese Schlüsselposition. Der 46-Jährige führt seit neun Jahren das China-Geschäft der VW-Tochter, dem größten Einzelmarkt der Ingolstädter. Von den 1,74 Millionen Fahrzeugen, die Audi im vergangenen Jahr verkaufte, rollten 579.000 auf Chinas Straßen.

9.30 Uhr: Bislang hieß es, VWs Manipulations-Software sei zwar in europäischen Fahrzeugen eingebaut, nicht aber aktiviert gewesen. "Süddeutsche Zeitung" und ARD berichten nun, VW habe eingeräumt, auch europäische Abgaswerte manipuliert zu haben. Demnach könne die Steuerung zahlreicher Fahrzeuge mit dem Dieselmotor EA 189 nicht nur amerikanische Abgastests erkennen, sondern auch den Europäischen Prüfzyklus NEFZ. So werde die "Betriebsstrategie des Motors derart verändert, dass weniger Stickoxide ausgestoßen werden", sagte ein VW-Sprecher laut dem Bericht. Durch die Programmierung würden "während des Prüfstandslaufs die Grenzwerte der Euro-5-Abgasnorm eingehalten", habe VW erklärt. Der Konzern hatte mitgeteilt, weltweit seien bis zu elf Millionen Fahrzeuge des Konzerns mit der Software ausgerüstet, in Europa alleine acht Millionen.

Horn: "Möchte eine aufrichtige Entschuldigung anbieten"

Horn: "Möchte eine aufrichtige Entschuldigung anbieten"

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7.55 Uhr: Der US-Chef von Volkswagen, Michael Horn, wusste seit dem Frühjahr 2014 von möglichen Verstößen gegen Emissionsregeln. Das geht aus einer vorab veröffentlichten Stellungnahme Horns für eine Anhörung vor dem US-Kongress am Donnerstag hervor. Ihm sei auch mitgeteilt worden, dass die US-Umweltbehörde EPA Strafen verhängen könnte. "Im Namen unseres ganzen Unternehmens und meiner Kollegen in Deutschland möchte ich eine aufrichtige Entschuldigung anbieten", heißt es in dem Redemanuskript. "Wir werden mit allen zuständigen Behörden voll kooperieren", verspricht Horn. VW übernehme die volle Verantwortung und werde Mittel finden, um seine Kunden zu entschädigen. Aber der Manager bat auch um Geduld - es stehe viel Arbeit bevor, die Aufklärung werde noch dauern. "Wir hatten noch nicht die Gelegenheit, alle Aspekte des Falls zu untersuchen." Der seit Anfang 2014 amtierende US-Chef informierte den Kongress zudem, dass VW den Zulassungsantrag für die Fahrzeuge des Modelljahres 2016 zurückgezogen habe. "Wir arbeiten mit den Behörden zusammen, um das Zertifizierungsverfahren fortzusetzen."

7.30 Uhr: Volkswagen soll einer Zeitung zufolge für mögliche Steuerschäden aufkommen, die wegen der Abgas-Manipulationen entstanden sein könnten. Dies habe der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) in einem Brief an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gefordert, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". In dem Schreiben werde auf Steuervorteile für Dieselfahrzeuge mit niedrigen Abgas-Werten verwiesen. Wegen der von VW eingestandenen Manipulationen könnten zahlreiche Autos zu gering besteuert worden sein. Walter-Borjans dringe darauf, dass schnell eine unbürokratische Hilfe mit dem Autobauer vereinbart werde, hieß es weiter.

TOP-VW-NEWS DER NACHT +++ TOP-VW-NEWS DER NACHT +++ TOP-VW-NEWS ...

  • Die Deutsche Bank hat den Wechsel des bisherigen VW-Finanzvorstands Hans Dieter Pötsch an die Spitze des Aufsichtsrats kritisiert. Dies passe nicht eine "gute Corporate-Governance-Landschaft", sagte Henning Gebhardt, Aktienchef der Deutsche-Bank-Vermögensverwaltungstochter Deutsche Asset und Wealth Management, dem "Handelsblatt". Beim Thema Grundsätze guter Unternehmensführung sei VW "stehen geblieben", kritisierte Gebhardt. "Das Nicht-Einhalten von Standards und eine schlechte Unternehmenskultur können zu einer extremen Schädigung der Marke führen - das sieht man jetzt bei der Diesel-Affäre." Auch der neue Vorstandschef Matthias Müller werfe Fragen auf, zumal auch er "aus dem selben Stall" stamme.
  • Der bisherige kommissarische VW-Aufsichtsratschef Berthold Huber bleibt vorerst im Kontrollgremium des Autobauers. Huber solle erst nach dem Gewerkschaftstag der IG Metall vom designierten neuen IG-Metall-Chef Jörg Hofmann im VW-Aufsichtsrat abgelöst werden, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Gewerkschaftskreisen erfuhr. Dies sei seit langem geplant. Der Gewerkschaftstag der IG Metall läuft vom 18. bis zum 24. Oktober.
  • Volkswagen hat dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) fristgerecht einen Zeit- und Maßnahmenplan zur Bewältigung des Abgasskandals vorgelegt. Das "umfangreiche Schreiben" sei am Mittwoch eingegangen, es werde darin von einer Rückrufaktion gesprochen, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). VW plant demnach für die von Manipulationen betroffenen 2-Liter-Autos eine Software-Lösung, bei den 1,6-Liter-Motoren sei "mit großer Sicherheit" zusätzlich eine motortechnische Anpassung nötig. Die technische Lösung für die 1,6-Liter-Motoren sei nicht vor September 2016 zu erwarten. Davon seien in Europa 3,6 Millionen Fahrzeuge betroffen. "Daher wird man darüber noch zu reden haben, wie lange dann die entsprechende Umrüstungsphase auch dauert", sagte Dobrindt. Das KBA brauche nun einige Tage Zeit, um die Pläne zu prüfen. Es werde dann "eine unabhängige Entscheidung über die von Volkswagen umzusetzenden Maßnahmen treffen und diese gegenüber Volkswagen anordnen".
  • Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) droht dem KBA derweil mit einer Klage. Seine Organisation werde den "amtlichen Rückruf aller von VW manipulierten Fahrzeuge vom Kraftfahrtbundesamt juristisch erzwingen", kündigte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe an. Die DUH wolle klagen, wenn das KBA "akzeptieren sollte, dass die Umrüstarbeiten an den Fahrzeugen von VW lediglich freiwillig vorgenommen werden", sagte Anwalt Remo Klinger von der auf Umweltrecht spezialisierten Berliner Kanzlei Geulen & Klinger, welche die Umwelthilfe vertritt.
  • Gibt es künftig unangekündigte Auto-Abgastests? Darüber beraten die Verkehrsminister der Länder am Donnerstag und Freitag in Worms. Nach dem VW-Abgasskandal hat der baden-württembergische Ressortchef Winfried Hermann (Grüne) eigene Messprogramme und unangekündigte Tests bei auf dem Markt verfügbaren Serienfahrzeugen angekündigt. Das bayerische Verkehrsministerium weist das als "reinen Aktionismus" zurück. In Worms wird auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) erwartet.

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Pötsch neuer VW-Chefaufseher

18.30 Uhr: Der US-Senat prüft im Zuge des Abgas-Skandals, ob in den Vereinigten Staaten zu Unrecht Steuervergünstigungen für VW-Diesel-Autos gezahlt worden sind. Der einflussreiche Finanzausschuss teilte am Mittwoch mit, Volkswagen könne mit Hilfe der Software zur Manipulation der Abgaswerte möglicherweise eine Bescheinigung für Steuervergünstigungen erhalten haben. Die Käufer von Autos mit geringem Spritverbrauch seien zeitweilig mit 1300 Dollar je Auto unterstützt worden. Zusammengerechnet könnten Autokäufer und Volkswagen demnach Subventionen in Höhe von 50 Millionen Dollar erhalten haben. Dem Unternehmen droht in den USA bereits eine Strafe der Umweltbehörde EPA in Höhe von 18 Milliarden Dollar. Der USA-Chef des Autobauers, Michael Horn, muss am Donnerstag im Washingtoner Kongress wegen des Abgas-Skandals Rede und Antwort stehen.

Neuer VW-Aufsichtsratschef: Hans Dieter Pötsch

Neuer VW-Aufsichtsratschef: Hans Dieter Pötsch

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

17.15 Uhr: Die Bundesregierung geht davon aus, dass Volkswagen den geforderten Zeit- und Maßnahmenplan zur Bewältigung des Abgas-Skandals fristgerecht noch am Mittwoch vorlegt. Das habe der Konzern der Untersuchungskommission tags zuvor noch einmal versichert, sagte ein Sprecher von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in Berlin. "Er ist heute noch nicht eingegangen, aber wir erwarten ihn für heute." Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) werde die vorgeschlagenen Maßnahmen dann "auf Sinnhaftigkeit" prüfen - und darauf, ob deutsche und europäische Gesetze eingehalten würden. Zuvor hatte der neue VW-Chef Matthias Müller der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch) gesagt, der Rückruf der betroffenen Fahrzeuge solle im Januar starten und bis Ende 2016 abgeschlossen sein. Dazu wollte sich der Ministeriumssprecher nicht äußern.

16 Uhr: Niedersachsens Ministerpräsident und Volkswagen-Aufsichtsrat Stephan Weil hat die Wahl von Hans Dieter Pötsch zum neuen Vorsitzenden des Kontrollgremiums bei dem Konzern gegen Kritik verteidigt. "Wir sind überzeugt davon, dass Herr Pötsch aufgrund seiner großen Erfahrung und seines strategischen Weitblicks an dieser Stelle der richtige Aufsichtsratsvorsitzende ist", sagte der SPD-Politiker am Mittwoch in Wolfsburg. Pötschs Wahl war bis zuletzt auch im Aufsichtsrat umstritten. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen hatte dessen nach wie vor ungeklärte Rolle im Abgas-Skandal für großen Gesprächsbedarf unter den Mitgliedern gesorgt. Auch Pötschs direkter Wechsel vom Konzernvorstand in das Kontrollgremium ohne "Abkühlungsphase" hatte für Kritik gesorgt. Am Ende setzte sich aber die Familie Porsche/Piëch mit ihrer Forderung zugunsten von Pötsch durch.

15.15 Uhr: Der bisherige Finanzvorstand von Volkswagen, Hans Dieter Pötsch, ist neuer Aufsichtsratschef des Wolfsburger Autokonzerns. Das Kontrollgremium wählte ihn am Mittwoch Nachmittag wie erwartet zum neuen Vorsitzenden, wie Wolfgang Porsche von der Eignerseite mitteilte.

Der 64-Jährige Pötsch löst den amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Berthold Huber ab. Der Ex-IG-Metall-Chef hatte diesen Posten vorübergehend übernommen, nachdem Firmenpatriarch Ferdinand Piëch im April zurückgetreten war. Pötsch soll den wegen der Manipulation von Abgaswerten ins Schlingern geratenen Wolfsburger Autokonzern zusammen mit dem neuen Vorstandschef Matthias Müller in der Spur halten.

Polo-Werbung vor Volkswagen-Werk im indischen Chakan bei Pune: Offenbar gibt es bei den gefragten Kleinwagen-Modellen technische Probleme. Volkswagen Indien hat die Händler vor Ort angewiesen, die Auslieferung der Polo zu stoppen

Polo-Werbung vor Volkswagen-Werk im indischen Chakan bei Pune: Offenbar gibt es bei den gefragten Kleinwagen-Modellen technische Probleme. Volkswagen Indien hat die Händler vor Ort angewiesen, die Auslieferung der Polo zu stoppen

Foto: Friso Gentsch/ picture alliance / dpa

13.45 Uhr: Volkswagen hat seine Händler in Indien angewiesen, den Verkauf von Polo-Modellen zu stoppen. Der Grund seien "technische Fragen", erklärt ein Sprecher der indischen VW-Tochter am Mittwoch. Nach Abschluss der Analyse werde möglicherweise ein Rückruf gestartet, sagte Einen Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal gebe es nicht.

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Bittere Erfahrungen von Daimler und anderen: Was Volkswagen in den USA noch droht

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

12.45 Uhr: VW-US-Chef Michael Horn muss am Donnerstag vor dem US-Kongress aussagen. Der Kongress läutet mit der Anhörung formell seine Untersuchung gegen Volkswagen ein. Die Abgeordneten wollen erfahren, wie genau die Manipulation der Diesel-Abgaswerte vonstattenging. "Wir haben viele Fragen, wir haben nur sehr wenige Antworten", sagte die demokratische Abgeordnete Diana DeGette. Horn soll alleine und unter Eid vor einem Gremium des Energie- und Handelsauschusses im Repräsentantenhaus aussagen. "Die Botschaft an Volkswagen lautet, dass sie uns besser nicht an der Nase herumführen", sagte ein Kongressmitarbeiter unter Verweis darauf, dass der Ausschuss die Herausgabe von Informationen erzwingen könne. Bei der Untersuchung soll es aber auch darum gehen, ob andere Autohersteller betroffen sind.

Nicht so umweltfreundlich wie gedacht: Eine VW-Kundin sieht sich durch den Abgasskandal getäuscht, will ihr Auto zurückgeben und verklagt Volkswagen auf Schadenersatz

Nicht so umweltfreundlich wie gedacht: Eine VW-Kundin sieht sich durch den Abgasskandal getäuscht, will ihr Auto zurückgeben und verklagt Volkswagen auf Schadenersatz

Foto: imago

12.03 Uhr: Eine deutsche VW-Kundin verklagt wegen des Abgas-Skandals den Volkswagen-Konzern auf Schadenersatz. Es dürfte eine der ersten Klagen dieser Art in Deutschland sein. Ein Bochumer Rechtsanwalt sagte, seine Mandantin wolle ihr Auto zurückgeben und fordere deshalb die Rückabwicklung des Kaufs. Das Landgericht Braunschweig bestätigte am Mittwoch den Eingang der Klage. Die Kundin habe sich aus Umweltschutz-Gründen bewusst für ein Fahrzeug der "Blue Motion"-Reihe entschieden und dabei auch Zusatzkosten in Kauf genommen. Jetzt sehe sie sich in ihrer Erwartung, ökologisch unterwegs zu sein, enttäuscht. "Die Weiternutzung eines nicht schadstoffarmen Kraftfahrzeugs ist der Klägerin unzumutbar", betonte der Rechtsanwalt. Die von VW angekündigte Nachbesserung reiche nicht, um den Schaden zu beheben. Denn dadurch würden unter anderem die Motorleistung, die Beschleunigung und die Höchstgeschwindigkeit sinken. Zugleich werde der Kraftstoffverbrauch steigen, argumentiert die Klägerin.

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VW verliert, Porsche und Audi gewinnen: Diese (deutschen) Marken liebt die Welt noch

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11.27 Uhr: Volkswagen will in den nächsten Tagen Einzelheiten zur Umrüstung der manipulierten Diesel-Motoren nennen. Der Autobauer hat dem Kraftfahrtbundesamt seine Pläne vorgelegt und werde nach der Zustimmung der Behörde informieren, sagte ein VW-Sprecher. Das werde bald geschehen. Offen ist bislang unter anderem, bei welchen Modellen ein Software-Update genügt und bei welchen tiefgreifendere Eingriffe nötig sind. Vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

10.46 Uhr: Vom VW-Abgasskandal sind in Australien rund 91.000 Autos betroffen. Nach Angaben von Volkswagen Australien sind 54.745 Autos der Marke VW, 17.256 Nutzfahrzeuge und 5148 Fahrzeuge der Konzerntochter Skoda mit der Abschalttechnik ausgestattet. Audi verkaufte zwischen 2008 und 2015 insgesamt 14.028 Autos mit der Software. Die australische Verbraucherschutzbehörde hatte vergangene Woche mitgeteilt, für jede in einem Auto eingebaute und genutzte Abschalteinrichtung könne eine Geldstrafe von bis zu 1,1 Millionen australischen Dollar (688.000 Euro) verlangt werden.

Nicht unumstritten: Noch-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch soll VW-Aufsichtsratschef werden, das Amtsgericht Braunschweig ebnete jetzt dafür den Weg

Nicht unumstritten: Noch-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch soll VW-Aufsichtsratschef werden, das Amtsgericht Braunschweig ebnete jetzt dafür den Weg

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10.30 Uhr: Das Amtsgericht Braunschweig hat den bisherigen VW -Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch zum Mitglied des Aufsichtsrats bestellt. Der Beschluss sei bis zur nächsten Hauptversammlung befristet. Damit ist der Weg für den Aufsichtsrat frei, der Pötsch am Mittwoch zum Vorsitzenden des Gremiums wählen soll. Das VW-Präsidium hatte Pötsch bereits für diesen Posten vorgeschlagen. Der 64-Jährige soll so bald wie möglich den amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden, Ex-IG-Metall-Chef Berthold Huber, ablösen. Neuer Finanzvorstand soll Frank Witter werden, der bisher Chef der Leasing- und Banktochter VW Financial Services ist. Pötsch soll den wegen der Manipulation von Abgaswerten ins Schlingern geratenen Wolfsburger Autokonzern zusammen mit dem neuen Vorstandschef Matthias Müller in der Spur halten.

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Volkswagen: Ein Weltkonzern rückt zusammen

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9.01 Uhr: Aktien von Volkswagen  gewinnen zu Handelsbeginn fast 5 Prozent zu und springen damit über die psychologisch wichtige Marke von 100 Euro. Händler führen dies auf positiv gewertete Aussagen von Konzernchef Müller zurück. So hatte Müller einen Zeitplan für den Fahrzeugrückruf genannt, begründet Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus ICF. Für Erleichterung sorge außerdem, dass "Dieselgate" offenbar nicht zu einem Nachfrage-Einbruch geführt habe Auf die Frage im FAZ-Interview nach dem befürchteten Nachfrage-Rückgang antwortete Müller: "Nein, einen solchen Einbruch können wir bis heute nicht erkennen."

Hoher zweistelliger Millionenbetrag jedes Jahr: VfL-Manager Klaus Allofs weiß nur zu gut, was der Bundesligist als 100-Prozent-Tochter vom Volkswagen-Konzern hat

Hoher zweistelliger Millionenbetrag jedes Jahr: VfL-Manager Klaus Allofs weiß nur zu gut, was der Bundesligist als 100-Prozent-Tochter vom Volkswagen-Konzern hat

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7.51 Uhr: Der Manager des Fußball-Erstligisten VfL Wolfsburg, Klaus Allofs, hatte zuletzt noch betont, er erwarte keine negativen Folgen für den Klub durch den VW-Abgasskandal. Seit gestern dürfte sich Allofs da nicht mehr so sicher sein. Denn der neue VW-Chef Matthias Müller will im Zuge des Abgas-Skandals auch die Investitionen des Konzerns in den Fußball auf den Prüfstand stellen. "Wir drehen jeden Stein um und werden uns auch das ansehen", sagte Müller der FAZ. Allen voran DFB-Pokalsieger VfL Wolfsburg wird als hundertprozentige Tochter des Konzerns wird mittlerweile jährlich mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag unterstützt. Der Autobauer ist zudem über die Tochter Audi an Bayern München und dem FC Ingolstadt beteiligt.

7.20 Uhr: Bei der Nachbesserung der vom Abgasskandal betroffenen Dieselfahrzeuge müssen Volkswagen-Kunden Geduld haben: Die Rückrufaktion soll Anfang des kommenden Jahres beginnen und kann sich lange Zeit hinziehen. "Bis Ende 2016 sollen dann alle Autos in Ordnung sein", sagte VW -Chef Matthias Müller der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". VW müsse die jeweilige Lösung auf jedes Modell abstimmen und die notwendigen Teile bestellen. Sorgfalt gehe vor Geschwindigkeit. "Wenn alles läuft wie geplant, können wir im Januar den Rückruf starten."

Es gehe um den Motor EA 189 in Kombination mit verschiedenen Getrieben und diversen länderspezifischen Auslegungen. "Wir brauchen also nicht drei Lösungen, sondern Tausende." Für die meisten Motoren genüge ein Update der Software in der lokalen Werkstatt. Manche Fahrzeuge aber könnten neue Injektoren und Katalysatoren brauchen. Müller sagte, VW habe in dieser Woche dem Kraftfahrtbundesamt technische Lösungen vorgestellt.

6.45 Uhr: Das Bundesverkehrsministerium will laut "Welt" in wenigen Tagen Klarheit darüber haben, ob womöglich auch andere Autohersteller bei Abgastests getrickst haben. Es solle geprüft werden, ob und in welchem Umfang eventuell illegale Abschalttechnik verwendet und damit die Messergebnisse manipuliert worden seien, berichtet die Zeitung. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) führe dafür Tests bei allen Herstellern durch, die in Deutschland in nennenswerter Zahl Autos verkaufen. "Die Ergebnisse der Nachprüfungen der Dieselfahrzeuge werden in den nächsten Tagen veröffentlicht", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums.

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Das Aufsichtsratspräsidium von Volkswagen: Dieser mächtige Fünferrat steuert Volkswagen

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Volkswagen hat sich bei US-Kunden in einem Brief für den Abgasskandal entschuldigt. In einem Schreiben vom 29. September, das Reuters vorlag, erklärte US-VW-Chef Michael Horn, dass der Konzern das Vertrauen der Fahrzeugkäufer verletzt habe. Er bitte deshalb persönlich die Kunden um Verzeihung. Der Konzern arbeite hart daran, die betroffenen Autos so bald wie möglich in Ordnung zu bringen.

• Zur Aufarbeitung des Skandals kommt am heutige Mittwoch der VW-Aufsichtsrat zusammen. Das 20-köpfige Kontrollgremium will ab 9 Uhr auf dem Werksgelände in Wolfsburg über die nächsten Schritte zur Bewältigung des Manipulations-Skandals beraten. Auf der Agenda steht dabei auch die nicht unumstrittene Personalie Hans Dieter Pötsch. Der bisherige VW-Finanzchef soll nach dem Willen des Präsidiums Chef des Aufsichtsrates werden. Kritiker, wie die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), sehen in seiner Person den falschen Kandidaten zur Aufarbeitung der Abgas-Krise, da nicht zweifelsfrei nachgewiesen sei, dass er keine persönliche Verantwortung für Verfehlungen in der Affäre trage.

• Im VW-Konzernvorstand sollen künftig auch die Volkswagen-Töchter Seat und Skoda vertreten sein - aber nicht durch die jeweiligen Markenchefs. Es werde stattdessen Paten für die beiden kleineren Marken geben, berichtet dpa-AFX aus Konzernkreisen. Dem Vernehmen nach soll Beschaffungsvorstand Francisco Sanz diesen Job für Seat übernehmen. VW-Chef Müller hatte die Beschäftigten am Dienstag auf schwere Zeiten eingestimmt. Milliardenschäden durch den Abgas-Skandal drohen demnach zentrale Investitionspläne bei Volkswagen zu kippen. "Unser Ergebnis und die bisherige Finanzplanung kommen massiv unter Druck", sagte Müller. VW drohen Milliardenschäden.

• Der Städte- und Gemeindebund warnt vor massiven Einschnitten in Städten mit VW-Werken. "Die VW-Krise kann vor dem Hintergrund der Gewerbesteuereinnahmen deutliche Auswirkungen auf die Kommunen mit Produktionsstandorten haben. Auch wenn der Umfang der Krise derzeit noch nicht klar absehbar ist, steht dennoch zu erwarten, dass es beim Gewerbesteueraufkommen deutliche Ausfälle geben wird," sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Gerd Landsberg der "Bild" laut Vorabbericht. In diesem Fall drohten negative Folgen für das Angebot an kommunalen Leistungen.

6.15 Uhr: Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser. Schön, dass wieder Sie bei uns sind. Lesen Sie erst eine kurze Zusammenfassung der Top-VW-News der Nacht, dann geht es wie gewohnt weiter im Newsblog zur Abgasaffäre.

ts/rei mit Nachrichtenagenturen
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