Schadenersatz für Chipmangel Volkswagen prüft angeblich Ansprüche gegen Bosch und Continental

Der Mangel an Mikrochips und Sensoren bringt Volkswagen in Konflikt mit seinen großen Zulieferern. Der Konzern will Ansprüche auf Schadenersatz prüfen, vor allem aber die Produktion wieder in Gang bringen. Das jedoch dürfte noch Monate dauern.
Angebotsschock: Auch im Volkswagen-Werk Wolfsburg musste die Produktion gedrosselt werden

Angebotsschock: Auch im Volkswagen-Werk Wolfsburg musste die Produktion gedrosselt werden

Foto: Julian Stratenschulte / DPA

Der wegen fehlender Halbleiterbauteile zu Produktionskürzungen gezwungene Autohersteller Volkswagen prüft einem Bericht zufolge Schadenersatzansprüche gegen seine Zulieferer Bosch und Continental. Die Branchenzeitung "Automobilwoche" berichtete  am Sonntag, VW spreche inzwischen auch mit möglichen Alternativlieferanten, um den Chipmangel zu beseitigen. An den entstehenden Mehrkosten wolle Volkswagen sowohl Bosch als auch Continental beteiligen.

Für Volkswagen hat laut einem Statement des Konzerns oberste Priorität, die Auswirkungen des Engpasses auf die Produktion zu minimieren. "Das geschieht in enger und partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit unseren Zulieferern." Zur Aufarbeitung der gegenwärtigen Situation werde es aber auch gehören, "Ansprüche im Austausch mit den Zulieferern" zu prüfen. Continental lehnte eine Stellungnahme ab. Bosch erklärte, der Fokus liege derzeit darauf, die Lieferketten trotz angespannter Lage am Markt möglichst aufrechtzuerhalten: "Alle darüber hinausgehenden Aspekte des Engpasses bei Halbleitern werden wir zu gegebener Zeit mit unseren Kunden und Zulieferern direkt besprechen." Auch der SPIEGEL berichtete über "Unmut"  zwischen VW und seinen beiden großen Zulieferern wegen fehlender Chips.

Der Engpass bei Computerbauteilen zwingt den Konzern seit Dezember zu Produktionskürzungen und Kurzarbeit an einzelnen Standorten in China, Nordamerika und Europa. Betroffen seien Fahrzeuge der Marken VW und VW Nutzfahrzeuge sowie Skoda, Seat und Audi. Auch zahlreiche andere Autohersteller haben die Produktion in einigen Werken ausgesetzt oder gedrosselt.

Taiwan sichert Unterstützung zu

Die Bundesregierung bittet bereits Taiwan um Hilfe. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (62, CDU) betont in einem Reuters vorliegenden Brief an seine Kollegin Wang Mei-hua (62) die Bedeutung des taiwanischen Halbleiterherstellers TSMC als zentralen Lieferanten der deutschen Autobauer. Diese sprächen bereits mit TSMC, um eine Lösung zu finden. Ziel sei es, kurz- und mittelfristig zusätzliche Kapazitäten und Lieferungen an Halbleitern zu ermöglichen.

"Ich würde mich freuen, wenn Sie sich dieses Anliegens annehmen und gegenüber TSMC die hohe Bedeutung zusätzlicher Kapazitäten an Halbleitern für die deutsche Automobilindustrie unterstreichen könnten", schreibt Altmaier. Angesichts der in vielen Staaten aufgetretenen Lieferengpässe bei Computerchips erklärte Taiwan, es habe die im Land ansässigen Technologiefirmen um "volle Unterstützung" gebeten. TSMC erklärte, das Unternehmen arbeite eng mit Kunden in der Autoindustrie zusammen, um Lieferprobleme zu lösen. Dies habe "oberste Priorität".

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin betonte, mittelfristig sei es "wichtig und entscheidend", die Kapazitäten in Deutschland und Europa auszubauen. Das Ministerium setzt sich daher für den Ausbau der Förderung im Bereich der mikroelektronischen Kommunikationstechnologien und damit für eine Stärkung der "digitalen Souveränität" und den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft ein.

Noch sechs Monate Mangel

Grund für die Chipflaute ist - neben den Folgen der Pandemie - auch der vom ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump entfachte Handelskrieg mit China. Dadurch sind die ohnehin an der Kapazitätsgrenze arbeitenden chinesischen Halbleiterhersteller zusätzlich in Bedrängnis geraten.

Aus VW-Konzernkreisen verlautete, aufgrund schwankender Prognosen für die Automärkte hätten die Produzenten von Halbleitern trotz des hohen Abrufs seitens der Autoindustrie offensichtlich ihre Produktion auf andere "Abnehmerbranchen mit großen Wachstumsraten" umgestellt, wie zum Beispiel die Unterhaltungselektronik. Experten gehen deshalb davon aus, dass der Mangel an Halbleitern für die Automobilindustrie bis zu sechs Monate anhalten wird.

ak/Reuters
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