Volkswagen Porsche könnte im vierten Quartal an die Börse gehen

Volkswagen will Porsche noch in diesem Jahr an die Börse bringen. Ein Teil der Erlöse soll die geplanten Batteriefabriken mitfinanzieren. Auch einen Börsengang der Batterieaktivitäten erwägt das Management.
Reif für die Börse: 20 Milliarden Euro und mehr könnte ein Börsengang von Porsche einspielen

Reif für die Börse: 20 Milliarden Euro und mehr könnte ein Börsengang von Porsche einspielen

Foto: BRENDAN MCDERMID / REUTERS

Volkswagen will den milliardenschweren Börsengang seiner Sportwagentochter Porsche noch in diesem Jahr über die Bühne bringen. Die Platzierung von Porsche-Vorzugsaktien könnte bereits im Schlussquartal 2022 erfolgen, sagte Finanzchef Arno Antlitz (51) am Freitag bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Im Spätsommer wolle man über den Stand der Vorbereitungen informieren.

Die Führung in Wolfsburg hatte am Donnerstagabend den Weg für einen teilweisen Gang der Stuttgarter Tochter auf das Börsenparkett im Grundsatz frei gemacht. Es geht um die Porsche AG, die das operative Geschäft des Sport- und Geländewagenbauers umfasst. Das Unternehmen ist ein zentraler Ertragsbringer für die Volkswagen-Gruppe.

Börsianer bezeichneten die Eckpunkte des am Vorabend geschlossenen Deals zwischen dem Wolfsburger Autokonzern und seinem Großaktionär Porsche SE als ermutigend. VW-Aktien  stiegen um 3,4 Prozent und die Titel der Familienholding Porsche SE  um 5,1 Prozent. Mit einem Teil der Einnahmen von womöglich mehr als 20 Milliarden Euro will Volkswagen die Transformation hin zur Elektromobilität beschleunigen. Etwa die Hälfte des Gelds soll als Sonderdividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden. (Die Details zu dem geplanten Börsengang lesen Sie hier )

Konzernchef Herbert Diess sagte, durch die Transaktion werde eine Struktur geschaffen, von der alle Interessengruppen im Konzern profitierten. Volkswagen werde sein strategisches Liquiditätsziel dabei früher erreichen und übertreffen. Die Wolfsburger stecken viele Milliarden Euro in die Entwicklung von Software, neuen E-Autos und den Bau von Batteriezellfabriken. Bis 2030 soll die Hälfte der verkauften Fahrzeuge rein batteriegetrieben sein.

IPO-Erlöse sollen Bau von Batteriefabriken mit finanzieren

Um bei der Menge der dafür benötigten Akkus unabhängiger von Lieferanten zu sein, plant der Konzern allein in Europa sechs große Batteriezellfabriken. Ein Teil des Geldes aus dem Porsche-Börsengang dürfte auch dafür verwendet werden. Die gesamten Kosten kann Volkswagen aber nicht alleine stemmen, sondern sucht dafür Partner.

Auch über einen Börsengang der Batterieaktivitäten denkt das Management nach. Finanzchef Arno Antlitz bekräftigte dies bei der Telefonkonferenz. Auf die Frage, ob Anteile an ihr später einmal am Finanzmarkt notiert sein könnten, meinte Antlitz: "Ja, das könnte eine Möglichkeit sein." Man konzentriere sich jetzt aber zunächst auf die weiteren Prüfungen für die Porsche AG. Auf die Frage, ob auch Börsengänge weiterer Marken zu erwarten seien, antwortete er, darüber werde zurzeit nicht diskutiert.

Konzernbeobachter halten es für möglich, dass der Börsengang von Porsche den Anstoß für eine Neuordnung des Mehr-Markenkonzerns geben könnte. Denkbar wäre dies für die Premiumgruppe mit Audi, Lamborghini, Bentley und die Motorradmarke Ducati. Auch die Volumengruppe mit der Hauptmarke VW, Skoda und Seat wird genannt. Die unter dem Dach von Traton zusammengefassten Nutzfahrzeugmarken MAN, Scania und Navistar hat Volkswagen bereits an die Börse gebracht.

Porsche wäre der nächste Schritt. Laut der Vereinbarung zwischen Volkswagen und den Familieneignern soll das Grundkapital der Porsche AG je zur Hälfte in Vorzugs- und Stammaktien aufgeteilt werden. Bis zu 25 Prozent der stimmrechtslosen Vorzüge sollen am Kapitalmarkt platziert werden. Die Porsche SE, über die die Familien Porsche und Piech die Mehrheit an Volkswagen halten, soll 25 Prozent zuzüglich einer Aktie der Stammaktien zeichnen und erhält damit eine Sperrminorität. Die Familien bekommen damit wieder Einfluss auf die Porsche AG, den sie nach der verlorenen Übernahmeschlacht mit Volkswagen vor zehn Jahren verloren hatten.

rei/dpa-afx/Reuters