Donnerstag, 17. Oktober 2019

Ole Harms soll Kulturwandel bei Volkswagen vorantreiben Ein VW-Markenvorstand der etwas anderen Art

Ole Harms mischt Wolfsburgs Chefriege auf: Dieser Männerclub soll die 13 Volkswagen-Marken in die Zukunft steuern
AFP

Das äußere Erscheinungsbild passt schon mal: Mit Vollbart, Undercut-Frisur, Sneakern und (natürlich!) ohne Krawatte tritt Ole Harms seinen Job als neuer Markenvorstand bei Volkswagen an.

Auch sonst ist die Symbolik recht eindeutig. Die von Harms geführte Firma Moia agiert von Berlin aus, als eigenständiges Unternehmen. Schnell, flexibel und mit jung-dynamischen Leuten soll es vorangehen. Mit an Bord ist beispielsweise Robert Henrich, zuvor bei Daimler verantwortlich für die Mobilitäts-Tochter Moovel (Car2Go, Mytaxi).

Bloß nicht zu nah an den alten Strukturen. Kulturwandel? Läuft bei Volkswagen, zumindest gemessen am Auftritt von Harms und Moia. Da passt es nur ins Bild, dass Harms die neue Marke offiziell in London auf der Technologie-Konferenz "TechCrunch Disrupt" in London ankündigte.

Jetzt ist die große Frage, ob Harms' zunächst etwa 50 Personen große Truppe in der Hauptstadt das erreichen kann, was Volkswagen braucht. Das Unternehmen gilt als vergleichsweise rückständig bei dem Versuch, sich ändernde Mobilitätsbedürfnisse zu befriedigen und muss daher aufholen. Daimler und BMW haben mit Moovel/Car2Go und Drive Now viel früher darauf reagiert, dass gerade jüngere Menschen nicht mehr unbedingt das eigene Auto auf dem eigenen Parkplatz anstreben.

Volkswagen hat diese Entwicklung zwar intensiv beobachtet. Doch erste Versuche wie mit dem Carsharing-Angebot Quicar sind nie wirklich groß geworden. Stattdessen zweifelten Topmanager wie Ex-Chef Martin Winterkorn öffentlich daran, dass die Trends rasch größere Wirkung entfalten sollten.

"Nicht jeder kann sich ein eigenes Auto, ein Taxi oder einen der neuen Fahrdienste leisten", sagt dagegen Harms. "Die Mobilitätslösung, die ich als Stadtbewohner nutzen möchte, muss möglichst zeitsparend und immer verfügbar sein." Und deshalb hat Moia selbstredend nicht weniger als eine Vision: Das Unternehmen soll laut Harms "einen Wandel bei der Mobilität in den Ballungsräumen der ganzen Welt herbeiführen".

In seiner Person holt VW-Chef Matthias Müller dabei jedoch keineswegs einen allzu bunten Quereinsteiger zu Volkswagen. Zwar ist dieser gemessen an seinen elf Kollegen durch aus ein Markenvorstand der anderen Art. Doch Harms kennt Volkswagen bereits ganz gut von innen.

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