Projekt "Trinity" Volkswagen plant neue Autofabrik in Wolfsburg

Rieseninvestition am Stammsitz von Volkswagen: Der Konzern will für die Elektroautos der nächsten Generation ein ganz neues Werk neben dem alten bauen. Als Maßstab gilt die Tesla-Fabrik nahe Berlin.
Elektro bisher nur im Verkaufsraum: Die in der Wolfsburger Autostadt präsentierten Stromfahrzeuge VW ID.3 und ID.4 stammen aus Zwickauer Produktion

Elektro bisher nur im Verkaufsraum: Die in der Wolfsburger Autostadt präsentierten Stromfahrzeuge VW ID.3 und ID.4 stammen aus Zwickauer Produktion

Foto: RONNY HARTMANN / AFP

Volkswagen will für sein neues Elektroauto-Projekt "Trinity" am Stammsitz in Wolfsburg eine neue Autofabrik errichten. Geprüft werde, eine neue Fertigung außerhalb des derzeitigen Werks zu bauen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Dafür kämen verschiedene Standorte im Umland in Frage. Der Aufsichtsrat solle den Plan in den kommenden Wochen absegnen. Der eigentlich schon für diesen Freitag (12. November) angepeilte Abschluss der Planungsrunde war jüngst auf den 9. Dezember verschoben worden - möglicherweise fällt bis dahin eine endgültige Entscheidung.

Nach Informationen von manager magazin wird das neue Werk mittelfristig auf eine Jahreskapazität von mehr als 200.000 Autos ausgelegt. Auch von einer Kapazität von bis zu 300.000 Autos ist im Konzern die Rede. Die Strategen in Wolfsburg hatten geprüft, die Anlage auf dem alten Werksgelände zu bauen - der mit 6,5 Quadratkilometern größten Fabrik der Welt. Das scheiterte offenbar unter anderem an Gründen der Logistik, sodass nun eine Erweiterung her muss.

"Damit können wir Wolfsburg innerhalb von fünf Jahren zum globalen Leuchtturm für modernste und effizienteste Fahrzeugproduktion machen", erklärte VW-Markenchef Ralf Brandstätter (53). Der Betriebsrat begrüßte das Vorhaben. "Mit dem Bau eines zweiten Werks in Wolfsburg sichern wir hier die Beschäftigung", sagte Betriebsratschefin Daniela Cavallo (46). In einer Mitarbeiterzeitung schrieb sie, die Pläne seien "mutig und damit genau richtig". Gleichwohl fordert der Betriebsrat noch mehr. Vor allem soll aus seiner Sicht schnellstmöglich die Produktion eines Elektromodells der aktuellen ID-Reihe nach Wolfsburg geholt werden , um das alte Stammwerk besser auszulasten und dort Jobs zu sichern. Der zuletzt heftig aufgeflammte Konflikt um Konzernchef Herbert Diess (63) scheint mit dem Trinity-Plan keineswegs beendet.

Diess: "Es sollte keiner Angst haben."

In einer internen Fragerunde mit Beschäftigten betonte Diess am Dienstag, keinen Stellenabbau in Form eines zusätzlichen Sparprogramms in den kommenden Jahren anzupeilen: "Es sollte keiner Angst haben. Wir haben eine Arbeitsplatzsicherung ausgesprochen bis 2029. Es gibt keinen Plan, 30.000 Mitarbeiter abzubauen." Zuvor hatte er genau diese Drohkulisse aufgebaut.

Worum es ihm gehe, seien Überlegungen, wie man mehr Effizienz erreiche: "Wie muss Wolfsburg aussehen im Jahr 2030, 2035, damit es zukunftsfähig ist?" Sicherlich würden dabei auch alte Jobs wegfallen - "aus dem Wettbewerb heraus. Darauf muss man sich vorbereiten."

Volkswagen brauche insbesondere am Hauptsitz "einen Ruck, um diese neue Welt zu erkennen", sagte Diess. Bei entsprechender Vorbereitung könne Wolfsburg Tesla standhalten. "Aber wir müssen uns neu erfinden, wir brauchen einen Aufbruch." Nach Angaben des Betriebsrats sollen die Beschäftigten im neuen Trinity-Werk in den VW-Haustarif fallen.

Trinity soll autonomes Fahren bezahlbar machen

Mit dem Projekt will sich Volkswagen ähnliche Bedingungen schaffen, wie sie der US-Elektroautobauer Tesla in Grünheide bei Berlin hat, wo auf der grünen Wiese derzeit eine neue Fabrik entsteht. Wenn die Behörden grünes Licht geben, sollen dort noch in diesem Jahr die ersten Elektroautos vom Band rollen. Das bestehende VW-Werk, dessen Grundstein vor mehr als 80 Jahren von den Nazis gelegt wurde, soll von den Plänen zunächst unberührt bleiben. Dort soll die Produktion von Autos mit Verbrennungsmotoren weiterlaufen. In den nächsten Jahren sollen die Produktionslinien perspektivisch von vier auf zwei verdichtet werden, wie VW mitteilte. Durch die freiwerdenden Flächen solle dort die Möglichkeit geschaffen werden, eine weitere Produktion nach dem Vorbild der neuen Fabrik einzurüsten.

"Trinity" läuft voraussichtlich im Jahr 2026 voll an. Es handelt sich um ein komplett neu konzipiertes Fahrzeugsystem, in dem dann die modernsten Elektroantriebe sowie weitgehend selbst programmierte Software, Vernetzung und Technologien des autonomen Fahrens von VW zum Einsatz kommen sollen. Dazu verwendet die Marke eine weiterentwickelte Plattform namens SSP, auf die auch Töchter zugreifen können sollen. Auf dieser technischen Basis sollen insgesamt mehr als 40 Millionen Wagen entstehen.

Ziel ist, wie Tesla ein Auto in etwa zehn Stunden zu bauen. Derzeit braucht VW dafür in seinem Elektroautowerk in Zwickau etwa dreimal so lange. Geplant ist nach früheren Angaben ein Wagen, der anfangs für teilautomatisiertes Fahren (Level 2+) ausgelegt ist und später vollautomatisiertes Fahren (Level 4) ermöglichen soll.

Ein ähnliches Projekt wie "Trinity" hat die Konzerntochter Audi unter dem Namen "Artemis" für drei E-Modelle der Marken Audi, Porsche und Bentley aufgesetzt. Die Entscheidungen über die Produktionsstandorte wird Volkswagen vermutlich im Rahmen der Investitionsplanung für die kommenden fünf Jahre Anfang Dezember bekanntgeben. "Auch das Stammwerk am Mittellandkanal soll anschließend nach diesem Vorbild tiefgreifend modernisiert werden", teilte VW weiter mit.

ak/Reuters, dpa-afx
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