Neuer Entwicklungschef Mit wem Müller und Diess Volkswagen umbauen wollen

Sechs neue Konzernvorstände seit Anfang 2015, frische Chefs für sieben der zwölf Marken, dazu mehr als ein Dutzend gewechselte Markenvorstände: Martin Winterkorn (68) hatte im Frühjahr intern angekündigt, er werde den Konzern umbauen und fit für die Zukunft machen. Was sein Nachfolger Matthias Müller (62) daraus gemacht hat, ist - angefacht noch durch den Abgasskandal - eine Art Manager-Wanderung geworden. Die meisten Posten gehen an High Potentials aus dem Konzern, aber Müller und Hans Dieter Pötsch halten genauso extern Ausschau wie zuletzt auch schon Winterkorn und Pötschs Vorgänger Ferdinand Piech.

Truckvorstand Andreas Renschler und die für das neue Ressort Integrität und Recht verpflichtete Christine Hohmann-Dennhardt (64) kommen von Daimler , VW-Markenchef Herbert Diess (57) arbeitete zuletzt als Entwicklungschef bei BMW . Neuestes Beispiel ist das Comeback von Ulrich Eichhorn (54).

Der Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA) soll künftig Forschung und Entwicklung konzernweit koordinieren. Eichhorn hatte lange für Ford gearbeitet und dann ab 2000 die Konzernforschung in Wolfsburg geleitet. Nach neun Jahren als Entwicklungsvorstand bei Bentley war er 2012 zum VDA gewechselt und hatte dort die Verantwortung für die Bereiche Technik und Umwelt übernommen.

Bis zu seinem Ausscheiden Ende September hatte Martin Winterkorn selbst die Konzernentwicklung in Wolfsburg geführt. Müller hat das Vorstandsressort Entwicklung gestrichen, genau so wie auch Produktion und Vertrieb; Eichhorn wird aber als Generalbevollmächtigter direkt an ihn berichten. Er ist damit hierarchisch gleichgestellt mit Strategiechef Thomas Sedran (51) und dem für die Digitalisierung verantwortlichen Johann Jungwirth (42), beide ebenfalls von außen geholt.

Alle Marken stehen auf dem Prüfstand

Und der Umbau geht weiter. Insbesondere VW-Markenchef Diess arbeitet mit einem nahezu komplett neuen Team. Vom alten Markenvorstand übrig geblieben sind nur noch zwei Kollegen: Finanzchef Arno Antlitz (45) und Produktionsvorstand Thomas Ulbrich (49). Entwicklung, Personal, Einkauf und Vertrieb hat Diess, abgestimmt mit Müller, neu vergeben. Und bis auf Einkaufschef Ralf Brandstätter (47, im VW-Einkauf bislang zuständig für Produktanläufe), kommen die neuen nicht aus dem Management der Marke. Frank Welsch (51, war bislang Chefentwickler bei Skoda, der auch für den Konzern verantwortliche Personalvorstand Karlheinz Blessing (58) führte zuletzt als CEO die Dillinger Hütte und Vertriebschef Jürgen Stackmann (54) leitete die Seat-Spitze.

Volkswagen-Chef Müller (r.) und VW-Markenchef Diess treiben den Umbau beim Autobauer weiter voran. Zahlreiche Positionen wurden und werden neu besetzt.

Volkswagen-Chef Müller (r.) und VW-Markenchef Diess treiben den Umbau beim Autobauer weiter voran. Zahlreiche Positionen wurden und werden neu besetzt.

Foto: Carsten Koall/Getty Images; dpa

Seit Wochen hat Diess mit seinen neuen Topleuten an einer neuen Strategie für die Marke VW gefeilt: was muss regional entschieden werden, was national, wo kann noch gespart werden, welche Modelle benötigt die Marke wirklich, welche Kunden spricht die Marke künftig wo und mit welchen Autos an? Diess hat alles auf den Prüfstand gestellt.

Umsetzen soll die neue Strategie künftig der von Skoda geholte Michael Jost. Bei Skoda hatte er sich um die Entwicklung und Positionierung des Produktpofiolios gekümmert. Jost zur Seite stehen dürfte Fritz Geri (62). Geri hatte in München zwei Jahre lang das Effizienzprogramm des damaligen Konzernchefs Norbert Reithofer (59) gesteuert. Diess hat ihn als Berater verpflichtet.

Auch die Leitung der neuen Baureihen hat der neue Markenchef vergeben. Diess orientiert sich in der Entwicklung künftig an den Vorbildern BMW  und Porsche  . Die Baureihenleiter dort agieren deutlich eigenständiger als bisher bei VW üblich. Sie binden Vertreter anderer Bereiche wie zum Beispiel der Produktion, des Designs und des Einkaufs zu Teams zusammen und sind dann auch für den wirtschaftlichen Erfolg der von ihnen gemanagten Baureihen verantwortlich.

Diess' Ziel: die Entwicklung straffen, auf späte Änderungen und teure Extra verzichten und die Modelle von Beginn an profitabler planen. Sein Team hat der Ferrari-Fan beisammen: Die prominenteste Rolle übernimmt Volkmar Tanneberger. Er verantwortet künftig die Baureihe "New Volkswagen" und ist damit insbesondere für den geplanten Modularen Elektrobaukasten.

Insgesamt teilt Diess das Produktportfolio in vier Baureihen ein. Neben dem Elektrosegment gibt es künftig die kleine, die kompakte (Golf-Größe) und die Reihe für die mittleren und großen Modelle (Passat und größer). An die Spitze dieser Baureihen gesetzt hat Diess Gerhard Wolpert (zuletzt Produktstrategiechef Konzern), den bisherigen Einkaufsmanager Karl-Heinz Hell und den Controller Elmar Licharz.