Sonntag, 25. August 2019

Elektrooffensive verschiebt die Machtverhältnisse Volkswagen muss Lieferanten mehr Macht einräumen

"Volkswagen muss die Partner stärker unterstützen", sagt Stefan Sommer, Einkaufsvorstand bei Volkswagen (Bild Archiv)

Die Elektromobilität verschiebt die Machtverhältnisse zwischen Autobauern und Zulieferern. Volkswagen will Batteriezulieferer mit Geld und der Gründung gemeinsamer Unternehmen dazu bringen, schneller mehr Kapazitäten für die Elektro-Offensive des Konzerns zu produzieren.

Volkswagen investiert Milliarden in den Wandel hin zur Elektromobilität. Doch bei weitem nicht jeder Zulieferer ist fest davon überzeugt, dass die Elektromobilität in einer so großen Dimension kommen wird, wie es die Investitionen des Autobauers vielleicht erwarten lassen. Deshalb muss Volkswagen zum Beispiel Batteriezellenhersteller umwerben und notwendige Partner mehr unterstützen, verdeutlichte jetzt Einkaufsvorstand Stefan Sommer auf einem Lieferantentreffen in Leipzig.

Dabei sähen sich Autokonzerne mit dem nahenden Zeitalter der Elektromobilität heute größeren Partnern gegenüber als dies im herkömmlichen Automobilbau mit traditionellen Zulieferern der Fall ist. Während letztere die Autokonzerne stets begleiteten, sei für erstere der Bau von Batterien womöglich nur ein Geschäftsfeld von mehreren.

"Diese Hersteller priorisieren und sich fragen: Wird das Produktionsvolumen schnell steigen?", zitiert der englischsprachige Reuters-Dienst den Volkswagen-Vorstand. Angesichts der Skepsis, die Käufer nach wie vor gegenüber Elektroautos hätten, würden sich diese Unternehmen sehr genau überlegen: Investieren sie ihr Kapital in den Aufbau einer Batteriezellenfabrik für E-Autos oder doch besser für eine neue Handylinie.

Bei einem Batteriezellenhersteller sei mehr Überzeugungsarbeit angesagt als bei einem traditionellen Autozulieferer. "Deshalb muss sich Volkswagen stärker einbringen, um die Partner zu unterstützen, zum Beispiel in der Vorfinanzierung von Produktionswerkzeugen und indem man das unternehmerische Risiko in einem Joint Venture teilt", erläuterte Sommer.


Lesen Sie auch:

Das ist Volkswagens Batteriepartner Northvolt Mit drei Batterie-Konsortien zum Elektroauto-Weltmeister


Der Konzern rüstet 16 Werke um, damit dort Elektroautos vom Band laufen können. Bis Mitte 2023 sollen mehr als 30 verschiedene Modelle unter den Marken VW, Skoda, Audi und Seat produziert werden. Folglich riesig ist der Bedarf der Wolfsburger an Batterieproduktionskapazität: In Europa und Asien schätzt der Konzern diesen Bedarf im Jahr 2025 zusammen auf 300 Gigawatt-Stunden. Bis 2030 würden sich diese Zahlen verdoppeln.

Da eigene Produktionskapazitäten in Europa nicht ausreichend zur Verfügung stehen, sind die Autobauer auf die großen Hersteller von Batteriezellen aus Asien wie SK Innovation, LG Chem und Samsung (alle Südkorea), Panasonic (Japan) sowie CATL (China) oder Northvolt (Schweden) angewiesen, die teils eigene Produktionen vor allem in Osteuropa aufbauen.


Lesen Sie auch: Die irre Elektrowette des Herbert Diess


Volkswagen selbst bleibt da nicht untätig, will ebenfalls in die Zellenproduktion einsteigen. Doch vor 2023 wird die Fertigung in dem geplanten Werk in Salzgitter für Volkswagen nicht anlaufen - und dann auch nur einen Bruchteil des Bedarfs decken können.

Volkswagen hatte erst im März den Einstieg in die Zellfertigung angekündigt. Auch mit einer Allianz von Unternehmen aus sieben EU-Staaten ("European Battery Union" (EBU) will der Konzern die Abhängigkeit von asiatischen Herstellern vermindern. Geführt wird der Verbund, der sich um staatliche Fördermittel bewirbt, von Volkswagen und Northvolt.

An einer verstärkten Kooperation mit Zelllieferanten kommen die Autobauer trotz eigener Anstrengungen auf jeden Fall nicht vorbei. Das verschiebt die Machtgewichte zwischen Lieferanten und Fahrzeugherstellern zugunsten der Zulieferer zusehends.

Volkswagen erwartet dabei, dass die Autobauer die Zellenhersteller über gemeinschaftliche Unternehmen stärker an sich zu binden versuchen. Davon profitiere auch Volkswagen, ist Einkaufsvorstand Sommer überzeugt: "Wir bauen eigene Expertise auf, die wir mit den Zulieferern teilen. Wir arbeiten eng zusammen, damit wir früh Indikationen haben, wenn es Anlaufschwierigkeiten gibt", zitiert Reuters den Einkaufsvorstand.

rei

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung