Freitag, 20. September 2019

Dieselskandal US-Aufpasser stellt Volkswagen gutes Zwischenzeugnis aus

VW-Logo auf dem Verwaltungshochhaus vom Volkswagen Werk
Julian Stratenschulte/dpa
VW-Logo auf dem Verwaltungshochhaus vom Volkswagen Werk

Aufatmen bei Volkswagen: Der von der US-Justiz zur Aufarbeitung des Dieselskandals eingesetzte Aufpasser Larry Thompson hat im zweiten Jahr seiner Arbeit keine Verstöße gegen die Auflagen festgestellt. Das erklärte VW-Rechtsvorständin Hiltrud Werner am Mittwoch in Wolfsburg. Mittlerweile beherzigten das Management und immer größere Teile der Belegschaft die Grundsätze der Compliance und der neuen Unternehmenskultur, rund 90 Prozent der Hinweise auf Verstöße würden inzwischen mit Quelle gemeldet und nicht mehr anonym.

Thompsons Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass sich kriminelles Verhalten beim weltgrößten Autobauer nach dessen Schuldeingeständnis in den USA nicht wiederholt. Der externe Prüfer hatte zeitweise ein Team von annähernd 100 Spezialisten zusammengestellt, um Volkswagen auf die Finger zu schauen. Seit 2017 musste der Autobauer auf Verlangen alle erforderlichen Unterlagen zugänglich machen. Es sollte sichergestellt werden, ob die Wolfsburger den mit den US-Behörden geschlossenen Vergleich einhalten und die versprochenen Reformen umsetzen.

Das Geständnis von VW im September 2015, mit Abgasanlagen Behörden und Kunden jahrelang betrogen, Umweltrecht verletzt und die Justiz belogen zu haben, zog einen strafrechtlichen Vergleich in Höhe von rund vier Milliarden Dollar nach sich. Insgesamt kostete die Aufarbeitung der millionenfachen Abgasmanipulation VW bisher 30 Milliarden Euro. Weltweit waren Millionen Fahrzeuge betroffen. Der Konzern stürzte in die schwerste Krise seiner Geschichte mit Milliardenkosten und schwindendem Kundenvertrauen und berappelt sich nur langsam.

"Ich habe nicht gesagt, dass alles in Ordnung ist"

Während Thompson in seinem vorigen Zwischenbericht noch einige Defizite - etwa, weil Volkswagen in Dokumenten Schwärzungen vorgenommen habe und zu zurückhaltend bei der Übermittlung bestimmter Informationen gewesen sei - gesehen hatte, sieht es nun aber besser für VW aus. Thompson machte jedoch klar, dass Volkswagen längst nicht aus dem Schneider ist. Erst am Ende seiner Tätigkeit zur Überwachung des mit der Justiz vor zweieinhalb Jahren zur Beilegung von "Dieselgate" vereinbarten Vergleichs werde sich herausstellen, ob der Konzern alle Grundsätze guter Unternehmensführung erfülle. "Ich habe nicht gesagt, dass alles in Ordnung ist." Details nannte Thompson nicht. Er verwies zur Begründung darauf, dass seine Arbeit als Monitor vertraulich sei. Thompson durchleuchtet zusammen mit einem Team aus Spezialisten das Unternehmen und erfährt dabei naturgemäß neben vertraulichen Daten auch Betriebsgeheimnisse, die er nicht weitergeben darf.

Für das dritte und letzte Mandat werde er "schlussendliche Empfehlungen erarbeiten", an welchen Stellen VW die Einhaltung von Regeln weiter verbessern kann, versprach der US-Jurist. So beinhaltet der aktuelle Bericht unter anderem Vorschläge für das interne Berichtswesen und für das Whistleblower-System.

Dass VW wieder in Schwung kommt, macht sich auch an der Börse bemerkbar. JPMorgan- Analyst Jose Asumendi geht davon aus, dass der Dieselskandal sich langsam aber sicher in Staub auflöst und die Chancen die Risiken überwiegen. Er nahm die Bewertung der Vorzugsaktien von Volkswagen mit "Overweight" und einem Kursziel von 176 Euro wieder auf. Auf Konzernebene macht der Analyst positive Beiträge durch den Börsengang der LKW-Sparte Traton und eine neue Produktion in der Türkei aus, die den Vorteil niedriger Kosten habe. Die Gewinne sollten durch die Maßnahmen langsam aber sicher wieder an Dynamik gewinnen und sich entsprechend auf den Mittelzufluss (Cashflow) auswirken. Das sollte die Ausschüttungsquote im kommenden Jahr verbessern.

uh/ dpa, rtr

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