Freitag, 19. Juli 2019

Volkswagen kündigt Lieferverträge Der Niedergang des Zulieferer-Rebellen Prevent

VW Werk in Wolfsburg: Volkswagen hat seinem Zulieferer Prevent gekündigt

2. Teil: Bei Übernahmen legte Prevent zahlreiche Fehlschlge hin

Und auch die Taktik, sich durch Zukäufe eine bessere Verhandlungsposition zu verschaffen, hat die Prevent-Gruppe in den vergangenen Monaten weiter verfolgt. Erfolgreich war dabei jedoch nur ein einziger Deal. Im Januar übernahmen sie den saarländischen Gussteile-Spezialisten Halberg Guss mit rund 3000 Mitarbeitern. Halbergs Lieferverträge mit Volkswagen laufen dem Vernehmen nach weiter - vorerst.

Die Liste der spektakulären Fehlschläge von Prevent ist dagegen lang. Monatelang versuchten die Hastors etwa eine feindliche Übernahme des Autoinnenraum-Spezialisten Grammer. Dabei scheiterten sie am Widerstand des Grammer-Managements, das zur Abwehr einen chinesischen Investor ins Boot holte.

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Auch in der deutschen Möbelbranche kauften die Hastors zu. Den Polstermöbelhersteller Gepade lassen die Hastors wenige Monate nach der Übernahme pleite gehen. Beim ebenfalls übernommenen Esszimmer-Ausstatter Wössner verlagern die Hastors die Produktion im Handumdrehen nach Bosnien.

Größter Deal war zuletzt die Übernahme des Küchenspezialisten Alno. Auch diese Transaktion mündet nach wenigen Monaten in der Insolvenz, die Reste schnappte sich die Beraterlegende Roland Berger. Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 12 Alno-Manager wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung.

Niedergang von Prevents Autozulieferer-Töchtern vorgezeichnet

Vertrauen in der deutschen Industrie erwirbt man sich so nicht gerade. In der Automobilbranche hat die Prevent-Gruppe sich so einen zweifelhaften Ruf erarbeitet: Nämlich den eines Krawall-Zulieferers, der auch bei anderen deutschen Autoherstellern längst auf der schwarzen Liste stehen dürfte.

Nach den Fehlschlägen bei Grammer und Alno, dem Ärger mit Daimler und nun der Kündigung durch VW bleibt den Hastors nicht mehr allzu viel Macht oder wirtschaftliche Stärke übrig, um sich in der Autobranche unersetzlich zu machen.

Im Autozulieferer-Geschäft dürfte die Kündigung von VW den Niedergang der Prevent-Töchter beschleunigen. Wie sehr etwa der Volkswagen-Konzern darauf erpicht ist, von Prevent loszukommen, zeigt ein Bericht der WirtschaftsWoche. Demnach kostet Volkswagen der Ausstieg bei Prevent rund 200 Millionen Euro. Davon würden 159 Millionen Euro benötigt, um andere Zulieferer in die Lage zu versetzen, die Aufträge zu übernehmen, schrieb das Magazin unter Berufung auf eine interne VW-Präsentation. Hinzu kämen Schadenersatzforderungen in noch unbekannter Höhe.

Einer hat aber konnte Prevents Brutalo-Taktik in einen persönlichen Aufstieg ummünzen: Car Trim-Geschäftsführer Vahidin Feriz nämlich, den Prevent nach Übernahme von Car Trim im Mai 2016 installiert hatte. Ende Februar 2018 ist Feriz zum Geschäftsführer des wichtigsten deutschen Hastor-Vehikels Prevent DEV aufgestiegen. Gerade noch rechtzeitig, damit er den Car-Trim-Mitarbeitern nicht mehr erklären muss, welche Konsequenzen eine Feindschaft mit Volkswagen hat.

mit Material von dpa-afx

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