Mittwoch, 20. November 2019

Volkswagen verdient weniger Kernmarke VW kommt kaum vom Fleck

Golf und Passat zum Abtransport bereit: Es geht nur langsam voran mit der Kernmarke VW Volkswagenkonzern

Der Abgas-Skandal lässt den VW-Konzern nicht los. Umsatz und Gewinn sanken im ersten Quartal. Die Kernmarke VW wirft kaum Gewinn ab, im Vergleich zum Vorjahr brach das Ergebnis der Sparte um 86 Prozent ein.

Die Abgas-Affäre bremst den Volkswagen-Konzern auch zum Jahresstart aus. Die Wolfsburger meldeten am Dienstag für das erste Quartal einen weiteren Gewinneinbruch. Unterm Strich sackte das Nettoergebnis für die Aktionäre zwischen Januar und Ende März im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund ein Fünftel auf 2,3 Milliarden Euro ab.

Der Umsatz sank um 3,4 Prozent auf knapp 51 Milliarden Euro. Die Verkaufszahlen sanken leicht um 1,2 Prozent auf knapp 2,6 Millionen Fahrzeuge.

VW versuchte mit hohen Rabatten, die Verkäufe trotz Diesel-Skandals stabil zu halten. Die Vertriebskosten stiegen zu Jahresbeginn aber bei weitem nicht mehr so stark wie direkt nach Bekanntwerden der Manipulationen. Ursprünglich hatte der Konzern sogar noch mit rund 100 Millionen Euro mehr Anreizen kalkuliert, er schöpfte diesen Puffer aber nicht komplett aus.

Sondereffekte hübschen das Betriebsergebnis auf

Auch die Währungskurse spielten Europas größtem Autobauer in die Karten: Die milliardenschweren Rückstellungen für die Folgen der Abgas-Krise gewannen bei der Währungsumrechnung an Wert, weswegen Volkswagen dieses Polster verkleinerte. Eingedenk dieses Währungseffektes kletterte das Betriebsergebnis (Ebit) leicht um 112 Millionen auf 3,4 Milliarden Euro kletterte. Ohne den Währungseffekt andere Sondereffekte sank der Betriebsgewinn im ersten Quartal auf 3,1 Milliarden Euro.

Andererseits zeigt ein weiterer Posten, wie präsent die Abgas-Affäre in den Büchern bleibt: Für künftige Anwaltskosten legte Volkswagen im ersten Quartal 200 Millionen Euro mehr zurück.

Gewinnmitnahmen drücken Aktie von Volkswagen

Die Aktie von Volkswagen Börsen-Chart zeigen brach nach der Mitteilung um bis zu vier Prozent im Kurs ein. "Das sind Gewinnmitnahmen", sagte ein Börsianer. Schließlich sei der Aktienkurs in den vergangenen beiden Monaten von 100 auf 130 Euro gestiegen. "Die Erwartungen waren sehr hoch", sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus ICF.

VW-Konzernchef Matthias Müller zeigte sich vorsichtig zufrieden: "Es ist uns auch im ersten Quartal gelungen, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Dieselthematik in Grenzen zu halten und unter schwierigen Bedingungen respektable Ergebnisse zu erwirtschaften."

Kernmarke VW wieder profitabel, wirft aber kaum Gewinn ab

Ein hartnäckiges Problem bleibt die Ertragsschwäche der Kernmarke mit dem VW-Logo: Auch zum Jahresstart warf das Sorgenkind mit Golf und Passat kaum Gewinn ab. Die Kernmarke VW, die die Hauptlast der Abgasmanipulation trägt, arbeitete zwar im ersten Quartal mit 73 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) wieder profitabel gegenüber dem Schlussquartal 2015. Doch im Vergleich zum Startquartal des Vorjahres (514 Millionen Euro) brach das Ergebnis um 86 Prozent ein. Die operative Marge lag bei 0,3 Prozent.

Audi und Porsche bleiben die Stützen

Ertragsstützen des Konzerns waren abermals Audi und Porsche. Der Oberklassehersteller aus Ingolstadt kam im ersten Quartal auf einen Betriebsgewinn von 1,3 (1,4) Milliarden Euro. Porsche steigerte sich auf 895 (765) Millionen Euro. Die tschechische VW-Tochter Skoda glänzte mit einem operativen Gewinnplus von fast einem Drittel auf 315 Millionen Euro. Auch die spanische Schwester Seat steigerte sich, ihr operativer Gewinn kletterte auf 54 (33) Millionen Euro. Die Finanzierungs- und Leasingsparte trug 492 (403) Millionen Euro zum Betriebsgewinn bei.

Die Zahl der Mitarbeiter im Inland sank nach jahrelangen Zuwächsen seit dem Jahreswechsel um rund 800 Stellen auf 277.900. Im Ausland lief der Aufbau dagegen weiter: 1,1 Prozent Plus hoben die Mitarbeiterzahl außerhalb Deutschlands um fast 4000 Stellen auf 335.200 Jobs. In Summe steht damit ein leichtes Plus von 0,5 Prozent.

rei/dpa/Reuters

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