Weitere 135 Millionen Euro Strafe Rechnung für VW im Dieselskandal steigt und steigt

Auch der kanadische Staat hat Volkswagen im Dieselskandal eine Millionenstrafe auferlegt.

Auch der kanadische Staat hat Volkswagen im Dieselskandal eine Millionenstrafe auferlegt.

Foto: Chris Wattie/ REUTERS

Der Abgasskandal hat Volkswagen für Strafen, Vergleiche und Schadenersatz bereits mehr als 30 Milliarden Euro gekostet. Doch die Rechnung steigt weiter. So hat Kanada dem Volkswagen-Konzern wegen Verstößen gegen Umweltgesetze und Importvorschriften eine Strafe von umgerechnet 135 Millionen Euro auferlegt. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwochabend (Ortszeit) in Toronto mit.

Zuvor habe sich Volkswagen schuldig bekannt, Autos importiert zu haben, die nicht den zulässigen Abgasstandards entsprachen. Der Hersteller habe zugegeben, gegen Umweltgesetze verstoßen und irreführende Angaben gemacht zu haben.

Volkswagen erklärte in einem Statement, dass das Unternehmen bei der Untersuchung der Behörden umfassend kooperiert habe. Nach dem Schuldeingeständnis und der Einigung mit der Staatsanwaltschaft seien alle Klagepunkte beigelegt. Der Beschluss erkenne die umfassenden Maßnahmen an, die Volkswagen in Kanada zur Wiedergutmachung und zur Stärkung seiner weltweiten Compliance-Richtlinien ergriffen habe. Mit der Zahlung des Konzerns würden Umweltprojekte in Kanada unterstützt.

Volkswagen zahlte bereits Milliarden in Kanada

Kanadas Regierung hatte im Dezember Anklage gegen VW erhoben und den Konzern beschuldigt, zwischen Anfang 2008 und Ende 2015 fast 128.000 Fahrzeuge mit illegaler Abgastechnik zur Manipulation von Emissionswerten eingeführt zu haben. VW war in dem Land in den vergangenen Jahren schon mit Klagen von Dieselbesitzern konfrontiert gewesen und hat dort bereits mehr als zwei Milliarden kanadische Dollar für Entschädigungen aufgewandt. Die Klage der Regierung folgte nach vierjährigen Untersuchungen des Umweltministeriums.

VW hatte im September 2015 auf Druck von US-Umweltbehörden eingeräumt, in großem Stil bei Abgastests betrogen zu haben. Durch sogenannte Abschalteinrichtungen ("Defeat Devices") wurden die Stickoxid-Messwerte auf dem Prüfstand nach unten frisiert. Weltweit betraf die Affäre laut damaligen Unternehmensangaben rund elf Millionen Dieselautos. Wegen des "Dieselgate"-Skandals hat der Konzern bereits mehr als 30 Milliarden Euro an Rechtskosten verbucht. Die rechtliche Aufarbeitung der Affäre dauert weiter an.


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Auch wenn die wesentlichen straf- und zivilrechtlichen Prozesse rund um "Dieselgate" in den USA etwa inzwischen beendet sind und zahlreiche Kunden und Händler - anders als in Europa - entschädigt wurden, bleiben viele Klagen gegen Volkswagen bei Gerichten anhängig. Hunderte betrogene Autokäufer, die eienn Vergleich ablehnten, versuchen auf eigene Faust mehr für sich vor Gericht herauszuholen.

Hier könnte Volkswagen der ehemalige FBI-Chef Louis Freeh noch gefährlich werden, der als Gutachter und Zeuge in einem Prozess aussagen soll. Freeh hat offenbar interne Detailkenntnisse über den Skandal, die er seinerzeit durch tiefen Einblick in geheime Unterlagen bekommen haben soll, weil VW 2016 den Topjuristen als Berater einzustellen beabsichtigte. Daraus wurde allerdings nichts.

Jetzt arbeitet Freeh gegen den Volkswagen-Konzern, der unbedingt verhindern will, dass Freeh als Gutachter und Zeuge zugelassen wird. VW bezichtigt Freeh des Geheimnisverrats.

rei mit dpa