IG Metall warnt VW-Chef Diess "Ein letzter Versuch der Zusammenarbeit"

Erst vor gut einer Woche wurde der Streit bei VW zwischen Konzernvorsteher Herbert Diess und dem Betriebsrat mit einem Vorstandsumbau beigelegt. Doch Frieden ist damit noch nicht eingekehrt, wie ein Interview mit IG-Metall-Chef Jörg Hofmann deutlich macht.
"Wir tun das in der Hoffnung, dass seine erratischen Ausbrüche ein Ende finden": IG-Metall-Chef Jörg Hofmann schickt eine deutliche Warnung in Richtung VW-Chef Herbert Diess.

"Wir tun das in der Hoffnung, dass seine erratischen Ausbrüche ein Ende finden": IG-Metall-Chef Jörg Hofmann schickt eine deutliche Warnung in Richtung VW-Chef Herbert Diess.

Foto: Paul Zinken / dpa

Ein Ende des Führungsstreits bei Volkswagen ist aus Sicht der IG Metall keineswegs sicher. Nach dem vor einer Woche beschlossenen Umbau des Vorstands komme es jetzt darauf an, wie Konzernchef Herbert Diess (63) seine Arbeit mache, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Jörg Hofmann (66) der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Das ist jetzt noch mal ein letzter Versuch der Zusammenarbeit", so Hofmann. "Wir tun das in der Hoffnung, dass seine erratischen Ausbrüche ein Ende finden." Wenn nicht, werde man sich dem Thema neu stellen müssen. "Ich mache mir da keine Illusionen."

Diess hatte den Betriebsrat Ende September durch Überlegungen über einen möglichen Abbau von Zehntausenden Arbeitsplätzen erneut gegen sich aufgebracht. Erst nach einer langwierigen Kompromisssuche gelang es vor gut einer Woche, den Streit mit einer weiteren Erosion der Macht von Diess zu beenden.

Demnach rückt VW-Markenchef Ralf Brandstätter zu Jahresbeginn in den Konzernvorstand auf und übernimmt das neue Ressort "Volkswagen Pkw". Konzernchef Diess soll Mitte 2022 die Leitung des wichtigen, zuletzt schwächelnden China-Geschäfts an Brandstätter abgeben, behält aber die Verantwortung für die Volumenmarken und wird oberster Chef der Software-Tochter Cariad. Der 63-Jährige bleibt zudem verantwortlich für die Strategie auf Feldern wie Software und Batterien.

Hofmann, der stellvertretender Vorsitzender des VW-Aufsichtsrats ist, sagte dazu: "Wenn Herbert Diess das Unternehmen als Vorstandsvorsitzender nach vorne entwickeln will, muss er sich da beweisen." Man könne die Vergangenheit nicht ausradieren. Trotzdem sei es für VW jetzt die richtige Lösung, "dass wir als Arbeitnehmer einen Grundkonflikt mit den Anteilseignern vermeiden konnten und fürs Erste mit Herrn Diess weitermachen".

Dessen strategische Kompetenz sei unumstritten, aber das allein sei nicht genug für einen Vorstandsvorsitzenden, sagte Hofmann. "In meinem Verständnis gehört dazu auch eine Fähigkeit, die Mannschaft zu begeistern. Das macht man nicht über Twitter oder Linkedin, sondern durch gute und verbindliche Kommunikation."

mg/dpa-afx, Reuters