Mittwoch, 8. April 2020

Jahreszahlen von VW VW verdient trotz Branchenkrise deutlich mehr und erhöht Dividende

VW-Chef Herbert Diess (links), Finanzvorstand Frank Witter: Mehr Gewinn und mehr Dividende für VW-Aktionäre - doch 2020 wird "ein Kraftakt"
Christophe Gateau / DPA
VW-Chef Herbert Diess (links), Finanzvorstand Frank Witter: Mehr Gewinn und mehr Dividende für VW-Aktionäre - doch 2020 wird "ein Kraftakt"

Gegen den Trend einer schwächeren Autokonjunktur hat der Volkswagen-Konzern 2019 noch einmal deutlich mehr Gewinn eingefahren - auch dank weiter anziehender SUV-Verkäufe. Unterm Strich legte das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr um 12,8 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro zu. Dies teilte die VW-Gruppe am Freitag nach einer Sitzung des Aufsichtsrats in Wolfsburg mit.

Der Blick auf das laufende Jahr fällt allerdings betont vorsichtig aus. Zu den Risiken gehört die maue wirtschaftliche Lage in viele Absatzmärkten, aber auch die wachsende Unsicherheit durch das neuartige Coronavirus.

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Dividende soll auf 6,56 Euro pro Aktie steigen

Das verbesserte Ergebnis ist auch darin begründet, dass die Wolfsburger 2019 deutlich weniger Kosten für die Bewältigung der Dieselaltlasten verbuchen mussten. Diese sanken auf Jahressicht von 3,2 auf 2,3 Milliarden Euro.

Die Dividende für Vorzugsaktionäre soll von 4,86 Euro auf überraschend hohe 6,56 Euro steigen. Anleger reagierten erfreut: Die Aktie von Volkswagen drehte inmitten eines extrem schwachen Marktumfeldes am Freitag kurzzeitig ins Plus.

Schwere SUV sorgen für Umsatz- und Gewinnplus

Neben dem starken Geschäft vor allem mit Stadtgeländewagen und Einsparungen bei der Kernmarke VW-Pkw sorgten 2019 sinkende Kosten zur Bewältigung der Abgaskrise für eine gute VW-Bilanz.

Gemessen an den Auslieferungen blieb der Konzern 2019 vor dem Erzrivalen Toyota weltgrößter Autobauer. Das Plus betrug 1,3 Prozent auf 10,97 Millionen Fahrzeuge, die Japaner kamen auf 10,7 Millionen. Der Umsatz der VW-Gruppe wuchs um 7,1 Prozent auf 252,6 Milliarden Euro.

Rechtskosten im Dieselskandal auf mehr als 30 Milliarden Euro gestiegen

Das Unternehmen will an rund 260 000 Diesel-Geschädigte aus der Braunschweiger Musterfeststellungsklage eine Gesamtsumme von 830 Millionen Euro verteilen. Damit dürfte die gesamte Diesel-Rechnung noch einmal steigen, mittlerweile betragen die weltweiten Rechtskosten bereits mehr als 30 Milliarden Euro. Kunden, die an dem außergerichtlichen Vergleich teilnehmen wollen, solle für ihr Fahrzeug je nach Typ und Alter zwischen 1350 und 6257 Euro erhalten.

Hohe Investitionen in E-Mobilität

Teuer wird auch der weitere Ausbau der E-Mobilität, in die in den kommenden Jahren Milliarden fließen. Einstweilen müssen SUVs und Oberklasse-Autos solche Investitionen noch mitfinanzieren. Wichtig ist vor allem der Start des neuen Kompaktwagens ID.3 im Werk Zwickau. Hier kam es zuletzt zu Verzögerungen bei der Software-Ausstattung, es gibt Berichte über Probleme bei Testfahrten. Offiziell hält Volkswagen aber an dem geplanten Marktstart zur Jahresmitte fest.

Vertriebschef Jürgen Stackmann sagte kürzlich: "Wir sind uns sicher, dass wir das über den Fahrplan im Sommer hinbekommen." Ein Sprecher erklärte: "Die Fahrzeuge werden in Zwickau in der Produktion mit der jeweils aktuellen Software bespielt - und vor Auslieferung an unsere Kunden dann im Sommer auf den neuesten Software-Stand gebracht." Ohne hinreichend viele E-Modelle gilt es als unmöglich, die verschärften CO2-Reduktionsziele der EU zu erreichen und hohe Strafen zu vermeiden. Auch beim neuen Golf 8 hatte es zu Beginn Probleme mit der Elektronik gegeben, es folgte eine entsprechend "flache Anlaufkurve".

Die schwächere Autonachfrage in vielen Ländern ist für die Wolfsburger ebenfalls eine Herausforderung. Vorstandschef Herbert Diess hatte zum Jahreswechsel gewarnt: "Konjunkturell verdichten sich die Alarmsignale aus China und den USA."

"Alarmsignale aus China und den USA"

In China hatte der Konzern Ende 2019 im Vergleich mit der Konkurrenz relativ gut abgeschnitten, im Gesamtjahr sank das Betriebsergebnis der Gemeinschaftsunternehmen dort leicht von 4,6 auf 4,4 Milliarden Euro. Wegen des Coronavirus musste die Produktion jüngst aber auch kurzzeitig ausgesetzt werden.

Die Verbreitung des Erregers macht die Einschätzung der künftige Lage schwierig: Neben geopolitischen Spannungen und Konflikten seien "länder- und regionsübergreifende Epidemien, wie aktuell der Ausbreitung des Coronavirus" Themen, die "eng zu monitoren sind". Im US-Geschäft bleibt zudem das Risiko möglicher Strafzölle bestehen.

Finanzvorstand Frank Witter meinte mit Blick auf die kommenden Monate: "Dieses Jahr gehen wir erneut von herausfordernden Marktbedingungen aus, so dass die Erreichung unserer anspruchsvollen Ziele ein Kraftakt für das gesamte Unternehmen wird."

la/dpa-afx

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