Samstag, 19. Oktober 2019

Neubesetzung gefordert Investoren greifen VW-Aufsichtsrat frontal an

"Schonungslose Aufklärung": Das hat der neue Volkswagen-Vorstandschef Matthias Müller versprochen. Der langjährige VW-Finanzchef und jetzige Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch muss das gleiche Ziel verfolgen. Das trauen ihm kritische Investoren nicht zu. Sie sehen bei Pötsch einen unüberwindbaren Interessenkonflikt und fordern die Neubesetzung des Aufsichtsrats

2. Teil: "Schonungslose Aufklärung" - wie weit geht im Zweifelsfall Vorstandschef Müller?

Der von den Familien Porsche und Piëch dominierte Volkswagen-Aufsichtsrat sei "nicht optimal zusammengesetzt". Auch lehre die Erfahrung anderer großer Firmenskandale, dass "weitergehende personelle Veränderungen" nötig seien, ließ Hirt die Zeitung wissen.

Hirt hatte bereits im Oktober den seit 2003 amtierenden Finanzvorstand Dieter Pötsch als "Mitwisser" beschuldigt, der "bei allen Entscheidungen involviert" gewesen und daher an der Aufsichtsratsspitze nicht tragbar sei. In die gleiche Kerbe der Kritik schlug auch Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Er hatte Pötsch eine Mitverantwortung für mögliche Aktionärsklagen im Zuge des Abgasskandals zugeschrieben.

Volkswagen-Aktionärsvertreter wie Hirt dürfen sich in ihrem Vorstoß offenbar der Zustimmung führender deutscher Corporate-Governance-Experten sicher sein. Sie werfen dem Aufsichtsgremium "mangelnde Unabhängigkeit" vor, berichtet die FAS ohne namentliche Nennung.

Die ungenannten Experten der guten Unternehmensführung sehen es demnach als dringend notwendig an, "den VW-Aufsichtsrat mit überzeugenden Persönlichkeiten zu besetzen, die aufgrund ihrer Qualifikation auch die Glaubwürdigkeit des Gremiums für die Aufarbeitung des Skandals besitzen", heißt es in dem Bericht weiter.

Ob die Forderungen nach eine Neubesetzung des Aufsichtsrats verfangen werden, ist schwer einzuschätzen. Vorstandschef Müller jedenfalls gilt als unbelastet im Dieselskandal. Er ist der neue starke Mann auf dem alle Hoffnungen ruhen. Müller hat mehrfach die "vollständige" und "schonungslose Aufklärung" des Dieselskandals angekündigt und zugleich erklärt, die "strengsten Compliance- und Governance-Standards der gesamten Branche entwickeln und umsetzen" zu wollen.

Das ist ein großes Versprechen. Man darf gespannt sein ob und wie er es einlöst - gerade dann, wenn es im Zweifelsfall um einzelne Mitglieder des eigenen Aufsichtsrats gehen sollte.

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