Tarifverhandlungen IG Metall verlangt 8 Prozent mehr für VW-Beschäftigte

Die Rekordinflation entwertet Löhne und verringert Kaufkraft massiv. Zugleich verdient Volkswagen prächtig. Die IG Metall verlangt jetzt für 125.000 Tarifbeschäftigte des Konzerns deutlich höhere Löhne.
Ein Lächeln: Doch die Verhandlungen für die VW-Tarifbeschäftigten dürften angesichts der hohen Forderung der IG Metall hart werden

Ein Lächeln: Doch die Verhandlungen für die VW-Tarifbeschäftigten dürften angesichts der hohen Forderung der IG Metall hart werden

Foto: HANNIBAL HANSCHKE/ REUTERS

Volkswagen steht eine harte Tarifrunde bevor. Die IG Metall fordert in den anstehenden Verhandlungen über einen neuen Haustarifvertrag für die 125.000 VW-Beschäftigten in Westdeutschland 8 Prozent höhere Löhne bei zwölf Monaten Laufzeit. Die bei dem Autobauer stark vertretene Gewerkschaft begründet die Forderung mit der gestiegenen Inflation und exzellenten Geschäftszahlen von Volkswagen.

"Unsere materielle Tarifforderung passt in die Zeit", erklärte Verhandlungsführer Thorsten Gröger. Die Inflation vernichte Wohlstand, relativiere Einkommen und bringe viele Haushalte in wirtschaftliche Schieflage. Erst Ende Juni hatte Volkswagen-Chef Herbert Diess (63) vor der Belegschaft in Wolfsburg die gute Geschäftslage des Konzerns hervorgehoben und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Aufholjagd auf Tesla eingeschworen.

Die Lohnforderung entspricht der, die die Gewerkschaft angesichts hoher Gewinne von Autokonzernen wie BMW und Mercedes-Benz für die bundesweit 3,9 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie aufgestellt hat. Auch die Auszubildenden sollen entsprechend mehr verdienen.

Altersteilzeit und Lohnumwandlung in freie Tage sind auch Thema

Die Gewerkschaft werde ihre Argumente im Herbst in die Verhandlungen mit dem Arbeitgeber einbringen, erklärte Gröger. "Zur Not auch mit großer Mobilisierung der Beschäftigten auf der Straße und vor den Werkstoren!" Volkswagen teilte mit, man habe die Position der IG Metall zur Kenntnis genommen, werde die Forderung der Gewerkschaft aber nicht vor Beginn der Tarifgespräche kommentieren.

Neben einer dauerhaft wirkenden Lohnerhöhung verlangt die Gewerkschaft eine Verlängerung des Tarifvertrages für Altersteilzeit und Verbesserungen bei der Entgeltumwandlung in freie Tage. Für dual Studierende verlangt die IG Metall überdies, dass Volkswagen die Semestergebühren übernimmt.

VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo (47) hob den Punkt der Wandlung von Entgelt in freie Tage hervor: "Hier sollte die Arbeitgeberseite nachjustieren." Bisher konnten etwa Beschäftigte, die zu Hause Angehörige pflegen müssen, von der Regelung Gebrauch machen.

Bei VW handelt die IG Metall für die Mitarbeiter in den sechs westdeutschen Werken, dem konzerneigenen Finanzdienstleister Financial Services und einigen Tochtergesellschaften traditionell einen Haustarif aus. Zeitversetzt zur gesamten Branche soll bei VW ab Oktober verhandelt werden. Die Friedenspflicht endet am 30. November. Ab dann kann die Gewerkschaft zu Warnstreiks aufrufen.

rei/Reuters/DPA
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