Dienstag, 20. August 2019

Mehr als 7 Mrd. Euro Gewinn 2016 Volkswagen: War es das jetzt mit Diesel-Gate?

Künftig wieder Jubelbilder: ein Lamborghini Veneno, Mitglied der Volkswagen Group.

Volkswagen verdaut den Dieselskandal schneller als gedacht: Der Wolfsburger Konzern wies am Freitag für das abgelaufene Jahr einen Betriebsgewinn von 7,1 Milliarden Euro aus. 2015 hatten hohe Rückstellungen für die Wiedergutmachung des Abgas-Betrugs in den USA dem Konzern den höchsten Verlust in der fast 80-jährigen Firmengeschichte eingebrockt.

Auch 2016 musste Volkswagen wegen der Abgasmanipulation viel Geld zur Seite legen. Allerdings war es mit 6,4 Milliarden Euro diesmal deutlich weniger als im Vorjahr. Insgesamt hat der Konzern damit in den vergangenen beiden Jahren wegen "Dieselgate" 22,6 Milliarden Euro zurückgestellt.

Damit fallen die Kosten für den Skandal deutlich höher aus als erwartet. Im Januar hatte ein Insider gesagt, die mit der US-Regierung ausgehandelte Strafe über umgerechnet rund vier Milliarden Euro könne die Rückstellungen voraussichtlich um maximal rund zwei auf 20 Milliarden Euro erhöhen. VW äußerte sich nicht dazu.

"Das abgelaufene Geschäftsjahr hat uns vor sehr große Herausforderungen gestellt, dennoch hat der Konzern trotz Krise eine Bestleistung im operativen Geschäft abgeliefert", sagte Konzernchef Matthias Müller. "Die Zahlen zeigen: Volkswagen ist sehr robust aufgestellt, operativ und finanziell. Das gibt uns Zuversicht für die Zukunft." Vor Sondereinflüssen verbuchte der inzwischen weltgrößte Autobauer einen Betriebsgewinn von 14,6 Milliarden Euro, eine neue Bestmarke. Der Umsatz kletterte um knapp zwei Prozent auf 217,3 Milliarden Euro. Die bereinigte operative Rendite stieg auf 6,7 (Vorjahr: 6,0) Prozent.

Im laufenden Jahr erwartet der Vorstand bei den Auslieferungen einen moderaten Anstieg gegenüber den 10,3 Millionen verkauften Fahrzeugen 2016. Der Konzernumsatz soll um bis zu vier Prozent steigen, die operative Rendite zwischen sechs und sieben Prozent liegen.

Die Stammaktionäre, darunter als größte die Familien Porsche und Piech, das Land Niedersachsen und das Emirat Katar, sollen für das abgelaufene Jahr eine Dividende von 2,00 Euro erhalten. An die Vorzugsaktionäre sollen 2,06 Euro je Anteilschein fließen. Für 2015, dem Jahr in dem die Abgasmanipulation in den USA aufflog, waren trotz des historisch hohen Verlusts eine Minidividende von elf beziehungsweise 17 Cent je Aktie gezahlt worden.

Nach der massiven Kritik an hohen Bonuszahlungen für Vorstände beschloss der Aufsichtsrat ein neues Vergütungssystem. Das Gehalt des Konzernchefs wird bei zehn Millionen Euro und das der übrigen Vorstandsmitglieder bei 5,5 Millionen Euro gedeckelt. Volkswagen macht die Vorstandsboni für das Topmanagement zudem künftig vom Aktienkurs abhängig und orientiert sich damit stärker am Kapitalmarkt.

Konzernchef Müller erklärte, der Vorstand stehe voll hinter der Modernisierung des Vergütungssystems und habe der Modifikation der laufenden Verträge zugestimmt. Es tritt damit bereits für 2017 in Kraft.

Während Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) die Neuregelung würdigte, erneuerte die CDU ihre Kritik. Es bleibe unerklärlich, warum Weil der hohen Abfindung von Rechtsvorstand Christine Hohmann-Dennhardt im VW-Aufsichtsrat zugestimmt habe. Dies müsse aufgeklärt werden. Hohmann-Dennhardt soll nach 13 Monaten bei Volkswagen mehr als zwölf Millionen Euro erhalten haben.

Die Familieneigner Porsche und Piech stärkten unterdessen VW-Markenchef Herbert Diess demonstrativ den Rücken. Der frühere BMW-Manager war in den vergangenen Wochen massiv unter Beschuss des mächtigen Betriebsrats geraten, der ihm unsoziales Verhalten beim Umbau des Unternehmens vorwarf. "Die Familien Porsche und Piech stehen weiter hinter Diess. Das ist so", sagte eine Person mit Kenntnis der Beratungen im Aufsichtsrat der Nachrichtenagentur Reuters. "Das Thema ist gelöst." Eine weitere Person bestätigte, dass Diess von den Familien gestützt werde. Die Porsches und Piechs halten über ihre Familienholding Porsche SE gut 52 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen.

Auch Audi-Chef Rupert Stadler kann vorerst durchatmen. Das Kontrollgremium der VW-Tochter sprach dem 53-Jährigen das Vertrauen aus. Zuvor waren in der Abgasaffäre neue Vorwürfe gegen ihn bekannt geworden. Konzernchef Müller, der zugleich den Aufsichtsrat von Audi leitet, erklärte, die in einem Arbeitsgerichtsprozess in Heilbronn von einem gekündigten Entwicklungsingenieur vorgelegten Dokumente seien seit längerem bekannt und belegten die Vorwürfe nicht. Stadler wird intern allerdings weiterhin zur Last gelegt, dass er bei der Aufklärung der Abgasmanipulation keine glückliche Figur abgegeben hat.

Reuters, soc

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung