Davos VW verteidigt Engagement in Xinjiang und warnt vor neuer Blockbildung

China unterdrückt in der Provinz Xinjiang massiv die Menschenrechte. Volkswagen-Chef Diess sagt, warum der Konzern sein Werk dort trotzdem nicht schließt und warnt vor einer neuen Blockbildung.
"Wirtschaftlich vernachlässigbar": Gemessen am Gesamtgeschäft in China spiele das VW-Werk in Urumtschi in der Uiguren-Provinz Xinjiang nur eine untergeordnete Rolle - trotz aller Proteste will VW das Werk nicht aufgeben

"Wirtschaftlich vernachlässigbar": Gemessen am Gesamtgeschäft in China spiele das VW-Werk in Urumtschi in der Uiguren-Provinz Xinjiang nur eine untergeordnete Rolle - trotz aller Proteste will VW das Werk nicht aufgeben

Foto: China Daily CDIC/ REUTERS

Europas größter Autobauer Volkswagen setzt trotz des zunehmend unter Druck geratenen Welthandels weiter auf die Globalisierung. "Wir haben hier diese Diskussion einer neuen Blockbildung", sagte VW-Chef Herbert Diess (63) am Mittwoch am Rande der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos vor Journalisten. Sowohl VW als weltweiter Autoanbieter als auch Deutschland seien auf Freihandel angewiesen.

"Ich denke, wir sollten nicht zu sehr auf Selbstversorgung setzen", ergänzte Diess angesichts der Debatte um mangelnde Elektronikchips und teure Rohstoffe, die nach dem Ausbruch der Covid-Pandemie und nun nach dem Krieg in der Ukraine die Weltwirtschaft bremsen.

"Nationen und große Blöcke, die zum Selbstversorger werden, sind für mich ein großes Risiko einer sich abschottenden Welt"

VW-Chef Herbert Diess

"Nationen und große Blöcke, die zum Selbstversorger werden, sind für mich ein großes Risiko einer sich abschottenden Welt", sagte Diess. Eine Abhängigkeit von bestimmten Lieferländern wie Taiwan bei Halbleitern werde zwar derzeit negativ wahrgenommen, helfe aber auch in bestimmten Aspekten. "Wenn das nicht mehr der Fall wäre, wäre Taiwan dann sicherer oder weniger sicher? Meiner Meinung nach weniger sicher", sagte Diess.

Diess: Rückzug aus Xinjiang hätte für Region negative Folgen

Der Konzern sei auch schon oft aufgefordert worden, aus dem Werk in der chinesischen Provinz Xinjiang auszusteigen. "Das wäre einfach für uns, weil das gemessen an unserem China-Geschäft wirtschaftlich vernachlässigbar ist", sagte Diess. Es sei aber ein Vorteil, dort präsent zu sein. In der Region im Nordwesten Chinas wird laut Menschenrechtlern die uigurische Minderheit von Peking systematisch unterdrückt. Für die Region hätte ein Rückzug von VW überwiegend negative Folgen, sagte Diess.

In China, wo der Konzern einen Großteil seiner Autos verkauft und Marktführer ist, hält Diess die Situation wegen der regionalen Corona-Lockdowns derzeit noch für kompliziert. "Aber wir sehen etwas Licht", sagte der Manager. Insgesamt bleibe China der Automarkt mit den größten Wachstumschancen. Generell dürfte sich die Anspannung bei den Lieferketten im Pkw-Geschäft dieses Jahr merklich legen - bei Nutzfahrzeugen liege der Fall aber noch anders.

rei/dpa-afx
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