Freitag, 19. Juli 2019

Aufstieg bei VW hängt angeblich an IG-Metall-Mitgliedschaft VW-Vorstand Diess prüft Bevorzugung von Gewerkschaftsmitgliedern

Über Kreuz: VW-Markenvorstand Herbert Diess (links), Betriebsratschef Bernd Osterloh

Volkswagen-Markenvorstand Herbert Diess prüft nach eigenen Angaben Hinweise, dass bei Einstellungen und Beförderungen im Unternehmen Gewerkschaftsmitglieder bevorzugt würden. Seit seinem Einstieg beim Konzern 2015 bekomme er "immer wieder Hinweise aus der Belegschaft und insbesondere aus dem Management, dass Einstellungen und Aufstieg in der Hierarchie von einer Mitgliedschaft bei der IG Metall abhängen würden", sagte Diess der "Bild"-Zeitung vom Montag.

Anzeigen aus der Belegschaft an verschiedenen Standorten, externe Berichte und ein "offenbar ungewöhnlich hoher gewerkschaftlicher Organisationsgrad im Management" gäben weitere Hinweise. In der vergangenen Woche hatte manager magazin darüber berichtet, dass Diess bei sechs geplanten Beförderungen im oberen Management gezielt nachgefragt habe, ob die Betreffenden Mitglied der Gewerkschaft sind. "Meine Frage wurde dahingehend beantwortet, dass etwa die Hälfte des oberen Managements auch Mitglied der IG Metall seien", sagte Diess dem Blatt.

Das Verhältnis zwischen Diess und VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh ist angespannt. Osterloh hatte dem VW-Topmanager vor einigen Tagen Wortbruch vorgeworfen.

Bevorzugung von IG Metall-Mitgliedern wären "klarer Compliance Verstoß"

Beförderungen abhängig von einer Mitgliedschaft in der Gewerkschaft wären "ein klarer Compliance Verstoß", sagte Diess der Zeitung. "Und es wäre mit den neuen Unternehmenswerten unvereinbar." Verantwortungsbewusstes Management dürfe bei solchen Indizien nicht wegsehen.

Diess und die Arbeitnehmervertretung bei VW liegen seit längerem über Kreuz. Vor knapp einem Jahr etwa warf der Betriebsrat dem Markenvorstand in einem teilweise veröffentlichten Brief "Unzuverlässigkeit" vor. Die Arbeitnehmer hätten den Eindruck, dass der Manager den Abgasskandal für "personelle Einschnitte" nutze, hieß es damals. Anfang Februar kritisierte der Betriebsrat in einem Brief an Diess und Arbeitsdirektor Karlheinz Blessing laut Medienberichten, die Geschäftsführung würde die Beschlüsse des Zukunftspakts zu Stellenabbau und künftiger Strategie unterlaufen.

la/dpa/mmo

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