Batteriezellen Volkswagen macht Batterie-Aktivitäten kapitalmarktfähig

VW bündelt seine Batterie-Aktivitäten für die Elektromobilität in einem separaten Unternehmen. Dadurch sollen die Bedingungen für einen Anteilsverkauf an Dritte oder eine Börsennotierung geschaffen werden.
Alles aus einer Hand: VW-Chef Herbert Diess bündelt die Batterie-Aktivitäten

Alles aus einer Hand: VW-Chef Herbert Diess bündelt die Batterie-Aktivitäten

Foto: ALBERT GEA / REUTERS

Volkswagen fasst die Aktivitäten entlang der Wertschöpfungskette der Batterie zusammen und macht sie damit kapitalmarktfähig. Dazu gründen die Wolfsburger eine europäische Aktiengesellschaft (SE), in der von der Rohstoffverarbeitung über die Entwicklung der sogenannten Einheitszelle bis hin zur Steuerung der sechs geplanten Batteriezellfabriken alle Bereiche zusammengefasst werden. Auch neue Geschäftsmodelle wie die Weiterverwendung ausgedienter Fahrzeugbatterien und das Recycling der wertvollen Rohstoffe gehörten zu dem Bereich, wie der Konzern am Montag mitteilte. "Wir wollen alle erfolgskritischen Etappen der Batterie-Wertschöpfung besetzen", sagt Thomas Schmall (57), VW-Konzernvorstand Technik.

Als Kapitalmarktexperten für seine Batterie-Aktivitäten warb Volkswagen Kai Alexander Müller von der Barclays Investment Bank in London ab. Der frühere Batteriechef von Apple, Soonho Ahn, werde eine führende Rolle in der Entwicklung von Batteriezellen bei VW haben, teilte der Autobauer weiter mit. Ahn gilt als einer der Superstars der Szene. Das manager magazin hatte bereits im November über die Verpflichtung von Ahn berichtet . Nach Stationen bei LG und Samsung verantwortete Ahn zuletzt als Global Head of Battery Development die Batteriezelltechnologie von Apple.

Konzernchef Herbert Diess (63) hatte bei der Präsentation der Investitionen für den kommenden Fünf-Jahres-Zeitraum vergangene Woche bereits die Gründung einer SE angekündigt. Dadurch sollten die Bedingungen für einen Anteilsverkauf an Dritte oder eine Börsennotierung geschaffen werden. Der Bereich soll bis zum Ende des Jahrzehnts einen Umsatz von voraussichtlich 20 Milliarden Euro erzielen.

Mehr als die Hälfte der Investitionen für E-Mobilität

Volkswagen plant in Europa den Aufbau von sechs Gigafabriken. In vier Jahren soll die Zellfertigung in Salzgitter starten. Zur Entwicklung, Planung und Produktionssteuerung wird der niedersächsische Standort zum Batteriezentrum für den Volkswagen Konzern. Als weitere Standorte für die geplanten Gigafabriken sind derzeit Spanien und Osteuropa im Gespräch. Bis 2030 will Volkswagen noch zwei weitere Zellfabriken in Europa eröffnen.

Für den Bau der bisher geplanten Fabriken und die Sicherung der nötigen Rohstoffmengen rechnet Technik-Vorstand Schmall mit Kosten von 25 bis 30 Milliarden Euro. Nur einen Teil davon will Volkswagen selbst stemmen. Von den für den Zeitraum 2022 bis 2026 geplanten Investitionen von knapp 160 Milliarden Euro sind mit 89 Milliarden Euro erstmals mehr als die Hälfte für E-Mobilität und Digitalisierung vorgesehen. Allein zwei Milliarden Euro investiert Volkswagen bis zum Hochlauf der Serienproduktion von Batteriezellen für das Volumensegment am Standort in Salzgitter. In Schweden ziehen die Wolfsburger zusammen mit dem europäischen Batteriespezialisten Northvolt eine Produktion für Premiumzellen hoch.

Der Konzern will in der nächsten Batteriegeneration rund 80 Prozent der eigenen Fahrzeuge mit einem einheitlichen Zellformat bestücken und so die Kosten bis zum Ende des Jahrzehnts um 50 Prozent reduzieren.

sos/Reuters