Dienstag, 2. Juni 2020

Herbert Diess fordert erneut Konjunkturprogramm und Kaufanreize VW-Chef glaubt an schnelle Erholung - wenn der Staat hilft

Volkswagen-Chef Herbert Diess glaubt an das "V": Nicht nur an das im eigenen Konzernnamen sondern auch einen V-förmige Erholung der Konjunktur - wenn der Staat mit mehr steuerfinanzierten Programmen und insbesondere weiteren Kaufanreizen für die Autoindustrie kräftig und schnell hilft.
Alexander Koerner/Getty Images
Volkswagen-Chef Herbert Diess glaubt an das "V": Nicht nur an das im eigenen Konzernnamen sondern auch einen V-förmige Erholung der Konjunktur - wenn der Staat mit mehr steuerfinanzierten Programmen und insbesondere weiteren Kaufanreizen für die Autoindustrie kräftig und schnell hilft.

Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess dringt wegen der drohenden Rezession in der Corona-Krise auf ein staatliches Konjunkturprogramm. Angesichts kaum ausgelasteter Produktionskapazitäten sei ein Anschub nötig, um der Wirtschaft auf die Beine zu helfen, sagte Diess im Podcast des Journalisten Gabor Steingart. Es gebe zahlreiche Beispiele, dass solche Programme wirkten.

Wenn ein wichtiger Sektor wie die Automobilindustrie wieder anspringe und positive Zahlen melde, Insolvenzen abgewendet würden und die Beschäftigung steige, könne sich die Stimmungslage drehen. Schon im April hatten sich Volkswagen und BMW für eine Kaufprämie stark gemacht und bekamen dabei auch politische Rückendeckung aus Niedersachsen und Bayern.

Ein Konjunkturpaket solle nicht nur der Automobilindustrie zugute kommen, betonte Diess. Es müsse zudem zukunftsorientiert sein. Auch sollten die Senkung des CO2-Ausstoßes und der Klimaschutz eine Rolle spielen. Die Diskussion über staatliche Konjunkturhilfen wird derzeit kontrovers geführt. Kritiker bemängeln insbesondere, dass nach dem Wunsch der Autobranche auch Fahrzeuge mit herkömmlichem Verbrennungsmotor gefördert werden sollen und der Klimaschutz zu kurz komme. Vor Juni wird wohl keine Entscheidung über aus Steuermitteln zusätzlich finanzierte Kaufanreizen fallen.

V-Form der Krisenbewältigung auch in Deutschland möglich

Die Bundesbank hatte jüngst erklärt, sie sehe die in Vorbereitung befindlichen Maßnahmen der Bundesregierung zur Konjunkturbelebung positiv. Diess verwies auf China als Beispiel, wo die Wirtschaft sich nach einem massiven Einbruch inzwischen rasch erhole. Eine solche V-Form in der Krisenbewältigung sei auch in Deutschland möglich.

"Wenn wir jetzt vielleicht in der kritischen Phase zu zögerlich sind, zu lange warten, abwarten, bis einzelne Unternehmen in Schieflagen kommen, dann wird es glaube ich sehr kritisch", mahnte der VW-Chef zu Eile. Dann könnte sich die Krise in eine lang anhaltende Rezession auswachsen.

Volkswagen rechnet nach früheren Angaben wegen der Pandemie im laufenden zweiten Quartal operativ mit roten Zahlen. Diess sagte, er setze aber darauf, dass sich der Konzern im Gesamtjahr in den schwarzen Zahlen halten könne. "Ich hoffe schon, dass wir uns im Wettbewerbsvergleich gut schlagen werden, weil wir natürlich versuchen, die Krise besser zu bewältigen als vielleicht einige unserer Wettbewerber."

Diess verwies dazu auch auf das breite Modellangebot des Mehrmarkenkonzerns. Der Konzernchef zeigte sich außerdem zuversichtlich, dass Volkswagen seine Klimaziele in diesem Jahr erreichen erreichen werde. Die Nachfrage nach Elektroautos und Hybridfahrzeugen steige dank staatlicher Förderung.

Reuters/rei

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