Samstag, 30. Mai 2020

Einer der größten Autohändler in Deutschland meldet Insolvenz an Hat VW-Händler Wichert zu stark am großen Rad gedreht?

Volkswagen-Händler Wichert in Schwierigkeiten: Einer der größten Autohändler in Norddeutschland mit 1400 Beschäftigten hat Insolvenz beantragt. Wichert ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und hat nach Presseberichten in seine Expansion zweistellige Millionenbeträge investiert.
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Volkswagen-Händler Wichert in Schwierigkeiten: Einer der größten Autohändler in Norddeutschland mit 1400 Beschäftigten hat Insolvenz beantragt. Wichert ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und hat nach Presseberichten in seine Expansion zweistellige Millionenbeträge investiert.

Der Riese unter den Volkswagen-Händlern in Norddeutschland, das Autohaus Wichert, hat beim Amtsgericht Hamburg Mitte ein Insolvenzverfahren beantragt. Eine Justizsprecherin bestätigte am Dienstag entsprechende Medienberichte. Das Verfahren werde in Eigenverwaltung geführt. Das heißt, in dem Verfahren wird statt der Abwicklung die Sanierung des Unternehmens verfolgt.

Dabei bleibt die Geschäftsleitung im Amt, ihr wird allerdings ein externer Sachwalter zur Seite gestellt. Diesen Job hat laut Nachrichtenagentur dpa der Hamburger Anwalt Sven-Holger Undritz übernommen, der schon in mehreren anderen größeren Hamburger Insolvenzverfahren aktiv war.

Auto Wichert beschäftigt rund 1400 Mitarbeiter an 23 Standorten in Norddeutschland. Wichert ist nicht nur das größte VW-Autohaus in Norddeutschland, sondern in den vergangenen Jahren zu einem der größten Autohändler in ganz Deutschland aufgestiegen. Wichert vertreibt Marken wie VW, Audi, Seat und Skoda.

Im vergangen Jahr hatte das Unternehmen einen Großteil der Filialen von Konkurrenten Willy Tiedge übernommen, der im Zusammenhang mit niedrigen Preisen für gebrauchte Dieselautos Insolvenz angemeldet hatte.

In einem langen Facebook-Post erklärte das Unternehmen unter anderem, dass die Löhne und Gehälter der Beschäftigten durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert sind. Völlig unklar ist allerdings wie es für die Beschäftigten weitergeht.

In den nächsten Wochen würde der Mitteilung zufolge mit allen wesentlichen Beteiligten gesprochen und vor allem mit den Investoren versucht, ein zukunftsfähiges Konzept für die Neuausrichtung des Unternehmens zu erarbeiten. Ein Gläubigerausschuss, in dem etwa Bankenvertreter sitzen, wird bei der Erstellung eines möglichen Sanierungsplanes eingebunden.

Bernd Kußmaul (l.) und Bernd Glathe von Auto Wichert (Bild Archiv): Sie hatten 1986 das Autohaus Wichert mit zunächst 13 Mitarbeitern übernommen, heißt es auf der Webseite des Händlers. Im Januar dieses Jahres habe sich Kußmaul altersbedingt aus der Geschäftsführung zurückgezogen.
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Bernd Kußmaul (l.) und Bernd Glathe von Auto Wichert (Bild Archiv): Sie hatten 1986 das Autohaus Wichert mit zunächst 13 Mitarbeitern übernommen, heißt es auf der Webseite des Händlers. Im Januar dieses Jahres habe sich Kußmaul altersbedingt aus der Geschäftsführung zurückgezogen.

"Die aktuellen Absatzzahlen sind zufriedenstellend. Wir konnten den jährlichen Absatz von 2018 auf 2019 nochmal steigern. Auch im Service sind unsere Auftragsbücher gut gefüllt", erklärte das Unternehmen, ohne Details zu nennen. Nach Informationen der "Hamburger Morgenpost" soll Wichert im Jahr 2018 rund 18.000 Autos verkauft haben.

Im vergangenen Jahr hatte Wichert nicht nur Teile des insolventen Wettbewerbers Willy Tiedtke übernommen sondern auch viel investiert und im November einen 21.000 Quadratmeter großen Audi-Terminal eröffnet. Das moderne Terminal im Hamburger Stadtteil Hammerbrook soll Wichert mehr als 15 Millionen Euro investiert haben.

rei mit dpa

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