Volkswagen Betriebsratschefin schlägt Alarm wegen China

In seinem wichtigsten Markt kämpft der Autokonzern mit massiven Problemen. Nun erhöht Daniela Cavallo den Druck auf das Management – und fordert eine Software-Offensive.
Deutschlands mächtigste Automanagerin: Betriebsrätin Daniela Cavallo

Deutschlands mächtigste Automanagerin: Betriebsrätin Daniela Cavallo

Foto: Swen Pförtner / dpa

Die Nervosität in Wolfsburg ist derzeit groß, wenn es um China geht. Nach den alarmierenden Nachrichten aus dem wichtigsten Einzelmarkt des Autokonzerns schlägt nun auch die mächtige Betriebsratschefin  Daniela Cavallo (46) öffentlich Alarm und erhöht so den Druck auf das Management. "Wir müssen jetzt alle Anstrengungen unternehmen, um dort weiter erfolgreich zu sein", sagte sie im Interview mit der "FAZ" . "VW muss in China die Kurve kriegen."

Volkswagen kämpft in China aktuell mit massiven Problemen, wie das manager magazin ausführlich berichtete . 2021 war eines der härtesten Jahre in der Geschichte. Die Verkaufszahlen der Marke VW waren auf ein Niveau gesunken wie zuletzt 2012; die Joint-Venture-Partner sind vergrätzt, weil sie sich vom Konzernvorstand vernachlässigt fühlen; und diverse Fehleinschätzungen in Produktentwicklung und Management haben den Start der elektrischen ID.-Modelle vermasselt. 2022 dürfte es zunächst kaum besser werden, so die interne Erwartung. "Das geht alles fast in Richtung Panik", hatte einer aus dem inneren Führungszirkel dem manager magazin gesagt. 

Auch auf Druck von Betriebsratschefin Cavallo hatte Konzernchef Herbert Diess (63) bereits im Dezember die Gesamtverantwortung für China abgeben müssen. Im Konzernvorstand ist künftig Ralf Brandstätter (53) zuständig, der im Sommer auch in China das Kommando vor Ort übernehmen wird. Cavallo: "Ich erwarte nicht, dass Herr Brandstätter das Ruder innerhalb kürzester Zeit herumreißt. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass er der Richtige ist, um die Themen erfolgreich anzugehen."

Die Deutschen hatten den chinesischen Markt offensichtlich lange falsch eingeschätzt. Man müsse "die Bedürfnisse der Kunden besser verstehen, vor allem in der Software", forderte Cavallo. "Für einen deutschen Autofahrer mag es nicht wichtig sein, ein Karaoke-System auf dem zentralen Bildschirm zu haben, aber viele chinesische Kunden lieben solche Features und sind enttäuscht, wenn VW sie nicht bietet." Bislang lief die Entwicklung immer über die Zentrale – ein Problem, dass auch Cavallo sieht. "Ein Schlüssel wird sein, dass unser konzerneigenes Software-Unternehmen Cariad in dem Land eine eigene Zweigstelle aufbaut, um die IT vor Ort zu entwickeln."

Für Cariad ist jetzt Herbert Diess zuständig.

lhy/Reuters