Montag, 20. Mai 2019

Volkswagen-Konzernmarken leiden VW verliert weitere Milliarden durch Dieselkrise

Nicht nur die Kernmarke VW hat im vergangenen Jahr trotz deutlich mehr verkaufter Autos weniger Gewinn eingefahren

Die Folgen des Dieselskandals sowie die neuen Abgas- und Verbrauchstests haben Volkswagen 2018 viel Geld gekostet - die Kernmarke VW aber auch Audi und Skoda fuhren niedrigere Gewinne. Dabei könnte der Konzern das Geld für die Umsetzung seiner neuen, ambitionierten Ziele zum Beispiel in der E-Auto-Produktion gut gebrauchen. Bricht jetzt ein neuer Konflikt ums Sparen aus?

Volkswagen treibt den Wechsel in die Elektromobilität voran: Der Wolfsburger Autokonzern kündigte am Dienstag an, binnen zehn Jahren 22 Millionen batteriegetriebene Fahrzeuge auf der neuen Elektroplattform MEB zu bauen, sieben Millionen mehr als zuvor in Aussicht gestellt worden war.

Die Zahl der für diesen Zeitraum geplanten neuen E-Modelle steige auf fast 70 von bisher angekündigten 50 Modellen. Die Wolfsburger wollen sich nach der selbst verursachten Dieselkrise an die Spitze der Anbieter elektrischer Fahrzeuge setzen und bis zum Jahr 2050 CO2-neutral werden. Das reicht den Angaben zufolge von der Fahrzeugflotte bis hinzu zur Verwaltung.

"Um die notwendigen Investitionen für die E-Offensive tätigen zu können, müssen wir unsere Effizienz und unsere Performance in allen Bereichen weiter steigern", sagte VW-Konzernchef Herbert Diess. Der Konzern investiert bis 2023 mehr als 30 Milliarden Euro in die Elektromobilität. Einschließlich Ausgaben für die Digitalisierung, die Entwicklung neuer Mobilitätsdienste und selbstfahrende Autos sind es sogar knapp 44 Milliarden Euro. Der Anteil der Elektroautos an der Flotte soll bis 2030 auf mindestens 40 Prozent steigen.


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Scheinbar mangelnde Effizienz insbesondere bei der Kernmarke VW hatte vergangene Woche Großaktionär Wolfgang Porsche bemängelt. Er sprach von Verkrustungen in Wolfsburg und griff damit den bei VW traditionell starken Betriebsrat frontal an. Die Äußerungen des mächtigen Aufsichtsratsmitglieds sorgten auf Arbeitnehmerseite für Befremden. Zudem hieß es in Berichten, könnten weitere 5000 Stellen in Emden und Hannover wegfallen - zusätzlich zu den bereits mit dem Betriebsrat vereinbarten 14.000 Stellen bis 2020. Die Arbeitnehmer bei VW sind aber bis 2025 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt.

Damit droht der Machtkampf zwischen dem Management um Konzern-Chef Herbert Diess und Betriebsratsboss Osterloh erneut offen aufzubrechen. Der verwies auf "Managementfehler" vor allem beim Schlamassel rund um die WLTP-Einführung und forderte personelle Konsequenzen.

Tatsächlich kostete die Dieselaffäre VW im vergangenen Jahr erneut viel Geld - die Kosten im Zusammenhang mit der Softwaremanipulation bei Dieselmotoren kletterten um weitere 3,2 Milliarden Euro auf rund 29 Milliarden Euro. Geld, das das Unternehmen an anderer Stelle eben gut gebrauchen könnte.

Kernmarke VW macht weniger Gewinn

Diese hohen Kosten haben auch die Bilanz der einzelnen Marken im Konzern schwer belastet. Bei der Kernmarke VW fiel das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen trotz eines Umsatzanstiegs von 3,3 auf 3,2 Milliarden Euro. Höhere Rabatte, unter anderem die sogenannte Umweltprämie für den Umtausch alter Dieselautos, Wechselkurseffekte und Vorleistungen für neue Elektromodelle kosteten ebenfalls Geld. Der Umsatz kletterte dank gestiegener Verkäufe hingegen um 6,8 Prozent auf 84,6 Milliarden Euro. Der Anteil des operativen Ergebnisses am Umsatz, die sogenannte Umsatzrendite, rutschte damit von 4,2 auf 3,8 Prozent. Damit verfehlte die Marke das selbst gesetzte Renditeziel von 4 Prozent.

Auch das Ergebnis von Audi und Skoda belastet, Porsche konnte zulegen

Der Konzern konnte wegen fehlender Zulassungen als Folge des neuen Abgas- und Verbrauchstests WLTP viele Modelle über längere Zeit nicht anbieten. Auch die Tochter-Marke Audi bekam dieses Problem zu spüren. Der Umsatz der Ingolstädter ging leicht auf 59,2 Milliarden Euro zurück, das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen fiel von 5,1 Milliarden Euro auf 4,7 Milliarden.

Auch bei der Tochter Skoda belastete WLTP das Ergebnis. Die Sportwagentochter Porsche steigerte den Umsatz um 9,2 Prozent auf 23,7 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte um 2,7 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro zu.

rei/Reuters/dpa

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