Mittwoch, 13. November 2019

Gute Zahlen lassen Aktie steigen Volkswagen steigert Gewinn rasant - doch die Krise hinterlässt Spuren

Konzernchef Herbert Diess: Trotz hoher milliardenhoher Kosten zur Bewältigung der Dieselkrise und für Investitionen in die Zukunft schwimmt Volkswagen in Geld
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Konzernchef Herbert Diess: Trotz hoher milliardenhoher Kosten zur Bewältigung der Dieselkrise und für Investitionen in die Zukunft schwimmt Volkswagen in Geld

Fortschritte im VW-Konzern: Der Volkswagen-Konzern hat in den ersten neun Monaten im laufenden Geschäft deutlich mehr Gewinn erzielt als im Vorjahreszeitraum und bekommt die Kosten zur Bewältigung des Abgasskandals weiter besser in den Griff. Allerdings dämpft das Management bei den Fahrzeugauslieferungen angesichts der weltweiten Konjunkturschwäche die Erwartungen: Statt eines leichten Anstiegs sollen die Auslieferungen nun auf dem Niveau des Vorjahres verharren. Aktionäre reagierten trotz der gesenkten Absatzprognose zunächst zufrieden auf die Zahlen: Die Aktie von Volkswagen Börsen-Chart zeigen war mit einem Plus von 1,5 Prozent am Mittwoch einer der wenigen Gewinner im Dax.

Zwischen Januar und September dieses Jahres stieg das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen um 11,2 Prozent auf 14,8 Milliarden Euro, teilte der Konzern am Mittwoch mit.

Hinter diesen besonderen Faktoren stecken vor allem Aufwendungen für juristische Verfahren rund um die Dieselkrise - diese gingen von 2,4 Milliarden Euro über die drei ersten Quartale 2018 auf 1,3 Milliarden Euro in diesem Jahr zurück. Rechnet man sie ein, belief sich das Gewinnplus noch auf 13,5 Milliarden Euro - ein Zuwachs von knapp 25 Prozent.


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Wie Volkswagen den Glauben an die Mobilitätsplattform verliert


Der Umsatz der Wolfsburger legte um 6,9 Prozent auf 186,6 Milliarden Euro zu. Volkswagen-Finanzchef Frank Witter erklärte, der Konzern "behauptet sich gut in einem herausfordernden Marktumfeld". Viele Autobauer kämpfen mit einer sich abschwächenden Branchenkonjunktur.

Volkswagen strotzt finanziell vor Kraft

Im Vergleich mit anderen Unternehmen aus der Autobranche, die ihren Ausblick wegen der mauen Autokonjunktur deutlich eingedampft haben und Sparprogramme verschärfen, strotzt Volkswagen finanziell weiter vor Kraft. Die Nettoliquidität im Autogeschäft lag Ende September bei 19,8 Milliarden Euro, obwohl sie durch neue Bilanzierungsregeln belastet wurde. Ende Dezember lag die Liquidität bei 19,4 Milliarden. Der Netto-Cashflow - eine wichtige Kennziffer für Analysten - überstieg mit 8,6 Milliarden Euro den Vorjahreswert um 5,1 Milliarden.

Der Konzern profitiert davon, dass die Kosten bei steigenden Stückzahlen sinken, da immer mehr Fahrzeuge wegen der modularen Bauweise gleiche Teile verwenden. Zugleich mobilisiert Volkswagen Kraftreserven, weil die einzelnen Marken ihre Produktivität steigern.

Volkswagen konzentriert sich zudem stärker auf sein Kerngeschäft mit Autos und bereitet die Trennung von Randbereichen vor. Dadurch will man in der Lage sein, die Investitionen abzusichern und zugleich die Lasten des Dieselskandals zu stemmen.

Konzern investiert 44 Milliarden in Digitalisierung und E-Mobilität

Bis 2023 wollen die Wolfsburger rund 30 Milliarden Euro allein in die Elektromobilität stecken, eine irre Elektrowette. Rund 14 Milliarden kommen für die Digitalisierung, die Entwicklung neuer Mobilitätsdienste und das autonome Fahren obendrauf. Auf mehr als 30 Milliarden Euro türmen sich inzwischen die Kosten für die Wiedergutmachung der Dieselmanipulation, die vor vier Jahren in den USA aufgeflogen war.

Finanziert werden soll der Umstieg ins Elektrozeitalter aus dem Geschäft mit herkömmlichen Verbrennern - vor allem durch SUV. Bis 2025 soll jedes zweite Fahrzeug von VW ein solcher Stadtgeländewagen sein, an denen VW mehr verdient als an herkömmlichen Pkw. Auch der jüngst in achter Generation präsentierte neue Kompaktwagen Golf soll den Wechsel in die Elektromobilität absichern.

Kernmarke VW steigert Betriebsgewinn um 40 Prozent

Ertragsstützen waren in den vergangenen Monaten erneut der Sportwagenhersteller Porsche und die beiden Lkw-Hersteller MAN und Scania, deren Holding Traton SE seit kurzem an der Börse notiert ist.

Die Hauptmarke VW steigerte ihren Betriebsgewinn im Quartal sogar um rund 40 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Das lag neben der gestiegenen Nachfrage nach Stadtgeländewagen auch daran, dass der Gewinn durch das Chaos bei der Umstellung auf den neuen Abgasmessverfahren WLTP vor einem Jahr geschrumpft war.

Bei der Tochter Audi sank der Gewinn in den ersten neun Monaten um eine halbe Milliarde Euro.

rei/dpa/Reuters

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