Eckpunkte für Vergleich ausgehandelt Winterkorn vor Einigung mit VW über Schadensersatz

VW fordert Schadensersatz von seinem früheren Konzernchef Martin Winterkorn und anderen Topmanagern. Die Eckpunkte der Vergleiche sind nun offenbar ausgehandelt: Winterkorn wird wohl eine Summe von rund zehn Millionen Euro zahlen.
Eingespieltes Team: Volkswagens Ex-Chef Martin Winterkorn (links) wird wohl rund zehn Millionen Euro an VW zahlen. Der aktuelle Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch (rechts) bleibt noch fünf weitere Jahre im Amt (Foto: Archiv)

Eingespieltes Team: Volkswagens Ex-Chef Martin Winterkorn (links) wird wohl rund zehn Millionen Euro an VW zahlen. Der aktuelle Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch (rechts) bleibt noch fünf weitere Jahre im Amt (Foto: Archiv)

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP

Der Autobauer Volkswagen ist sich mit Anwälten und Versicherern mehrerer Ex-Topmanager um den früheren Konzernchef Martin Winterkorn (74) grundsätzlich einig über Schadensersatz wegen des Dieselskandals. Ein entsprechender Beschluss stehe jetzt im Kern, hieß es am Sonntag aus Wolfsburg. Die genauen Summen und Modalitäten seien aber Gegenstand letzter ergänzender Gespräche, die man noch nicht komplett beendet habe.

In einer Sitzung am Samstag hatten die Aufseher über den bisherigen Stand der Entschädigungspläne beraten. Dabei seien die "wesentlichen Konditionen der Vergleiche" zwischen den ehemaligen Führungskräften und VW beschlossen worden, sagte ein Sprecher auf Anfrage. "Die Vereinbarungen sollen in den kommenden Tagen abgeschlossen werden."

Europas größter Autohersteller verlangt von Winterkorn, Ex-Audi-Chef Rupert Stadler sowie den früheren Konzernmanagern Ulrich Hackenberg, Wolfgang Hatz und Stefan Knirsch eine finanzielle Beteiligung an den "Dieselgate"-Folgekosten. Die Affäre um millionenfach gefälschte Stickoxid-Abgaswerte war im September 2015 in den USA aufgeflogen.

Rund 10 Millionen Euro an VW - den größten Teil zahlt Winterkorns Versicherung

Dem Vernehmen nach könnte es im Fall Winterkorn auf eine Summe von etwa zehn Millionen Euro hinauslaufen, wobei jedoch ein weit größerer Teil von Haftpflichtversicherungen gedeckt werden dürfte. Insgesamt war von bis zu 300 Millionen Euro die Rede. Es hieß, die einzelnen Beträge könnten sich kurzfristig noch ändern - in der neuen Woche könnte nun ein endgültiges Ergebnis mit konkreten Zahlen folgen.

Eine spezialisierte Kanzlei hatte im Auftrag des VW-Aufsichtsrats intern zu den Verantwortlichkeiten ermittelt. Die Juristen sicherten im Rahmen ihrer Nachforschungen rund 65 Petabyte - umgerechnet 65.000 Tera- oder 65 Millionen Gigabyte - an Daten und Millionen Dokumente. Auf Basis der Resultate beschloss der Konzern vor einigen Wochen, dass die betreffenden Ex-Manager in Regress genommen werden sollen.

Bei Winterkorn und Stadler begründete Volkswagen das mit Verletzungen der aktienrechtlichen Sorgfaltspflicht. Nach dem Bekanntwerden der Manipulationen hatten sich weltweit auch Zivil- und Strafgerichte sowie Verbraucherschützer mit dem Ursprung der Affäre befasst. Diese stürzte die Autoindustrie in eine Vertrauenskrise und verschlang in der VW-Gruppe bisher weit über 30 Milliarden Euro an Rechtskosten.

la/dpa-afx