Mittwoch, 27. Mai 2020

VW-Tochter Traton sieht Lichtblick in China

Traton sieht Lichtblick in China
Christophe Gateau/DPA
Traton sieht Lichtblick in China

Das Coronavirus stellt die Autohersteller weltweit vor riesige Probleme. Werke wurden runtergefahren, der Handel mit Autos bricht ein, Umsätze fehlen und verbindliche Exit-Planungen stehen weiterhin aus. Angesicht der schwierigen Lage, versucht Andreas Renschler Mut zu machen. Der Traton-Chef sehe wieder Lichter am Ende des Tunnels, sagte er der "Wirtschaftswoche". "Es gibt Stornierungen, aber die sind bislang überschaubar", so Renschler, der neben seinem Job bei Traton auch das Amt des VW-Nutzfahrzeugvorstands inne hat.

Andreas Renschler

"Es gibt in China auch schon wieder Bestellungen für Scania-Lkw, die wir im Moment aber nicht bedienen können, weil wir die Produktion vorläufig stoppen mussten." Die Volkswagen-Konzerntochter hat neben Europa auch in Südamerika die Produktion zurückgefahren und betreibt nur noch kleinere Produktionsstätten. "Aber der Großteil steht still", sagte Renschler.

Renschler bekräftige weiterhin, an den Plänen für einen signifikanten Stellenabbau bei dem zu Volkswagen gehörenden Nutzfahrzeugkonzern festzuhalten. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über die Streichungen seien "durch die Krise sicher etwas verzögert, gehen aber weiter", sagte der Manager. Die zu Traton gehörende Tochter MAN hatte bereits einen signifikanten Jobabbau angekündigt - vor allem in der Verwaltung. Die Coronavirus-Pandemie dürfte laut Renschler zusätzliche Streichungen mit sich bringen: "Der Handlungsdruck ist sicher nicht gesunken."


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Dass dem schon vor Ausbruch der Corona-Krise geplanten Stellenabbau bei MAN 6000 der rund 36.000 Stellen zum Opfer fallen könnten, wollte Renschler nicht bestätigen. "Für Angaben über die konkrete Ausgestaltung ist es noch zu früh. Wir können aber einen signifikantem Stellenabbau nicht ausschließen."

Eine Produktion medizintechnischer Teile sieht Renschler für Traton nicht als Weg aus der Krise. "Wir werden uns auf das fokussieren, was wir am besten können und das sind Nutzfahrzeuge", sagte er. "Neunzig Prozent der Lebensmittel in Deutschland werden mit Lastwagen transportiert." Er wünsche sich von der Regierung, dass diese Transportaufgabe als ähnlich wichtig wie andere kritische Bereiche eingestuft werde, etwa die Gesundheitsversorgung.

Trotz des Übernahmeangebots für den US-Truckhersteller Navistar bleibe es zudem bei der Strategie, nicht zwingend über Zukäufe wachsen zu müssen. Größe sei aber ein entscheidendes Kriterium. "Es ist einfach ein Unterschied, ob ein teuer entwickelter Antrieb 100.000 Mal oder 300.000 Mal pro Jahr verkauft wird", sagte Renschler. "Dazu braucht man nicht zwingend eine Akquisition, auch über strategische Partnerschaften können wir diesem Ziel näher kommen."

So führe die Kooperation mit dem japanischen Lkw-Hersteller Hino nicht zwangsläufig in eine noch stärkere Verflechtung. "In Japan denkt man in sehr konkreten Projekten, nicht in großen Bildern. Die ergeben sich dann im Lauf der Zeit oder eben auch nicht", so Renschler. Am chinesischen Hersteller Sinotruk hält Traton derweil 25 Prozent. "Bis Ende 2019 haben wir Gespräche geführt über ein weitergehendes Engagement und waren auch auf einem guten Weg. Durch Corona gibt es derzeit andere Prioritäten", sagte der Manager.

dpa/akn

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