Dirk Hilgenberg neuer Softwarechef Noch ein BMW-Mann wird Topmanager bei VW

Konzernchef Herbert Diess? Kam von BMW. Neu-Vorstand Markus Duesmann? Kam von BMW. Nun ersetzt Volkswagen auch seinen Softwarechef Christian Senger durch einen Manager mit Münchener Vergangenheit.
Bei BMW Senior Vice President Manufacturing Engineering, bei Volkswagen jetzt CEO der Car.Software-Organisation: Dirk Hilgenberg

Bei BMW Senior Vice President Manufacturing Engineering, bei Volkswagen jetzt CEO der Car.Software-Organisation: Dirk Hilgenberg

Foto: Volkswagen

Volkswagen baut die Macht seines neuen Topmanagers Markus Duesmann (51) abermals aus. Der Volkswagen-Entwicklungsvorstand und Audi-Chef verantwortet künftig auch die zunehmend wichtige Softwareentwicklung im gesamten Konzern, wie Europas größter Autobauer am Mittwoch mitteilte. Unter Duesmann löst der bisherige BMW-Manager Dirk Hilgenberg an der Spitze der Softwareabteilung Christian Senger (46) ab. Sengers Abberufung war bereits vor wenigen Tagen bekannt geworden. Er soll den Angaben vom Mittwoch zufolge im Konzern bleiben, hat aber bisher keine neuen Aufgaben.

Volkswagen hatte in den vergangenen Tagen auf vielen Spitzenposten kräftig durchrotiert. Neben Senger mussten Truck-Chef  Andreas Renschler (62) und Bernhard Maier (60), Chef der Konzerntochter Skoda, ihre Posten verlassen. Schon im Juni hatte Konzernchef Herbert Diess (61) die Führung der Kernmarke VW an Ralf Brandstätter (51) abgegeben. Die Konzernspitze um Diess und den mächtigen Betriebsratschef Bernd Osterloh (63) bemühen sich derweil, die Wogen der vergangenen Monate zu glätten.

Seit seinem Amtsantritt als Audi-Chef und Volkswagen-Konzernvorstand im April baute Duesmann seine Macht rasch aus. Er übernahm bei Audi auch das Entwicklungsressort und die Verantwortung für das Geschäft in China, den größten Markt der Premiummarke. Duesmann kam wie Konzernchef Diess und nun auch sein neuer Mitarbeiter Hilgenberg vom Rivalen BMW. Der Manager hat den Auftrag, den vom Dieselskandal gebeutelten Autobauer aus Ingolstadt neu auszurichten und den alten Audi-Slogan "Vorsprung durch Technik" mit neuem Leben zu füllen.

"In wenigen Jahren werden das Betriebssystem eines Autos und seine Vernetzung mit einer hochsicheren Daten-Cloud den entscheidenden Unterschied ausmachen", erklärte Duesmann nun. Deshalb werde die sogenannte Car-Software-Organisation als Einheit für alle Marken der Volkswagen-Gruppe gestärkt. Die Einheit, die Anfang Juli an den Start ging, soll bis Jahresende die Arbeit von rund 5000 Fachkräften bündeln. Als Premiummarke soll Audi dabei eine Vorreiterrolle im Konzern spielen. Audi soll nicht nur am Firmensitz in Ingolstadt das Zentrum der Software-Organisation beherbergen, sondern auch das Betriebsystem VW.OS erstmals mit allen Funktionen einsetzen.

Während Duesmann Zukunftsthemen wie Software, Elektroantriebe und autonomes Fahren voranbringen muss, beginnt im September mit dem Prozess gegen seinen Vor-Vorgänger Rupert Stadler (57) in München eine weitere Etappe der Aufarbeitung des Skandals um Abgasmanipulationen bei Dieselmotoren.

luk/Reuters