Donnerstag, 22. August 2019

Taktische Fallstricke vor Regierungswechsel Wie Volkswagen um seinen Milliarden-Vergleich in den USA ringt

An ihm hängt es: VW-Vorstand Francisco Javier Garcia Sanz
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An ihm hängt es: VW-Vorstand Francisco Javier Garcia Sanz

Francisco Javier Garcia Sanz ist ein viel beschäftigter Mann. Meistens in seinen mittlerweile 23 Jahren bei Volkswagen hatte es der Einkaufsvorstand mit den Zulieferern des Wolfsburger Autokonzerns zu tun. In den vergangenen Tagen indes ging es vornehmlich um gänzlich anderes. Öffentlichkeitswirksam war vor allem seine Personalentscheidung beim kriselnden Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg, wo Garcia Sanz Aufsichtsratschef ist. Der Spanier entließ Sportdirektor Klaus Allofs.

Geradezu überlebenswichtig für den Konzern ist allerdings ein Nebenjob, den Garcia Sanz seit einigen Monaten im Stillen betreibt. Konzernchef Matthias Müller hat den gewieften Feilscher zu VWs Verhandlungsführer in Sachen Diesel-Skandal gemacht. Und in dieser Funktion machte der 59-Jährige in der vergangenen Woche in Washington einen ordentlichen Schritt nach vorne. In der amerikanischen Hauptstadt ging es einmal mehr um juristische Details, um die Schwere der Wolfsburger Schuld, und vor allem: um viel Geld. Volkswagen erwartet in den USA eine Milliardenstrafe für den Verkauf von Dieselmotoren mit manipulierten Abgaswerten.

Garcia Sanz' Gespräche stehen seit der US-Wahl unter besonderem Zeitdruck. Am 20. Januar übernimmt Donald Trump das Amt des US-Präsidenten; und mit ihm werden auch zumindest die wichtigsten Beamten in den Ministerien ausgetauscht. Vieles begänne von Neuem - auch die Verhandlungen zwischen Garcia Sanz und den Ministerialen des in Washington zuständigen Department of Justice (DoJ). VW will deshalb möglichst schnell einen Deal; und auch das Justizministerium will die Lösung nicht den Trump-Leuten überlassen.

Bis nach Mitternacht sei teilweise diskutiert worden in der vergangenen Woche, heißt es bei Volkswagen. Und Garcia Sanz soll einem Deal deutlich näher gekommen sein als in den für VW eher frustrierenden Wochen zuvor. So zumindest wird es in Verhandlungskreisen berichtet, und das in Wolfsburg wie Washington.

Es wäre die Einigung, auf die man bei Volkswagen schon lange wartet. Ein Deal, der noch einmal mehrere Milliarden Euro kosten könnte als die bislang verhandelten 15 Milliarden Euro. Der aber endlich Klarheit brächte. Und der deutlich mehr Kraft freisetzen würde für das eigentlich wichtige: die Entwicklung, den Bau und den Verkauf von Autos.

Aber wie passt dazu jene Meldung der "Bild am Sonntag", dass ein Deal vor dem Regierungswechsel fast ausgeschlossen sei? Waren Garcia Sanz' Verhandlungen umsonst? Und was würde ein Zurück-auf-Los bedeuten?

Volkswagen mag sich dazu nicht äußern. manager-magazin.de erklärt die wichigsten Punkte - und warum die Einigung doch sehr bald stehen könnte.

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