Nach Kritik von Betriebsrätin Cavallo VW-Chef Diess sagt US-Reise wegen Betriebsversammlung ab

Kehrtwende nach heftiger Kritik: Volkswagen-Chef Herbert Diess hat eine geplante US-Reise abgesagt, um an einer Betriebsversammlung in Wolfsburg teilzunehmen. Betriebsratschefin Daniela Cavallo hatte den CEO mit deutlichen Worten dazu aufgefordert.
Termine gecancelt: VW-Chef Herbert Diess spricht jetzt doch lieber mit seinen Mitarbeitern als mit Investoren in den USA

Termine gecancelt: VW-Chef Herbert Diess spricht jetzt doch lieber mit seinen Mitarbeitern als mit Investoren in den USA

Foto: Philipp von Ditfurth/ dpa

Nach deutlicher Kritik aus dem Betriebsrat wird Volkswagen-Chef Herbert Diess (62) doch an der Betriebsversammlung Anfang November in Wolfsburg teilnehmen. Eine eigentlich für kommende Woche geplante Reise in die USA ist abgesagt, wie ein Unternehmenssprecher am Mittwoch auf Anfrage bestätigte. Die neue Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo (46) hatte zuvor das Fernbleiben des Konzernchefs von der Unternehmensversammlung öffentlich kritisiert.

Konzernchef Diess werde am 4. November in Wolfsburg sein und sich den Fragen der Mitarbeiter stellen, sagte der Unternehmenssprecher. Eine für den Donnerstag geplante eigene Dialogveranstaltung sei kurzfristig abgesagt worden. Cavallo, die im Mai den langjährigen Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh (65) abgelöst hatte, hatte die ursprünglichen Pläne von Diess zuvor mit deutlichen Worten kritisiert.

"Herbert Diess zieht die Investoren an der Wall Street der eigenen Belegschaft vor", schrieb Cavallo in einem Statement vom Dienstagabend. Dieses Verhalten sei in der Geschichte des Konzerns beispiellos und zeige, dass Diess selbst in dieser Krise weder Empathie noch Gespür für die Situation der Belegschaft habe. "Diese Provokation zeigt uns, dass Herr Dr. Diess weiterhin keinerlei Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit hat."

Der Konzernchef solle seine persönliche Profilierung über die Medien beenden und "gefälligst" am 4. November die Fragen der durch Kurzarbeit als Folge der Chipkrise verunsicherten Belegschaft beantworten.

Stattdessen schiebe der Vorstand eine Dialogveranstaltung "nach eigenem Drehbuch" in seinen Terminkalender. Cavallo hatte Diess zudem aufgefordert, den Finanzvorstand Arno Antlitz (51) notfalls zu den Investoren in die USA zu schicken und der Belegschaft Rede und Antwort zu stehen.

Kompromiss: eine neue Fabrikanlage für Wolfsburg

Hintergrund des Streits ist die geringe Auslastung des VW-Hauptwerks in Wolfsburg. 2021 könnte hier so wenig produziert werden wie zuletzt Ende der 50er-Jahre. Die Arbeitnehmervertretung fordert daher ein zusätzliches Elektromodell neben dem Projekt "Trinity", das nun erst ab 2026 umgesetzt werden soll, um die Produktion im Stammwerk zu erhöhen.

VW-Chef Diess setzt dagegen auf Stellenstreichungen und will 30.000 der knapp 120.000 Arbeitsplätze bei der Marke VW in Deutschland abbauen. Prekär dabei: Wie manager magazin erfuhr , versuchte Diess den Jobabbau an den Arbeitnehmervertretern vorbei zu organisieren. Das stieß bei Cavallo (lesen Sie hier  ein Porträt über die neue Betriebsratschefin) auf wenig Verständnis.

Inzwischen zeichnet sich allerdings ein Kompromiss zwischen den Parteien ab: In Wolfsburg könnte eine neue Fabrikanlage gebaut werden – für den Tesla-Fighter.

mg/dpa-afx, Reuters
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