"Diess enteignen" Farbanschlag auf Privathaus von VW-Chef Herbert Diess

Anlässlich der Automesse IAA Mobility gab es in München bereits einige Aktionen von Umweltaktivisten, die die Autoindustrie kritisieren. Jetzt traf es Volkswagen-Chef Herbert Diess persönlich: Unbekannte beschmierten sein Privathaus in der bayerischen Hauptstadt.
In der Kritik: Das Haus von Volkswagen-Chef Herbert Diess wurde beschmiert

In der Kritik: Das Haus von Volkswagen-Chef Herbert Diess wurde beschmiert

Foto: Tobias Hase/ dpa

Auf das Privathaus von Volkswagen-Chef Herbert Diess (62) in München ist ein Farbanschlag verübt worden. Unbekannte Täter hätten mit roter Farbe auf die Eingangstür "Diess enteignen" geschrieben, bestätigte ein Sprecher des Autobauers. Die Schmierereien seien umgehend entfernt worden. Das Unternehmen verurteile den Anschlag. Das Online-Magazin "Business Insider" berichtete darüber hinaus, die Täter hätten ein Schreiben hinterlassen, in dem Diess als "Vertreter des deutschen Autokapitals" bezeichnet werde. Diess habe bei der Münchner Polizei Strafanzeige wegen Sachbeschädigung erstattet.

In München findet derzeit die Automesse IAA Mobility statt. Die Eröffnung der Messe am Dienstag war von massiven Protesten von Umweltaktivisten begleitet. IAA-Gegner seilten sich von Autobahnen ab und sorgten damit für ein Verkehrschaos. Sie werfen der Autoindustrie vor, Klimaschutz lediglich als Lippenbekenntnis zu betreiben. In einer am Freitag verbreiteten Erklärung eines Bündnisses von Klimaaktivisten heißt es: "IAA und Autoindustrie stehen für ein Wirtschaftssystem, in dem Profite über dem Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlage stehen."

Auch am Freitag kam es in München am Rande einer Kundgebung von Klimaschutzaktivisten zu Auseinandersetzungen. Ein Polizeisprecher sagte, etwa 100 Demonstranten hätten am Vormittag versucht, eine Absperrung an der Theresienwiese zu durchbrechen. Um das zu verhindern, habe man auch Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt.

Diess hat sich wiederholt der Diskussion mit Umweltschüzern gestellt. Am Rande einer Veranstaltung des Konzerns vor der IAA diskutierte er mit Vertretern der Umweltorganisation Greenpeace. Dabei hob er die Investitionen von Volkswagen in die Elektromobilität hervor und nannte die Klage von Umweltverbänden gegen die deutschen Autobauer ungerechtfertigt. In einem Gespräch mit Reuters und der "Süddeutschen Zeitung" am Rande der Messe sagte der Konzernchef: "Es macht aus meiner Sicht keinen Sinn, dass wir im Mittelpunkt der Proteste stehen." Belangt werden sollten diejenigen, die mit der Erdölförderung und dem Verbrennen Gewinne machten. Die Autoindustrie unternehme große Anstrengungen, um den CO2-Ausstoß zu verringern.

Volkswagen hatte angesichts mehrerer Protestaktionen gegen den Konzern in den vergangenen Wochen erklärt, man sei offen für Kritik und Diskussionen über den richtigen Weg zu mehr Klima- und Ressourcenschutz sowie über die Sicherung der Arbeitnehmerrechte in den weltweiten Lieferketten. Beschädigungen und Gewalt dürften jedoch keine Mittel des Streits sein. Von der Münchner Polizei gab es zunächst keine Angaben zu den Umständen des Vorfalls an Diess' Haus.

cr/Reuters, dpa
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