Mittwoch, 13. November 2019

Nach Bulgarien bringt sich auch Rumänien ins Spiel Osteuropäische Länder buhlen um VW-Werk

Volkswagen-Werk in Wolfsburg: Der Konzern hat seine Pläne für die Türkei wegen der Syrien-Offensive vorerst auf Eis gelegt
Julian Stratenschulte/ DPA
Volkswagen-Werk in Wolfsburg: Der Konzern hat seine Pläne für die Türkei wegen der Syrien-Offensive vorerst auf Eis gelegt

Bulgarien will dem Volkswagen-Konzern im Wettstreit mit der Türkei um ein neues Werk der Wolfsburger mehr Geld anbieten. Um sich den Zuschlag zu sichern, ist das Land bereit, die von ihm angebotenen Subventionen zu verdoppeln. "Wir haben einen Weg gefunden, dem Volkswagen-Konzern statt 135 Millionen Euro 250 bis 260 Millionen Euro anzubieten", sagte der ehemalige Staatschef Rossen Plewneliew der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er ist gegenwärtig der Präsident des bulgarischen Automobilclusters in Sofia.

VW sei ein entsprechendes Angebot unterbreitet worden, eine Antwort stehe noch aus, ergänzte er. Rechne man die Infrastruktur hinzu, etwa die Anbindung an die Schiene, an die Autobahn und die U-Bahn, biete Sofia 800 Millionen Euro an, damit sich VW für Bulgarien statt für die Türkei entscheide. Der bulgarische Autopräsident versicherte, dass die Beihilfen mit der EU-Kommission abgesprochen seien. Die Türkei indes habe sich über die Regeln hinweggesetzt. Der Standort in Bulgarien war laut FAZ-Bericht neben dem türkischen Manisa bei Izmir als einziges noch im Rennen.

Kurz nach Bulgarien hat sich am Morgen auch das Südosteuropäische Land Rumänien ins Spiel gebracht. "Wir haben neue Gespräche mit dem Volkswagen-Konzern angestoßen", zitierte die rumänische Tageszeitung "Ziarul Financiar" Handelsminister Stefan Radu Oprea. Rumänien verfüge über "sehr gute" technische Voraussetzungen und habe kein Problem, Arbeitskräfte zu bekommen. In Rumänien wird bereits die zu Renault gehörende Marke Dacia produziert.

Amnesty Deutschland begrüßt Entscheidung von VW

Nach der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien hatte der Volkswagen-Konzern seine Pläne für ein neues Werk nahe der Metropole Izmir auf Eis gelegt. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der für den Großaktionär Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat sitzt, erklärte: "Die Bilder, die wir aus Nordsyrien sehen, sind entsetzlich." Die Militäroffensive sei ein offensichtlicher Bruch des Völkerrechts. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Volkswagen unter diesen Bedingungen in der Türkei eine Milliardeninvestition vornimmt", sagte Weil.

Auch der Wirtschaftsexperte der Menschenrechtsorganisation Amnesty Deutschland, Matthias John, begrüßte die Entscheidung von VW. John sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung": "Wir begrüßen es, wenn Unternehmen wie Volkswagen bei ihren Entscheidungen auch ausdrücklich menschenrechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigen." Dies gehöre zu den menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten - entlang aller Liefer- und Wertschöpfungsketten.

Auch Wirtschaftsvertreter äußerten sich positiv zu der VW-Entscheidung. Mit dem völkerrechtswidrigen Einmarsch in Nordsyrien müsse eine weitere Debatte über die politische Verlässlichkeit der Türkei geführt werden, sagte Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Niedersachsenmetall, der "HAZ". Noch 2015 habe die Türkei als Wirtschaftswunderland gegolten, doch bereits 2018 hätten 90 Prozent der im Verband versammelten Unternehmen keine ausreichende Rechts- und Planungssicherheit in der Türkei mehr gesehen. Die Angriffe der Türkei stoßen international auf Kritik.

luk / Reuters, dpa-afx

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