Mittwoch, 27. Mai 2020

Drohende Strafe für Volkswagen Britische Richter geben 91.000 Diesel-Klägern Recht

Volkswagen-Logo auf schmutziger Felge: Das Image des Autokonzerns ist wegen des Dieselskandals weiterhin angeschlagen.

Mehr als viereinhalb Jahre nach Bekanntwerden des Dieselskandals muss Volkswagen möglicherweise auch betroffene Kunden in Großbritannien entschädigen. Der High Court in London gab am Montag rund 91.000 VW-Kunden Recht, wie Anwälte der Sammelklage mitteilten: Das Gericht sehe es als erwiesen an, dass VW illegale Software in Fahrzeuge einbaute, die in Großbritannien verkauft wurden, um den Schadstoffausstoß bei Emissionstests zu drücken.

Wie hoch mögliche Entschädigungen ausfallen könnten, muss die Justiz in einem gesonderten Verfahren entscheiden. Einige Kunden könnten einen Teil der Summe erstattet bekommen, die sie für den Kauf eines Volkswagen Börsen-Chart zeigen , Audi, Seat oder Skoda ausgaben, wie die Anwaltskanzlei Slater und Gordon mitteilte. Sie vertritt rund 70.000 Kläger.

VW reagierte "enttäuscht" auf das Urteil. Der Konzern erwäge, in Berufung zu gehen, teilte ein Sprecher mit. Der Konzern sei nach wie vor sicher, dass die Kläger keinen Schaden erlitten hätten. Der Fall sei noch nicht abgeschlossen, Volkswagen werde sich im restlichen Verfahren unverändert "robust" verteidigen. "Nichts an der heutigen Entscheidung ändert das."

VW hatte im September 2015 zugegeben, in weltweit elf Millionen Fahrzeugen eine illegale Software eingesetzt zu haben. In Großbritannien waren 1,2 Millionen Fahrzeuge betroffen.

In Deutschland bietet der Konzern mittlerweile rund 260.000 Dieselkunden einen Vergleich an; sie sollen Einmalzahlung zwischen 1350 und 6257 Euro erhalten. Das Interesse an einem schnellen Vergleich mit Volkswagen ist für viele Teilnehmer der Musterklage dabei weiter groß. Bisher hätten sich 231.000 der 262.000 berechtigten Kunden bei Volkswagen registriert, knapp jeder fünfte Fall sei bereits überprüft, sagte ein VW -Sprecher am Sonntag. Zuvor hatte der "Tagesspiegel" darüber berichtet.

Insgesamt will Volkswagen dafür 830 Millionen Euro ausgeben. In Zusammenhang mit dem Dieselskandal zahlte der Konzern bereits mehr als 30 Milliarden Euro an Strafen und Entschädigungen, vor allem in den USA.

cr/AFP/dpa-afx

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