Freitag, 18. Oktober 2019

VW-Dieselskandal Bosch schlittert immer tiefer in Abgas-Skandal

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DPA

Bosch ist womöglich viel tiefer in dem Abgas-Skandal verwickelt als der Konzern zugibt. Demnach sollen seine Ingenieure die Betrugssoftware über Jahre mitentwickelt haben. Auch habe Bosch von VW gefordert, den Zulieferer von der Haftung freizustellen.

Mehrfach hat Bosch in der Vergangenheit den Verdacht zurückgewiesen, im VW-Abgas-Skandal eine entscheidende Rolle gespielt zu haben. Als "wild und unbegründet" kritisierte der Zulieferer Beschuldigungen von Klägeranwälten , wonach 38 Mitarbeiter am Betrug beteiligt gewesen sein sollen.

Doch im dem US-Verfahren kommt der mitangeklagte Zulieferer immer mehr unter Druck. Bislang geschwärzte Teile der US-Klageschrift von VW-Kunden gegen Bosch, die nun freigegeben sind, sollen laut NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" belegen können, dass Bosch-Ingenieure die Betrugssoftware jahrelang mitentwickelt hätten. Dabei sei dem Zulieferer klar gewesen, dass eine derartige Abschaltvorrichtung verboten sei.

Bestandteil der Klage ist demnach auch ein Brief vom Juni 2008. Darin habe Bosch vom VW-Konzern gefordert, ihn von einer Haftung freizustellen. Denn die "geforderte Weiterentwicklung" der Motorsteuerung werde dazu führen, "dass Daten möglicherweise als defeat device (Betrugssoftware) eingesetzt werden".

Bosch weise in dem Schreiben ausdrücklich darauf hin, dass die Verwendung einer solchen Funktion in den USA verboten sei und warne, dass die damit ausgestatteten Fahrzeuge ihre Betriebserlaubnis verlieren könnten.

Anklage gegen Bosch erweitert

Die Anwälte, die geschädigte Dieselbesitzer in den USA vertreten, hatten ihre Klage gegen den Zulieferer erst Mitte August erweitert. Sie werfen Bosch vor, über mehr als zehn Jahre eine aktive Rolle bei der Entwicklung einer an VW gelieferten Software gespielt zu haben, mit der bei Abgastests getrickst worden sein soll. Unkenntnis über den Betrug sei auszuschließen. Bosch wollte sich unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht zu den Vorwürfen äußern.

Mittlerweile hat sich VW mit den US-Klägern - dazu zählen Fahrzeugbesitzer sowie Autohändler, US-Behörden und Generalstaatsanwälte - beim größten Teil der betroffenen Wagen auf einen Vergleich in Höhe von bis zu 15,3 Milliarden US-Dollar (rund 13,5 Milliarden Euro) geeinigt. Bosch ist Beklagter in dem gleichen Verfahren, hat aber bislang kein Schuldgeständnis abgegeben und sich nicht an dem außergerichtlichen Kompromiss beteiligt.

rei/dpa

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