Volkswagen, BMW, Daimler und Porsche Pandemie-Jahr 2021 – Autobauer rechnen ab

Nach und nach trudeln die Verkaufsbilanzen der Autokonzerne für das vergangene Jahr ein. Zwischenstand: Bei VW und Daimler rutschten die Verkäufe ab. Porsche und BMW dagegen konnten 2021 neue Rekorde erzielen.
Präsentation von BMW im vergangenen Jahr in Shanghai: Die Münchener sind zurück an der Spitze im Premiumsegment

Präsentation von BMW im vergangenen Jahr in Shanghai: Die Münchener sind zurück an der Spitze im Premiumsegment

Foto: Alex Plavevski / EPA

Es sind turbulente Zeiten für die Autobauer des Landes. Volkswagen erlebt ein Tief wie seit zehn Jahren nicht mehr. Auch Daimler kämpft mit schwachen Absatzzahlen. Doch es gibt auch Hoffnung in der Branche: Porsche und BMW haben nach dem ersten Coronajahr 2020 im vergangenen Jahr ihre Absatzzahlen wieder in die richtige Spur gebracht.

Der Sportwagenbauer Porsche hat 2021 einen neuen Allzeit-Rekord verzeichnet. Weltweit verkaufte das Unternehmen im vergangenen Jahr 301.915 Autos und somit 11 Prozent mehr als im Jahr 2020, wie Vertriebsvorstand Detlev von Platen am Mittwoch in Stuttgart mitteilte. "Die Nachfrage ist weiterhin hoch und unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt." Die Volkswagentochter starte daher voller Elan und Zuversicht in dieses Jahr und weltweit in allen Regionen.

Das größte Plus erzielte die Volkswagentochter im vergangenen Jahr in Amerika. In den USA nahm die Zahl der Verkäufe um 22 Prozent auf 70.025 Fahrzeuge zu. Größter Einzelmarkt blieb weiterhin China. Im Jahr 2021 verkaufte Porsche dort 95.671 Autos und damit 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf dem Heimatmarkt in Deutschland legten die Verkäufe um 9 Prozent auf 28.565 Fahrzeuge zu. Und eine Besonderheit: Erstmals verkaufte Porsche mehr Modelle des elektrisch betriebenen Taycan (41.296) als vom klassischen 911er (38.464).

Bis 2030 will Porsche bei seiner Neuwagenflotte einen Elektroanteil von 80 Prozent erreichen, wobei das Unternehmen rein elektrisch angetriebene und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge zusammenrechnet. Im vergangenen Jahr lag der Anteil den Angaben einer Sprecherin zufolge bei 24 Prozent, rund 14 Prozent waren rein elektrisch betriebene Autos und 10 Prozent Plug-in-Hybride, die einen Verbrennungs- und einen Elektromotor besitzen.

BMW steigert Absatz deutlich

Auch Konkurrent BMW hat trotz der Chipkrise in der Autobranche 2021  deutlich mehr Autos verkauft als im ersten Pandemie-Jahr. Der Absatz des Konzerns, zu dem neben der Kernmarke BMW auch Mini, Rolls-Royce und Motorräder gehören, stieg um 8,4 Prozent auf gut 2,5 Millionen, wie BMW am Mittwoch mitteilte. Die Kernmarke BMW schaffte sogar einen Absatzrekord; die Verkäufe legten um 9,1 Prozent auf 2,2 Millionen Autos zu. Damit eroberten die Münchner die Krone im Premiumsegment zurück. Für das laufende Jahr zeigte sich Vertriebsvorstand Pieter Nota ebenfalls zuversichtlich. "Auch 2022 wollen wir profitabel wachsen."

BMW profitierte insbesondere von einer hohen Nachfrage in den USA: Hier schnellte der Absatz um zuletzt knapp ein Fünftel hoch. In China verkauften die Münchner 8,9 Prozent mehr Autos. Mit insgesamt 846.237 verkauften Autos ist die Volksrepublik der größte Einzelmarkt. In Europa reichte es zu einem Plus von 3,9 Prozent. In Deutschland gab der Absatz allerdings um 6,8 Prozent nach.

Auch die Konzerntochter Rolls Royce verkaufte 2021 mehr Autos als je zuvor in der 117-jährigen Geschichte. Die 5586 verkauften Autos entsprachen einem Zuwachs von mehr als 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Weniger erfolgreiche Zahlen verzeichnete Daimler im Schlussquartal des vergangenen Jahres. In den Monaten Oktober bis Dezember lieferte die Stammmarke Mercedes-Benz weltweit 464.130 Pkw aus und damit knapp ein Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum. Auf Jahressicht fielen die Stuttgarter mit 2,05 Millionen verkauften Autos damit erstmals seit Jahren wieder hinter den Konkurrenten BMW zurück.

Allerdings priorisiert Daimler den Einbau von verfügbaren Halbleitern auf lukrativere Modelle und Elektroautos, um die Geschäftszahlen zu schonen. So seien die Verkäufe von High-End-Modellen und Elektroautos auf Rekordniveau, hieß es. Der Verkauf von vollelektrischen Modellen zog 2021 um rund 90 Prozent auf 99 301 Autos an.

Volkswagen liefert schwache Verkaufszahlen

Besonders schlecht schneidet in diesem Jahr Volkswagen ab. Der Halbleitermangel hat den Absatz des Autobauers auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren fallen lassen. Weltweit lieferte der Konzern im vergangenen Jahr rund 8,9 Millionen Pkw, Lastwagen und Busse aus, 4,5 Prozent weniger als im bereits schwachen ersten Coronajahr, wie Volkswagen am Mittwoch mitteilte. Zuletzt waren die Auslieferungen im Jahr 2011 so niedrig gewesen. Besonders hoch war der Rückgang auf dem größten Pkw-Markt in China, wo der Konzern wegen des Chipmangels und wackeliger Lieferketten 14,1 Prozent weniger Fahrzeuge zu den Kunden brachte. In Nordamerika steigerte sich der weltweit zweitgrößte Autobauer dagegen um 15,6 Prozent.

Zugleich legten die Auslieferungen von Elektroautos kräftig zu. Weltweit sei die Zahl der batteriebetriebenen Fahrzeuge auf 452.900 fast verdoppelt worden. Der Anteil am gesamten Absatz lag bei fünf Prozent. In Europa sieht sich der Wolfsburger Konzern bei vollelektrischen Fahrzeugen mit deutlichem Abstand als Marktführer. Der Absatz von Plug-in-Hybridautos wuchs um 61 Prozent auf 309.500 Fahrzeuge.

Das Jahr 2021 habe gezeigt, wie sich das Geschäftsmodell von Volkswagen ändere, erklärte Vertriebschef Christian Dahlheim: "Die Einnahmequellen werden sich schrittweise weiter verschieben: von konventionellen Verbrenner-Modellen hin zu emissionsfreien Elektroautos und vom Fahrzeugverkauf hin zu Software und Mobilitätsdiensten." Bis 2030 peilt der Konzern an, dass jedes zweite weltweit verkaufte Auto vollelektrisch ist.

mje/DPA/Reuters
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